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| Prof. Dr. Georg
E. Vogel (Foto: Privat) |
Frühdiagnose
und Therapie der Influenza mit Neuraminidase-Hemmern
Georg E. Vogel
Das Gewesene
Über viele Jahre
der Medizin und Forschungsgeschichte trat die Erkenntnis über das
Wesen der Influenza, einer seit Jahrhunderten bekannten Krankheit, auf
der Stelle. Die Schrecken von Epidemien und Pandemien im Laufe der Zeiten
mussten hingenommen werden. So entstand aufgrund der Ähnlichkeit
von echter Influenzaerkrankung und anderen viralen Infektionen der oberen
und unteren Luftwege der vielfach irreführende Gesamtbegriff der
Grippe, dem noch der Beigeschmack des Banalen anhaftete.
Durch die Entdeckung der Neuraminidase-Inhibitoren 1983 durch Peter Colman
in Australien haben wir ein ursächlich wirkendes antivirales Präparat
in die Hand bekommen, das die Schrecken des Gewesenen für die Zukunft
überwinden lassen kann. Im Rahmen eines Heilversuchs wandten wir
in unserer Praxis das Zanamivir-Relenza® - die erste Substanz dieser
Klasse als inhalierbare Substanz am 31. Januar 1999 bei einem 96-jährigen
Influenza-positiven Patienten an.
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| Abb. 1: Patientin
vorher und nachher |
Am 1. Oktober 2002
wurde das zweite oral wirkende Präparat in Deutschland eingeführt:
Oseltamivir-Tamiflu®. Angesichts von jährlichen influenzabedrohten
Todesfällen in normalen, das heißt nicht Epidemiezeiten von
10 000 bis 15 000, eine wahrlich erschreckend hohe Zahl.
Man muss sich dazu immer klar machen, dass wir ca. 8 000 Straßentote
(laut ADAC) pro Jahr beklagen. Es scheint so zu sein, wenn es einen Wirkstoff
gegen die Ursache einer Erkrankung gibt, dass die Forschungsaktivität
in jeglicher Richtung einen besonderen Schub erhält. So war es auch
hier auf allen Ebenen. Vornehmlich die Pharmaindustrie, die medizinischen
Fachgesellschaften, die gesetzlichen Gesundheitsinstitutionen, Laien-
und Fachmedien haben sich in den letzten vier Jahren besonders um die
Influenza angenommen.
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weiß:
keine Influenzafälle gemeldet
grün: sporadische Influenzaaktivität
orange: regionale Influenzaaktivität
rot: weitverbreitete Influenzaaktivität
Schleswig-Holstein/Hamburg
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1 |
| Niedersachsen/Bremen |
3 |
| Brandenburg/Berlin |
5 |
| Hessen |
7 |
| Sachsen |
9 |
| Baden-Württemberg |
11 |
| Mecklenburg-Vorpommern |
2 |
| Sachsen-Anhalt |
4 |
| NRW |
6 |
| Thüringen |
8 |
| Rheinland-Pfalz/Saarland |
10 |
| Bayern |
12 |
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| Abb. 2:
Influenza-Aktivitätskarte Deutschland Realflu TM Surveillance
System*) 31.01.02, www.grippe-online.de,
*) Roche Influenza Frühwarn-System. |
Die Prophylaxe
Durch diese erhöhte
öffentliche Aufmerksamkeit ist die Bereitschaft in der Bevölkerung
für die Impfung für die jeweils nächste Saison im Oktober,
November angestiegen. Im Vergleich zu Ländern wie USA und Kanada,
wo der so genannte Flushot schon jährlich obligatorisch
geworden ist (ca. 65 % Gesamtbevölkerung inklusive der Kinder werden
dort geimpft), ist die Zahl, die bei uns erreicht wird, bedauernswert
niedrig (ca. 15 %) und außerhalb der Zahl, die gegen eine epidemische
Ausbreitung des Virus geeignet wäre. Die Aufforderung, sich impfen
zu lassen, ist meiner Meinung nach eine ärztliche Aufgabe im Rahmen
der Gesundheitsfürsorge für die dem Arzt anvertrauten Patienten.
Dem Laien die Notwendigkeit dieser und anderer Impfungen entscheiden zu
lassen, ist falsch. Nur Ärzte können jeweils aus den Vorkommnissen
der vergangenen Saison ermessen, welche Folgen für einen Nichtimmunisierten
entstehen können. Im Rahmen einer Pandemiesitzung (im Mai 2001 in
Potsdam des Robert Koch-Institutes - RKI) einberufenen Konferenz sagte
der Schweizer Vertreter Prof. Diethelm Hartmann aus Bern: Die Strategie
der Eidgenossen gegen eine Influenza ist Informieren, Sensibilisieren,
Entbanalisieren.
In diesem Zusammenhang stellte das RKI eine erschreckend niedrige Impfrate
beim medizinischen Personal fest. Bei einer Recherche im Jahre 2001 war
nur jeder Zehnte des medizinischen Personals geimpft. Es muss nicht sein,
dass ein Patient im Wartezimmer oder vom ärztlichen Hilfspersonal
einer Arztpraxis das gefährliche Virus übertragen bekommt. Die
Impfrate in unserer Praxis lag vor 16 Jahren bei 15 % und ist heute auf
75 % angestiegen. Eine vermeintlich besonders gescheite Laborantin von
uns wollte ihrem Chef beweisen, dass man auch ohne Impfschutz auskommen
kann, wenn man regelmäßig Ae-robic mache (sie hatte ihre Impfung
bewusst in den Abfluss gespritzt). Sie wäre fast an einer Bronchopneumonie
verstorben, wenn sie nicht rechtzeitig ihren Fehler eingestanden hätte
und Hilfe von Neuraminidase-Inhibitoren, gefolgt vom passenden Antibiotikum,
erhalten hätte. So konnte ihr Schicksal noch gewendet werden.
Die Klinik
Die klar beweisende
Diagnose einer Influenza ist das Problem, da so viele andere, meist virale
Infektionen, als so genannte banale Erkältung fälschlich eingeschätzt
werden. Ein Satz in England - um 1950 entstanden - beinhaltet alles. Smith
hatte festgestellt: Wer die Influenza kennt, kennt die gesamte Virologie.
Dahinter steckt die klassische Erfahrung, ein oberer Luftwegsinfekt ist
in 90 % viraler Genese.
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| Abb. 3: Tram
tracks (schematische Darstellung). Röntgenbilder (Abb.
4) und Schema von unserem Konsiliarinstitut Radiologie Marienplatz
- Dr. Gerhard Luttke und Dr. Christian Kutschker, München |
Das praktische Vorgehen
in Deutschland widerspricht dieser Tatsache total.
Jährlich finden 50 Millionen Antibiotika-Verschreibungen statt. Die
erste Näherung, an die virale Diagnose zu gelangen, ist immer, an
die Möglichkeit ihres Vorhandenseins zu denken. Dies gilt auch für
die erste telefonische Beratung im Rahmen eines akut respiratorischen
Infektes. Mittlerweile ist bekannt, dass die Diagnose einer Influenza
in 80 % der Fälle klinisch zu stellen möglich ist. An erster
Stelle ist die Anamnese, in der der betroffene Patient berichtet: Aus
heiterem Himmel hat mich die Erkrankung angefallen (so genannter sudden
onset). Bis zu dieser Stunde habe ich alles genauso wie gewohnt erledigt
und von sofort an konnte ich nicht mehr (der Patient weiß genau,
wann das Ereignis über ihn hereingebrochen ist). Er berichtet:
Den Brief zu Ende schreiben ging nicht mehr, meine Stiefel vermochte
ich nicht mehr anzuziehen, den Malerpinsel führen, als ich auf der
Leiter stand, ging nicht mehr, ich konnte mein Auto nicht mehr weiter
lenken oder beim Kämmen konnte ich den Kamm nicht mehr führen.
Solche und ähnliche vergleichbare nicht mehr mögliche Tagesverrichtungen
sind als Signal auch am Telefon zu erkennen und müssen umgehend dazu
führen, den Patienten in die Arztpraxis einzubestellen. Im Gesichtsausdruck
und in der Mimik (Abb. 1) ist die empfundene Angst über das drohend
Bevorstehende eines sich anbahnenden komplizierenden Verlaufs zu lesen.
Imminere, lateinisch für drohend Bevorstehende,
beschreibt die Situation treffend. Das Gesicht imponiert als: verrotzt,
verheult, verschwollen. Man sollte nicht versäumen, den Rachenraum
zu inspizieren und den Zungengrund mit einer Spatel (es gibt dafür
speziell Leuchtspatel) nach unten zu drücken. Besonders ins Auge
fällt eine deutlich in sich angeschwollene Uvula. Es ist sehr viel
Platz für das reaktive Ödem. Der Rachen ist livide bläulich
verfärbt und zeigt bei Nahsicht eine besonders charakteristische
Gefäßzeichnung der Mikrozirkulation, die an eine Stase im Gefäß
erinnert. Dieser Zustand wird auch als so genannte flammende Röte
bezeichnet.
Die Diagnostik
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| Abb. 4: Tram
tracks mit nachfolgender Bronchopneumonie |
In den Anfängen
der antiviralen Therapie mit Neuraminidase-Hemmer war es uns in der Praxis
eine große Hilfe, auf die Unterstützung des deutschen nationalen
Influenzazentrums in Hannover (Dr. Dr. Rolf Heckler - www.DGVI.de)
zurückzugreifen. Dort wurde uns aus den abgenommenen Rachenabstrichen
die virusbeweisende Polymerasekettenreaktion (PCR) bestimmt. Im Laufe
der Zeit konnte dort durch den Einsatz des so genannten Lightcyclers®
Roche die Bestimmungsdauer dieser Methode auf weniger als vier Stunden
Bearbeitungszeit verkürzt werden. Durch diese zeitnahe Befunderhebung
war die Basis geschaffen worden, dass wir im positiven Nachweisfall bei
entsprechender Klinik den compassionate use, den so genannten
Heilversuch am Patienten, wagen konnten. Dies ge-schah am 31. Januar 1999
um 16 Uhr in unserer Praxis. Der Patient war ein akut schwer erkrankter
96-jähriger Mann, der im September grippegeimpft worden war. Die
Klinik des Patienten besserte sich frappierend vor unseren Augen innerhalb
der ersten zwölf Stunden. Wir wandten den Neuraminidase-Inhibitor
Zanamivir als Inhalationspulver an. Die Ehefrau des Patienten dagegen,
eine 86-jährige Frau, nicht unsere Patientin, ebenfalls geimpft,
erlag den Folgen der Influenzakomplikationen. Durch die schnelle PCR-Bestimmung
mittels des Lightcyclers konnte die Entwicklung der Diagnose noch schneller
an Patient und Arzt gelangen im Sinne einer bedside-Methode. Auch dies
gelang. Es war der klinische Einsatz so genannter Schnelltestsysteme.
Wir waren von Anfang an dabei und wir konnten parallel zur Methode mittels
PCR die Schnellteste - Quick Vue® käuflich erwerben und dies
innerhalb des geschlossenen Systems zur Surveillanceerforschung Rapid
Flu von Hoffmann-La Roche überprüfen. Beide Schnellteste sind
gut und haben eine vergleichbar gute Spezifität und Sensitivität,
die bei ausreichenden 85 bis 80 % liegt. Mittlerweile arbeiten Internetspezialisten
der Firma Hoffmann-La Roche mit zurzeit 280 interessierten und geschulten
Kollegen zusammen. Sie haben das so genannte Real-Flu-System von Dr. Michael
Schöttler entwickelt, das zusammen mit dem oralen Neuraminidase-Inhibitor
Tamiflu® am
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| Abb. 5: Von der
Influenza über inflammatorische Prozesse zu Herzinfarkt und Schlaganfall
- ein zusammenhängender Weg |
1. Oktober 2002 der
Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Fälschlich auslegbare Äußerungen
in Tageszeitungen, wie dem Tagesspiegel, wo in der letzten Saison zu lesen
war Schlappe Grippewelle, die leider zu einer Banalisierung
verleiten können, sind in der Zukunft nicht mehr möglich.
Die letzte Saison
Wir überprüften
die Wertigkeit des neuartigen Surveillancesystems im letzten Winter. Wir
hatten in der Vergangenheit immer wieder festgestellt, dass dort, wo das
Influenzavirus zum ersten Mal intensiv auftrat, auch die ersten tödlichen
Kasuistiken zu finden sind.
Im Gegensatz zu früheren Wintern, kam die Influenza in der letzten
Saison (2001/02) nicht vom Osten her, sondern aus dem Westen. Und passend
dazu waren auch die Internetkarten des Real-Flu-Systems von Hoffmann-La
Roche, wo rot angefärbt bedeutet: intensiver Befall. Rot war es um
die Gegend von Bochum und es wurde uns vom nationalen Referenzzentrum
ein Todesfall mit einer Influenza B (Abb. 2) gemeldet. Mit dem Wissen
einer sicheren klinischen Frühdiagnose, untermauert durch den PCR-Beweis
und umgehend vom Nationalen Referenzzentrum Hannover per Fax mitgeteilt
sowie später mit den beiden Schnelltests Quick Vue® und Rapidtest
(Roche), waren wir für die Therapie einer bewiesenen Influenza stets
präpariert.
Die Neuraminidase-Hemmer
Ab Februar 1999 behandelten
wir alle Viruspositiven Patienten frühest möglich mit Neuraminidase-Hemmern.
Unser Gesamteindruck seither ist, dass die erste frühe Gabe für
den weiteren Verlauf der Infektion entscheidend ist. Dabei bestätigte
sich der Eindruck: je früher, desto besser! Man kann jedoch diese
Frühzeitigkeit nicht beeinflussen, das heißt den Zeitpunkt,
wann der Patient zur Behandlung kommt. Man muss sich deshalb Strategien
überlegen, wie man den Übergang von der viralen Primärschädigung
in die Komplikation - die bakterielle Superinfektion - erkennen kann.
Durch eine sehr frühe Bildgebung erhielten wir die Hilfe unserer
Radiologen Dr. Christian Kutschker und Dr. Gerhard Luttke. Sie zeigten
uns sichtbar den Übergang viraler Epithelschäden mit konsekutiver
bakterieller Peribronchitis mit den so genannten Tram tracks
auf (Abb. 3 und 4). Es ist dabei sehr entscheidend, dass die Thoraxaufnahme
perfekt belichtet ist. Bei unklaren Situationen hilft dann das HRCT weiter.
Im Labor kann man den Übergang virale/bakterielle Superinfektion
genau mitverfolgen. Eine aktuelle Bestimmung des C-reaktiven Proteins
(CRP), die älteste und erste Messung eines akute-Phase-Proteins,
zeigt genau den Zeitpunkt an, wann im Organismus Zellen zugrunde gehen.
In Kombination mit dem viralen Schnelltest (dieser ist nur am ersten bis
zum Vormittag des dritten Tages positiv) kann man sehen, an welchem Tag
der Infektion man sich befindet. Steigt das CRP unter laufender Neuraminidase-Hemmertherapie
an, wird fast immer das Antibiotikum benötigt. Auch dann sind weitere
CRP-Verlaufsmessungen günstig, um sich der Wirksamkeit des Antibiotikums
zu vergewissern. Meist nicht am ersten Tag, aber sicher im Kontext zur
Klinik, kann diese Frage am zweiten Tag beantwortet werden. Es gibt mehrere
CRP-Schnelltests für die Praxis. Ohne den sofort verfügbaren
CRP-Wert sähen wir uns nicht mehr in der Lage, die jeweilige Situation
- recte et rite - beurteilen zu können.
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| Abb.
6: Externes Kreislauf-Unterstützungssystem (Berlin-Heart) |
| 01.03.2002: |
Vormittags noch
total fit, 15 Uhr schlagartig Fieber 38,5 °C, Gliederschmerzen,
Halsschmerzen, matt, Paracetamol. |
| 04.03.2002: |
Arztbesuch, Patientin
verlangt Antibiotikum, später Schweißausbrüche, Erschöpfung,
Übelkeit |
| 05.03.2002: |
Hausbesuch, bettlägerig,
aufgedunsenes Gesicht, zu Schlitzen verengte Augen, so ein Gesicht
hatte ich noch nie gesehen, RR 120/80 |
| 06.03.2002: |
durchgeschwitzt
aufgewacht, weiter bettlägerig, Hausbesuch, Atemnot, Angstgefühl,
Appetitlosigkeit, kein Fieber, Infusion (500 ml G 5 %), 23:30 Uhr
RR 85/50 |
| 07.03.2002: |
Hausbesuch, RR
90/50, Hf 130 regelmäßig, Krankenhauseinweisung, Diagnose:
akute Perimyokarditis (generalisierte Hypokinesie linker Ventrikel,
EF 35 %, vorderer und hinterer Perikarderguss), 3 mg Beloc zok i.
v., passagere Schocksymptomatik, Druckabfall, bewusstlos,
Rettungshubschrauber, Herzzentrum, München |
| 07.03.2002: |
Herzzentrum München,
Diagnose: akute Virus-Myokarditis, kardiogener Schock mit Mulitorganversagen
(Leber, Niere), linker Ventrikel EF 7 % |
| 08.03.2002: |
Herzoperation:
Externes Kreislaufunterstützungssystem (Berlin-Heart), Implantat
biventrikulär (Prof. Dr. Rüdiger Lange, Herzchirurgie) |
| 09.03.2002: |
positiver Titer
Influenza A (1: 32) |
| 04.04.2002: |
Explantation
Berlin-Heart, komplette Erholung, Herz- und übrige Organfunktionen |
| 19.04.2002: |
Entlassung, regelmäßige
Kontrolle, deutliche klinische Besserung |
Arteriosklerose
und Influenza
In der internationalen
Literatur tauchen in den letzten vier Jahren immer wieder wichtige Arbeiten
auf, die Hinweise auf eine Destabilisierung vorhandener arteriosklerotischer
Plaques geben, ausgelöst durch ein entzündliches Geschehen.Wir
verfolgten den so genannten humoralen Inflammationsstatus (CRP und Fibrinogen).Wir
sahen in diesem Zusammenhang bei Influenzapatienten, die eine frühzeitige
Neuraminidase-Hemmertherapie erhalten hatten, einen hochsignifikanten
Anstieg dieses prognostisch so wichtigen Laborparameters.
Von Prof. Dr. Norbert Heimburger stammt der Satz:
Es gibt keine Infektion, die nicht über Gefäße (Endothel)
und damit über die Gerinnung geht.
Dies scheint auch für die Mikrozirkulation am Myokard zuzutreffen,
eine besondere Kasuistik in der letzten Saison konnten wir beobachten
(Abb. 6).
Die Zukunft
Die Ausrichtung in
unserer Praxis mit besonderem Augenmerk auf die klinische Beurteilung
an erster Stelle, gefolgt vom viralen Schnelltest, bildgebender Frühdiagnose
(Bestätigung der vermuteten Zweitdiagnose), labormäßige
Testung der Situation am Übergang von viralem Infekt zur bakteriellen
Superinfektion, gefolgt von rechtzeitiger richtiger Antibiotikagabe und
vor allem dem frühzeitigen Neuraminidase-Hemmer-Einsatz hat uns in
die Lage versetzt, ambulant mit dem zweithäufigsten Arztbesuch so
umzugehen, dass wir Komplikationen mit Folge eines notwendigen Klinikaufenthaltes
verhindern können. Völlig unverständlich erscheint in diesem
Zusammenhang die kürzlich im Arzneimitteltelegramm Nr. 10/2002 gemachten
kritischen Aussagen, die zu dem Schluss kommen:
Dass ein klinisch relevanter Nutzen von Tamiflu (Neuraminidase-Hemmer),
nämlich ein günstiger Einfluss auf schwerwiegende Komplikationen
und Tod durch Influenza, für keines der Anwendungsgebiete belegt
sei. Deshalb raten die Verfasser von der Verwendung zur Therapie und Prophylaxe
ab.
Es sind übrigens dieselben abwertenden Aussagen zum zweiten Neuraminidase-Inhibitor
Oseltamivir, wie sie bereits beim Einsatz von Zanamivir 1999, im selben
Arzneimitteltelegramm gemacht worden sind. Es handelt sich bei diesen
beiden Substanzen nicht um den soundsovielten Beta-Blocker, sondern um
die beiden ersten antiviralen Substanzen gegen das Influenzavirus.
Beim 1. Europäischen Influenzakongress auf Malta (Oktober ESWI 2002)
wurde von über vier Millionen weltweit behandelten Fällen mit
einer Erfolgsrate bei Influenzapatienten berichtet. Deutschland war erfreulicherweise
das erste Land in Europa, das eine Therapieempfehlung für seine Ärzte
vorgestellt hat.
Prof.
Dr. Georg E. Vogel,
Stievestraße 5,
80638 München
Mit freundlicher
Nachdruckgenehmigung des Bayerischen Ärzteblattes, Heft 1/2003
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
4 / 2003
S. 70 - 75
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