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Medizin und Wissenschaft
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Meningokokkenmeningitis
Die Meningokokkenmeningitis
der Kinder und Jugendlichen wird in der Bundesrepublik von den Kinderärzten
und Hausärzten häufig vergessen. Jedes Jahr gibt es 700 bis
800 neue Erkrankungen, überwiegend in den Wintermonaten, 2/3 jeweils
in den ersten Monaten des neuen Jahres. Immer wieder wird in der Laienpresse
über Todesfälle bei Jugendlichen berichtet nach Klassenreisen
oder Besuchen von Diskotheken. In Europa kommen überwiegend Meningokokken
der Serotypen B und C vor, wobei die Serotypen C häufiger zu schweren
Verläufen führen. Andere Serotypen wie A, W und Y spielen in
Europa keine große Rolle. Die gefährlichen Serotypen C haben
zugenommen in Spanien bis zu 45 %, England und Wales bis zu 37 %, Irland
bis zu 33 % und der Schweiz bis zu 46 %. In den Ländern England,
Wales, Irland und Spanien werden schon alle Schulkinder gegen Meningokokken
geimpft. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter vorkommen, zwei Morbiditätsgipfel
gibt es aber im ersten Lebensjahr und bei Jugendlichen. Bei den septischen
Formen ist die Letalität sehr hoch. Keimträger unter den Erwachsenen
mit apathogenen Keimen für den Keimträger können als Überträger
der Infektion in Familien, Schulen oder Kindergärten für die
weitere Ausbreitung der Infektion sorgen. Gruppenerkrankungen traten in
den letzten Jahren auf in Karlsruhe, Hamburg und Bergisch-Gladbach. Hier
konnte durch Rifampicin Prophylaxe und Impfungen ein weiteres Ausbreiten
der Infektionen verhindert werden. Bei den gesunden Keimträgern finden
sich oft hochvirulente Keime, die aber für den Träger nicht
pathogen sind. Bei den gekapselten Bakterien gelingt nur mit Mühe
die Herstellung einer Vakzine, die eine ausreichende Immunität unterhält.
Die Impfstoffe für Erwachsene gegen Meningokokken der verschiedenen
Serotypen sind für Kleinkinder nicht immunogen. Hier wurden in den
letzten Jahren konjugierte Impfstoffe entwickelt, die durch Bindung an
ein Toxoid eine bessere Immunantwort bei Kindern hervorrufen. Diese führt
nicht zu einer langandauernden Immunität, weshalb die Impfung im
Kleinkindesalter mehrfach wiederholt werden muss. Hier müssen die
Empfehlungen der einzelnen Hersteller beachtet werden. Es kann bei Kapselbakterienimpfstoffen
auch dazu kommen, dass bei wiederholten Impfungen die Immunantwort schwächer
ausfällt. Gegen Meningokokken der Serogruppe B gibt es bis jetzt
noch keinen wirkungsvollen Impfstoff, Versuche der Entwicklung gibt es
seit Jahren in Kuba. Die auf dem Markt befindlichen konjugierten Meningokokkenimpfstoffe
wie Menjugate® und NeisVac-C sind gut verträglich, können
schon im ersten Lebensjahr eingesetzt werden und führen nach wiederholten
Impfungen im Kindesalter zu einem länger anhaltenden Schutz gegen
Meningokokkeninfektionen. In England wurde bei Schulkindern eine Schutzrate
bis zu 97 % gegen die Serogruppe C erreicht. Ein Langzeitschutz wird bei
allen Meningokokkenimpfungen nicht erreicht, Boosterimpfungen im Abstand
von drei Jahren sind notwendig, bei älteren Kindern können dann
die Erwachsenen-Impfstoffe der Serogruppen A + C sowie A, C, W, Y verwendet
werden. In Deutschland gibt es im Gegensatz zu den anderen europäischen
Ländern keine generelle Impfempfehlung gegen Meningokokken Kinder
zu impfen. Nach den STIKO-Empfehlungen sollen als Indikationsimpfung gefährdete
Personen geimpft werden wie Kinder mit einem Immundefekt jeglicher Genese,
aus beruflichen Gründen Personal in Kindergärten, Schulen und
Krankenhäusern, sowie letztlich Reisende bei Reisen in das Subsahara
- Afrika, Pilgerreisende nach Mekka sowie Reisende nach Nordindien und
Nepal. Die Behörden in Saudi-Arabien haben die Meningokokkenimpfung
zwingend vorgeschrieben für Teilnehmer an einer Pilgerreise nach
Mekka zurzeit der hadj, hier unbedingt mit dem tetravalenten Impfstoff
gegen die Serotypen A, C, W, Y.
Durch infizierte Pilgerreisende,
die aus Mekka kamen, sind Meningokokkeninfektionen der seltenen Serogruppen
W, Y nach Europa eingeschleppt worden. Dr. Manfred Peters, Wandsbeker Marktstr. 73, 22041 Hamburg, Internet www.tropenmedizin.net |
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 9/2003 S. 73 / 74 |
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