|
Ein
Fallbericht:
Späte Malaria tertiana nach Rückkehr aus Afghanistan
Im
Juni 2003 erkrankte ein 27-jähriger Soldat neun Monate nach Rückkehr
aus dem Einsatz in Kabul/Afghanistan an einer Malaria tertiana, hervorgerufen
durch Plasmodium vivax. Der Soldat hatte im Einsatz eine Chemoprophylaxe
mit Chloroquin und Proguanil durchgeführt. Nach einem 6-tägigen
Krankheitsverlauf unter der Diagnose fieberhafter grippaler Infekt
erfolgte die notfallmäßige Aufnahme des schwer erkrankten Patienten
in ein Krankenhaus am Wohnort mit den Leitsymptomen hohes Fieber,
massives Erbrechen und Dyspnoe.
Im Routinelabor wurden zufällig intraerythrozytäre Strukturen
entdeckt und als Malariainfektion unklarer Spezies bewertet. Nach Verlegung
in die tropenmedizinische Abteilung des Schifffahrtmedizinischen Instituts
der Marine in Kronshagen und Bestätigung der Diagnose, Bestimmung
der Spezies sowie des Grades der Parasitämie wurde eine spezifische
antiparasitäre Therapie (mit Chloroquin) und anschließende
Rezidivprophylaxe (mit Primaquine) durchgeführt. Der Patient ist
seit sechs Wochen rezidiv- und beschwerdefrei.
Über einen weiteren Fall von Malaria tertiana sechs Monate nach Rückkehr
aus Afghanistan wurde im Juli 2003 aus dem Bundeswehrkrankenhaus Leipzig
berichtet. Nach vorliegenden Informationen wurden sowohl aus den amerikanischen
Streitkräften als auch aus Großbritannien Malaria-tertiana-Fälle
bei Rückkehrern aus Afghanistan registriert.
Folgende Schlussfolgerungen werden gezogen:
Ù Trotz Chemoprophylaxe sind Malariainfektionen grundsätzlich
nicht auszuschließen. Eine größere Zahl deutscher Soldaten
war und ist in Afghanistan - einem Malaria-Endemiegebiet - eingesetzt
bzw. könnte dort eingesetzt werden, so dass mit weiteren Erkrankungen
gerechnet werden kann. Die Ärzte in Deutschland sollten beachten,
dass nach Aufenthalt im Auslandseinsatz der Bundeswehr in Malariaendemiegebieten
(derzeit Kenia, Djibouti und Afghanistan) und dem Auftreten von grippeähnlichen,
fieberhaften oder anderen unerklärlichen Symptomen bei Soldaten eine
Malariainfektion ausgeschlossen werden muss.
Ù
Insbesondere bei Plasmodium vivax, Pl. ovale und Pl. malariae ist unter
Umständen mit einer sehr langen Inkubationszeit oder auch Spätrückfällen
zu rechnen. Die klassische Chemoprophylaxe (z. B. mit Chloroquin oder
Mefloquin) ist eine so genannte Suppressionsprophylaxe, die nach Infektion
des Menschen lediglich die erythrozytären Formen des Parasiten, nachdem
er den Leberzyklus durchlaufen hat, abtötet. Plasmodium vivax, der
vorherrschende Parasit in Afghanistan, hat die Fähigkeit, in der
Leber so genannte Hypnozoiten (Schlafformen) zu bilden, die auch nach
bis zu fünf Jahren zu klinisch apparenten Erkrankungen führen
können. Diese werden dann oft erst im späteren Krankheitsverlauf
erkannt und können im Gefolge anderer Infektionen oder durch Stresssitutationen
wie körperliche Anstrengungen, Klimawechsel etc. provoziert werden.
Durch eine Chemoprophylaxe mit z. B. Chloroquin und Proguanil lassen sich
solche Infektionen nicht sicher vermeiden.
Ù Allein die Verhinderung der Mückenstiche durch eine effektive
Expositionsprophylaxe schützt vor der Infektion und damit auch vor
Späterkrankungen und Rückfällen. Zu den Schutzmaßnahmen
der Bundeswehr gehören nach aktueller Weisungslage werkseitig Peremthrin-imprägnierte
Uniformen, Moskitonetze, Hautrepellentien, regelmäßige Belehrungen
und eine intermittierend durchgeführte tropenmedizinische und entomologische
Surveillance mit einer Bewertung des Risikos in den verschiedenen Einsatzgebieten.
Epid.
Bulletin, Robert Koch-Institut Nr. 33/2003
|

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
11/2003
S. 58/59
|