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Kammer-Info aktuell
Rezensionen
Im wunderschönen Monat Mai
Landarzt Dr. Hartmut von Dernsdorff - Arzt ohne Grenzen
für's Wartezimmer!


Bibliographische Angaben:
Bodo Schnurrhahn,
Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein, 2003,
1,20 - 2,00 Euro je nach Mengenabnahme

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 7/2003

S. 81, 86, 89

Kurze Inhaltsangabe: Dr. Hartmut von Dernsdorff war als Urwaldarzt drei Jahre auf den Fidschi-Inseln und kommt jetzt (im Jahre 2005) zurück um einen alten Freund und Kollegen auf dem flachen Land in Schleswig-Holstein für fünf Wochen zu vertreten. Einheit von Ort, Zeit und Handlung: Der erste Nachmittag, die erste Nacht und der erste Praxisvormittag.

Kritische Bewertung: Das Büchlein zeigt, wie sich Bodo S. die Landarztwelt in zwei Jahren vorstellt mit Gesundheitszentren, neuer bebilderter Krankenversicherungskarte und Zuzahlungen in bestimmten Situationen. Das Privatleben des Dr. von Dernsdorff kommt etwas zu kurz und ein Happyend wie auf dem Titelbild wird nur in den letzten Sätzen angedeutet, aber „Fortsetzung folgt!“
Sonstiges: Das Titelblatt ist der Dr. Stefan Frank-Reihe von „Bastei“ angenähert, doch der Eskapismus, die heile Welt, in die die Leser flüchten ist hier bewusst zu Lasten einer rauhen Wirklichkeit gewichen.
Empfehlung: Für Leser, die einmal einen etwas anderen „Groschenroman“ lesen wollen, für Patienten, wenn die anderen bunten Blätter alle sind. Für alle, die sich ein Bild machen wollen über die mögliche Gesundheitswelt 2005.
Rezensent: Dr. Heinz-Peter Sonntag, Niobestr. 9, 23570 Lübeck-Travemünde

 

Heilen verboten - Töten erlaubt
Die organisierte Kriminalität im Gesundheitswesen

Bibliographische Angaben:
Kurt G. Blüchel,
C. Bertelsmann Verlag, München, 416 Seiten,
22,90 Euro, ISBN 3-570-00703-0

Am 22. April 2003 brachte der angesehene Bertelsmann Verlag mit einer Pressekonferenz das Buch von Kurt G. Blüchel auf den Markt. Reißerisch der Titel, noch reißerischer der Untertitel mit der Unterstellung der organisierten Kriminalität. Wenn man im Klappentext liest, dass der Autor jahrelang „verdeckt“ ermittelt hat, so kann man eine sensationelle Enthüllungsstory erwarten. Herr Blüchel muss sehr schlechte Erfahrungen mit Ärzten gemacht haben, denn er schwingt über 400 Seiten eine dicke Keule rundum über alles, was mit Medizin und Arztsein zu tun hat. Ärzte sind für ihn generell Dilettanten und geldgierig. Nur auf Seite 180 fällt er einmal aus dem Rahmen und spricht von „zum Teil hochachtbaren Ärzten in der Bundesrepublik“. Wenn man als überzeugter Arzt (und auch einmal Funktionär) das Buch liest, wird man zunehmend zornig: Man möchte sich mit aller Gewalt nicht in die Ecke stellen lassen, in die der Autor die Ärzteschaft stellt. Ärgerlich wird man aber auch, da viele Dinge im Buch leider den Tatsachen entsprechen und weitgehend gut recherchiert und belegt sind. Es ist einiges nicht in Ordnung in unserem Gesundheitswesen. Sehr oft zitiert Blüchel die „Spitze des Eisberges“. Interpretiert man dies so, dass das Gros der Masse unter der (Wasser-)Oberfläche schwebt, so ist letztendlich immer wieder die ganze Ärzteschaft gemeint. In seinem Zorn lässt der Autor allerdings zeitweise eine Systematik vermissen. So schlägt er in einem Kapitel sehr schnell den Bogen von der Tabakindustrie über Tierversuche zu Viagra. Auch dem Leser traut der Autor nicht viel zu: Er wiederholt sich oft - man hat langsam kapiert, worum es ihm geht. Erstaunlich auch seine Meinung über den heute noch spürbaren Einfluss des Dritten Reiches auf die zugegebenermaßen oft konservativen Kollegen. Und die KVen sind seiner Ansicht nach 1931 auf Druck der damaligen NSDAP etabliert worden, damit bereits vor der so genannten Machtübernahme ein Kader bestünde. Der Rezensent glaubte immer an eine Notverordnung des Kanzlers Brüning auf „Druck“ des heutigen Hartmannbundes.

Wer soll dieses Buch lesen oder gar kaufen? Kollegen, die sich ärgern wollen; wichtig aber doch standespolitisch engagierte oder interessierte Kollegen, um die Munition der Gegner zu kennen und die eigenen Schwachstellen.

Rezensent: Dr. Heinz-Peter Sonntag, Niobestr. 9, 23570 Lübeck-Travemünde

 

Herzinfarkt und Schlaganfall – Prophylaxe und Akuttherapie

Bibliographische Angaben:

Hans Christoph Diener und Eberhard von Hodenberg,
Verlag: Georg Thieme Verlag Stuttgart – New York, 2000,
22,95 Euro, ISBN 3131055219
Kurze Inhaltsangabe: In dem vorliegenden Buch wird aus kardiologischer und neurologischer Sicht versucht, die Primärprävention, Akuttherapie und Sekundärprävention von Herzinfarkt und Schlaganfall knapp und übersichtlich darzustellen. Das kleine Buch ist so aufgebaut, dass jeweils auf der rechten Seite die wichtigsten Punkte als Abbildung kurz zusammengefasst sind und jeweils auf der linken Seite ein ausführlicher Kommentar steht.

Kritische Bewertung: Die ungewöhnliche Art der Darstellung überzeugt. Kritisch ist jedoch anzumerken, dass als Maß für die Effektivität der berücksichtigten Studien die relative Risikoreduktion (RRR) angeführt wird, obwohl heute allgemeine akzeptiert ist, dass die RRR keine Aussage über Effektivität einer Therapie erlaubt, sondern nur die absolute Risikoreduktion (ARR) bzw. die „number needed to treat“ (NNT). Die von den Autoren gewählte Präsentation der Studien führt in Auswertung der 4S-Studie zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass alle Patienten von einer cholesterinsenkenden Therapie mit Simvastatin profitieren (S. 167). Dabei ergibt sich bei korrekter Interpretation der Ergebnisse der angeführten 4S-Studie, dass hinsichtlich des Endpunktes „Gesamtsterblichkeit“ die NNT (bezogen auf die mittlere Beobachtungsdauer von 5,5 Jahren) 30 beträgt und hinsichtlich des Endpunktes „Kardiale Mortalität“ 28. Darüber hinaus muss kritisch angemerkt werden, dass im Rahmen der Sekundärprävention des Herzinfarktes keine wissenschaftlichen Daten über die Effektivität von Lebensstil-Veränderungen wie Nikotinkarenz, koronarprotektive Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität oder Abbau von chronischen Stressbelastungen angeführt werden.
Empfehlungen: Aufgrund der genannten inhaltlichen Kritikpunkte kann trotz der übersichtlichen Darstellungsweise das vorliegende Buch als seriöse wissenschaftliche Darstellung nicht uneingeschränkt empfohlen werden.
Rezensent: Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kolenda, Arzt für Innere Medizin, Sozialmedizin, Arzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin Ostseeklinik Schönberg-Holm 24217 Schönberg