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Medizin und Wissenschaft

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft informiert:
Östrogen-Gestagen-Therapie erhöht Demenzrisiko und verschlechtert kognitive Partialfunktionen

Ergebnisse der prospektiven, randomisierten, doppelblinden Women’s Health Initiative Memory Study (WHIMS), die 4 532 Frauen im Alter über 65 Jahren aus der Women’s Health Initiative rekrutierte, zeigen, dass eine Hormontherapie mit konjugierten equinen Östrogenen und Medroxyprogesteronazetat (0,625 mg bzw. 2,5 mg täglich) zu einer Erhöhung des relativen Risikos einer möglichen Demenzerkrankung im Vergleich zur Placebogruppe führt (1).
Innerhalb der mittleren Studiendauer von 4,05 Jahren wurde eine Verschlechterung der Ergebnisse eines validierten Testinstruments (modifizierte Mini-Mental State Examination) in der Hormongruppe im Vergleich zu Placebo gefunden. Von 61 Frauen, bei denen eine „mögliche Demenz“ diagnostiziert wurde, gehörten 40 der Hormon- und 21 der Placebogruppe an. Damit ergibt sich ein relatives Risiko von 2,05 (Konfi-
denzintervall 1,21 bis 3,48). In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass 22 von 10 000 Frauen pro Jahr eine mögliche Demenz in der Plazebo-, aber 45 von 10 000 Frauen pro Jahr in der Hormongruppe entwickelten.
Ein als klein bezeichneter Abfall kognitiver Partialfunktionen wurde in der Hormongruppe, nicht der Placebogruppe, ermittelt, wie eine parallele Veröffentlichung aus der gleichen Studie zeigte (2).
Möglicherweise steht die Zunahme von Schlaganfällen, wie letztes Jahr im Juli 2002 für den vorzeitig beendeten Östrogen-Gestagen-Arm der WHI-Studie publiziert (3), mit den neuen Ergebnissen aus WHIMS in Zusammenhang. Eine nun vorliegende detaillierte Auswertung des WHI-Arms zeigt, dass in der Hormongruppe (n = 8 506) das Risiko ischämischer Insulte erhöht ist. Es ist nicht auszuschließen, dass die Östrogen-Gestagen-Therapie nicht nur das Risiko für M. Alzheimer, sondern auch für andere Formen der Demenz unter Einbeziehung vaskulär bedingter Erkrankungen erhöht (4).
Fazit: Indiziert ist ausschließlich eine symptomorientierte, kurzzeitige Anwendung von Östrogenen und Gestagenen bei die Lebensqualität beeinträchtigenden klimakterischen Beschwerden (Hitzewallungen) nach ausführlicher Beratung der Frauen über die Risiken - Thrombose, Embolie, Herzinfarkt, Schlaganfall, Brustkrebs, Entwicklung eines M. Alzheimer/ Demenz/Beeinträchtigung kognitiver Funktionen - und den Nutzen: Reduktion von Frakturen und kolorektaler Karzinome.

Literatur beim Verfasser

Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Geschäftsführer Prof. Dr. H. Berthold, Aachener Str. 233 - 237, 50931 Köln


Neugeborenenhörscreening in SH
Universelles Neugeborenen-Hörscreening SH - ein Hörtest für alle Neugeborenen

Unter www.unhs-sh.de können sich niedergelassene Kinder-, HNO-, Allgemein- und interessierte Ärztinnen und Ärzte über das Projekt UNHS-SH sowie Formblätter informieren. Das Universelle Neugeborenen-Hörscreening SH ist eine ehrenamtlich durchgeführte und durch Spenden finanzierte Vorsorgeuntersuchung des Hörens bei Säuglingen. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holstein.
Ansprechpartner: Prof. Dr. Schönweiler, Lübeck.


Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 7 / 2003

S. 82