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Medizin und Wissenschaft

Spezifische Immuntherapie
Allergisches Asthma frühzeitig mit SIT behandeln

Allergisches Asthma sollte frühzeitig mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT) behandelt werden. Die Effektivität der SIT mit standardisierten Allergen-Präparaten auch bei Asthma ist in den letzten Jahren durch eine Vielzahl von Studien belegt worden. Das ist das Fazit einer aktuellen Veröffentlichung von Prof. Dr. Karl-Christian Bergmann, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) und Leiter der Allergie- und Asthmaklinik in Bad Lippspringe.
Asthma wird bei bis zu 80 % der Betroffenen durch eine allergische Reaktion ausgelöst. Therapieoptionen sind Allergenkarenz, antiasthmatische Medikamente, die spezifische Immuntherapie (SIT) und Patientenschulung. Die Allergenkarenz ist vor allem bei einer Sensibilisierung auf Hausstaubmilben- und Pollen-Allergene nicht ausreichend möglich. Die Pharmakotherapie lindert die Symptome, beeinflusst aber nicht den natürlichen Verlauf von Asthma. Dagegen kann eine kausal wirkende SIT nicht nur langfristig die Symptome bessern, sondern auch die Progredienz allergischer Atemwegserkrankungen stoppen. Wie Bergmann darlegt, wird durch die SIT bei Patienten mit allergischen Atemwegserkrankungen eine jahre- oder sogar lebenslange Immunmodulation zugunsten der TH1-Immunantwort und eine Toleranzinduktion erzielt.

Weniger Symptome, weniger Medikamente, weniger Asthma
Pollenallergiker mit Asthma haben nach einer spezifischen Immuntherapie weniger Symptome während der Pollensaison als im Jahr vor Beginn der Therapie. Dabei bessern sich die asthmatischen und die rhinokonjunktivalen Symptome um 90 %. Der Medikamentenverbrauch sinkt um bis zu 80 %. Auch Patienten mit einer Allergie auf Hausstaubmilben profitieren von der SIT. Asthmasymptome reduzieren sich. Die Immuntherapie senkt zudem das Risiko für Neusensibilisierungen und kann einen Etagenwechsel, das heißt die Ausweitung der allergischen Rhinitis, zu einem Asthma verhindern. Eindrucksvoll konnte dies in der Preventive Allergy Treatment (PAT) Studie bei Kindern mit Heuschnupfen gezeigt werden. Das Asthmarisiko der SIT behandelten Kinder reduzierte sich gegenüber der Plazebogruppe deutlich.

Reduktion der bronchialen Hyperreagibilität durch SIT
Sowohl Pollenallergiker als auch Patienten mit Sensibilisierungen auf Katzen- bzw. Hundehaare haben nach SIT eine signifikant geringere spezifische bronchiale Hyperreagibilität (BHR). Die Asthmapatienten sind vor einer akuten Verschlechterung ihrer Lungenfunktion bei erneutem Allergenkontakt geschützt. Bei Patienten mit allergischem Asthma aufgrund von Pollen oder Hausstaubmilben kann durch die SIT außerdem die unspezifische BHR gesenkt werden. Katzenhaar-Allergiker werden in Deutschland noch relativ selten mit einer Immuntherapie behandelt, obwohl die Wirksamkeit bereits nach dreimonatiger Therapie dokumentiert wurde. Hier besteht sicher noch erheblicher Handlungsbedarf, denn auch Patienten, die selbst keine Katzen halten, können den ubiquitär verbreiteten Allergenen kaum aus dem Wege gehen.
Bergmann empfiehlt, bei allergischem Asthma des Schweregrads 1 oder 2 frühzeitig eine SIT mit modernen, molekular standardisierten Allergen-Präparaten durchzuführen. Kontraindikationen der SIT seien schweres Asthma und ein FEV1 (forcierte exspiratorische Einsekundenkapazität) unter 70 % trotz adäquater Pharmakotherapie.

Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V., Deutsche Gesellschaft für Allergologie
und klinische Immunologie e. V., Bodelschwinghstr. 17, 22337 Hamburg

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 6/ 2003

S. 61 / 62