|
Aktuelle
interventionelle Therapieoptionen bei irresektablen Lebermetastasen
Matthias Birth (1), Philipp Hildebrand (1),
Thorsten Leibecke (2), Elisabeth Oevermann
(1),
Stefan Peters (3), Hans-Peter Bruch (2)
Die chirurgische Resektion
stellt gegenwärtig uneingeschränkt den Gold-Standard für
die Therapie von Lebermetastasen dar und bietet bei Erreichen einer R0-Situation
eine potenzielle Heilungschance. Das Verständnis der funktionellen
Leberanatomie sowie entscheidende Verbesserungen der operativen Taktik
und Technik aber auch des perioperativen Managements haben mittlerweile
die Leberresektion zu einem sicheren Eingriff mit einer Letalität
von < 3 % werden lassen. Nur maximal 20 - 25 % aller Metastasenträger
kommen jedoch für eine Resektion in Betracht (1,2-6).
Gründe für die Inoperabilität liegen einerseits in der
Ausdehnung, Lage bzw. lokalen Verteilung der Metastasen, anderseits limitieren
präoperative Leberinsuffizienz und schwere Begleiterkrankungen ausgedehntere
operative Eingriffe. Zudem beträgt die Rate an intrahepatischen Rezidiven
nach potenziell kurativer R0-Resektion über 50 %, von denen nur 10
- 20 % erneut reseziert werden können (4-6).
Entsprechend haben lokale Verfahren, die eine effektive Tumordestruktion
ermöglichen, z. T. auch percutan und in Lokalanästhesie bzw.
laparoskopisch einsetzbar sind und damit nur eine geringe Patientenbelastung
aufweisen, erhebliches Interesse gefunden. Zahlreiche Methoden haben mittlerweile
das tierexperimentelle Stadium verlassen und werden klinisch evaluiert,
die vorliegenden Daten sind oftmals jedoch noch spärlich. Aufgrund
der Ergebnisse, des übersichtlichen Handlings, unterschiedlicher
Applikationsmodi und der damit verbundenen individuell optimalen Einsetzbarkeit
sowie der Kostenvorteile bei scheinbar vergleichbarer Effektivität
zu anderen interstitiellen Verfahren wird die Radiofrequente Thermoablation
(RFA) von vielen Anwendern bevorzugt. Bis zur sicheren Bewertung ihres
onkologischen Stellenwertes sollten alle Verfahren jedoch auf palliative
Situationen beschränkt bleiben, d. h. auf die Behandlung von Patienten,
die einer chirurgischen Resektion nicht mehr zugänglich sind. Prospektive
Studien müssen in der Zukunft den genauen Stellenwert der RFA auch
im Vergleich mit anderen Verfahren in der Behandlung von Lebermetastasen
evaluieren.
Bleiben nicht resektable Lebermetastasen unbehandelt beträgt die
mediane Überlebenszeit wenige Monate, nur einzelne Patienten überleben
unbehandelt zwei Jahre (1). Eine systemische
oder lokal eingesetzte palliative Chemotherapie konnte die Überlebenszeit
in der Vergangenheit nur bei einzelnen Tumorentitäten und dabei nur
begrenzt verbessern (7,8).
| Tab.
1: Lokoregionäre Therapieformen bei malignen Lebertumoren (Auswahl) |
| Thermisch |
hypotherm
hypertherm |
Kryotherapie
Radiofrequenzablation (RFA)
Mikrowellen-Therapie
Fokussierter Ultraschall |
| Radiatio |
|
Brachytherapie
Perkutane stereotaktische Radiatio |
Mechanisch/
Chemisch |
|
intratumorale
Injektion
(Ethanol, Essigsäure, heißes Kochsalz, Zytostatika)
Transarterielle Chemoembolisation (TACE) |
Auf der Suche nach
alternativen Therapien sind eine Reihe von Verfahren entwickelt worden,
die über unterschiedliche Wirkprinzipien eine Devitalisierung der
Metastasen zum Ziel haben. Im Vordergrund stehen dabei die Erzielung einer
Tumorzellnekrose bzw. -apoptose sowie die Unterbrechung der Tumorvaskularisation
durch ein lokales Vorgehen. Als dafür vorteilhaft erweisen sich die
gute Zugänglichkeit und ausgeprägte Reservekapazität der
Leber, die auch wiederholte Anwendungen ermöglichen. Unterteilt man
die Verfahren nach dem bestimmenden zytotoxischen Wirkprinzip, lassen
sich thermische, mechanisch-chemische und radiogene Therapieformen abgrenzen,
wobei in vielen Fällen deren kombinierte Wirkungen ausgenutzt werden
(Tab. 1).
Sowohl Wärme als auch Kälte ist bei entsprechenden Temperaturen
in der Lage, Gewebe irreversible zu zerstören. Die hyperthermen ablativen
Verfahren unterscheiden sich im Wesentlichen nur durch die Technik mit
denen die Wärme erzeugt wird. Legt man die Häufigkeit aktueller
Schrifttumsbeiträge und eine eigene deutschlandweite Umfrage zugrunde,
ist die Radiofrequente Thermoablation gegenwärtig das am weitesten
verbreitete Verfahren.
 |
| Abb. 1: Prinzip
der RFA (biopolares System): über die aktive Spitze eines Nadelapplikators
wird Radiofrequenzenergie in den Tumor eingebracht, der durch das
Anlegen von großflächigen Neutralelektroden Bestandteil
des elektrischen Stromkreises wird. Durch die Dichte der hochfrequenten
Ströme in der direkten Nähe des Applikators resultiert eine
Widerstandserwärmung. |
Zur Wärmeerzeugung
wird Hochfrequenzenergie (zumeist 350 - 480 kHz) über die nicht-isolierte
Spitze eines Nadelapplikators (Elektrode) in den Tumor eingebracht. In
der Regel werden monopolare Systeme verwandt, bei denen durch Anlegen
von großflächigen Neutralelektroden das Gewebe Bestandteil
des elektrischen Stromkreises wird (Abb. 1). In der Umgebung des Applikators
verdichten sich die hochfrequenten Ströme, führen zu Schwingung
der Gewebs-Ionen und damit zu einer Widerstandserwärmung.
Bei Temperaturen über 60° C denaturieren intrazelluläre
Proteine, Zellmembranen werden durch Schmelzprozesse zerstört. Es
kommt zur direkten Zellschädigung und Koagulationsnekrose (9).
Durch Zerstörung bzw. Thrombosierung kleinerer Gefäße
wird darüber hinaus insbesondere im Randbereich eine Devitalisierung
durch Ischämie erzielt.
Je nach Elektrodendesign (Anzahl und Länge der Einzelelektroden,
zusätzliche Gewebeperfusion, aktive Elektrodenlänge, Mono- oder
Clusterelektroden) lassen sich mit einmaliger Plazierung Koagulationsnekrosen
von max. 5 - 7 cm Größe erzielen (Abb. 2). Bei Erzielung kleinerer
Destruktionsareale sind durch wiederholte Anwendungen nach Wechsel der
Applikatorlage auch größere Läsionen behandelbar, wobei
jedoch eine exakte Punktionsplanung notwendig ist, um die Metastase komplett
abzudecken. Einschränkungen erfährt das Ablationsergebnis durch
die Nähe zu großen Gefäßen, da der blutstrombedingte
Kühleffekt zu einem Überleben von Tumorzellen direkt an der
Gefäßwand führen kann. In diesen Fällen ist eine
passagere Gefäßokklusion während des Ablationsvorganges
sinnvoll. Bei unmittelbarer Nähe zu thermosensiblen Strukturen, wie
den zentralen Gallenwegen, anliegenden Darmstrukturen oder der retrohepatischen
Vena cava ist Zurückhaltung geboten.
Speziell für die thermoablativen Verfahren aber grundsätzlich
allgemein ist die Wahl des Applikationsmodus (percutan, offen chirurgisch
oder laparoskopisch) für den Therapieerfolg und die Komplikationsrate
von entscheidender Bedeutung. Hier bietet die RFA den Vorteil eines individuell
angepassten Vorgehens. Insbesondere Lage und Anzahl der Metastasen aber
auch deren bildgebende Darstellbarkeit und das Guiding der Elektroden-Applikation
(Sonographie, CT oder MRT), das einzusetzende Anästhesieverfahren
(Lokalanästhesie, Analgosedierung oder Allgemeinanästhesie)
sowie zusätzliche Eingriffe (Kombination von Resektion und Ablation)
aber auch persönliche Erfahrung des Therapeuten und Patientenwunsch
bestimmen das Vorgehen.
 |
|
Abb.
2: Unterschiedliches Design von Multiapplikatoren: a. fächerförmig
(Fa. RITA), b. schirmförmig (Le Veen-Nadel, Radionics), c.
Mono- und Cluster-Elektroden der Fa. Radionics
|
Der percutane Einsatz
bietet in der Palliativsituation die geringste Patientenbelastung und
kann sonographiegestützt (Abb. 3) bzw. bei unzureichender sonographischer
Abgrenzbarkeit oder der Sonographie nicht zugänglicher Lokalisation
der Metastase(n) unter CT-Kontrolle erfolgen. Offen-chirurgisch sollte
immer dann vorgegangen werden, wenn die Thermoablation additiv zu anderen
operativen, insbesondere resezierenden Eingriffen erfolgt, sowie bei ungünstiger
Tumorlokalisation mit direktem Kontakt zu Nachbarorganen. Auch das Vorliegen
großer Metastasen (> 4 cm) impliziert im eigenen Vorgehen eine
offene Ablation, da der effektive Inflow-stop mittels Occlusion des Ligamentum
hepatoduodenale signifikant größere Ablationsareale erzielen
lässt (Abb. 4). Eine Kombination von minimaler Invasivität und
den methodischen Vorteilen bei Laparotomie verspricht der laparoskopische
Zugangsweg (Abb. 5).
Perioperative single-shot Antibiotikaprophylaxe sowie forcierte Diurese
(> 150 ml Urin/h) für 24 Stunden sind in der eigenen Klinik obligat.
Zur Vermeidung von Nachblutungen und Punktionskanal-Metastasen führen
wir während der Nadelentfernung eine Koagulation des Punktionskanals
durch. Neben der prozedurbegleitenden Sonographie zur online-Ablationskontrolle
erfolgt zur Dokumentation der erreichten Koagulationsnekrose ein Gadolinium
unterstütztes MRT 8 - 10 Tage postablationem.
In der Klinik für Chirurgie sowie dem Institut für Radiologie
des Universitätsklinikums Lübeck wurden zwischen Februar 2000
und Dezember 2002 54 Patienten mit insgesamt 260 Lebermetastasen einer
RFA zugeführt. Alle Patienten mit hepatisch metastasierten Tumorleiden
waren aus operationstechnischen oder allgemeinen Gründen nicht resektabel.
In den überwiegenden Fällen (n = 30) handelte es sich beim Primärtumor
um ein Kolonkarzinom, vereinzelt um ein Mamma-, Magen- und ein Bronchialkarzinom
bzw. um maligne Weichteiltumoren sowie ein Melanom. Acht Patienten wurden
im Verlaufe ihrer Tumorerkrankung wiederholt abladiert. Unter Berücksichtigung
eines ausreichenden Sicherheitsabstandes von mind. 5 - 10 mm wurden aufgrund
der erheblichen Metastasengröße trotz maximaler Applikatorgröße
zwischen 1 und 6 Ablationszyklen pro Metastase (Mittel: 2,69) benötigt.
Die Elektroden wurden in 27 Fällen perkutan (15 sonographiegesteuert,
8 CT-gesteuert), in 23 Fällen intraoperativ offen und in 4 Fällen
laparoskopisch appliziert. Weder intraablationem noch postablationem beobachteten
wir therapierelevante, verfahrensabhängige Komplikationen.
Der mittlere Krankenhausaufenthalt betrug unabhängig vom Applikationsmodus
9,4 Tage, bei Patienten mit transkutaner Applikation 5,8 Tage. Dabei ist
zu berücksichtigen, dass gegenwärtig nur über den Tagessatz
und eine entsprechende Liegezeit eine kostendeckende Behandlung möglich
ist.
 |
| Abb. 3: Transcutane
Applikation der Elektrode unter permanenter sonographischer Führung
und Verwendung einer mechanischen Punktionshilfe |
Alle Patienten befinden
sich in einem Nachsorgeprogramm mit drei monatlichen Abständen, in
denen unter anderem MRT-Verlaufsuntersuchungen erfolgen. Die durchschnittliche
Nachbeobachtungszeit beträgt 21,3 Monate (1 - 32 Monate). Drei Patienten
boten nach kompletter Ablation ein lokales Tumorrezidiv. Die aktuellen
1- und 2-Jahresüberlebensrate der Patienten ohne zusätzlichen
extrahepatischen Tumor zum Zeitpunkt der Ablation betragen ermutigende
93 % bzw. 64 %.
Dies deckt sich mit aktuellen Schrifttumsangaben. So berichten Solbiati
und Siperstein in ihren Patientenkollektiven mit colorektalen Lebermetastasen
über 1-, 2- und 3-Jahresüberlebensraten von 93 %, 69 % und 46
% bzw. 95 %, 79 % und 60 % (10,11). Daten
aus prospektiv-randomisierten Studien, die den Wert des Verfahrens belegen
stehen bis dato jedoch noch aus. Auch deshalb ist die palliative Chemotherapie
weiterhin therapeutischer Standard und die RFA gegenwärtig als additives
nicht jedoch konkurrierendes Verfahren anzusehen.
 |
|
Abb.
4: Kombination aus Resektion (Segment I) und RFA (multiple Segmente),
a. einzelner CT-Schnitt mit präoperativer Darstellung der Metastasen
im Segment I und IV der Leber, eine RFA der Segment I-Metastase
mit Sicherheitssaum ist nicht möglich, b. postoperativ komplette
Ablation im Segment IV sowie die Residuen nach Segment I-Resektion
|
 |
Auch die Laserinduzierte
Thermotherapie (LITT) basiert auf der Methodik der Hyperthermie, nutzt
dabei aber Absorbtions- sowie ebenfalls Wärmekonvektionsvorgänge
im Gewebe. Verwendung finden v. a. Laser des nahen Infrarot-Bereiches
aufgrund der vergleichsweise hohen Eindringtiefe der Photonen und deren
problemloser Strahlungsübertragung mittels Lichtleiter (12).
Die Frankfurter Arbeitsgruppe um Vogl überblickt das größte
Patientengut mit dieser Therapieform und dokumentierte bei 364 Patienten
mit Metastasen colorektaler Primärtumoren eine mediane Überlebenszeit
von 42,7 Monaten. Erstaunlich sind vor allem die exzellenten Tumorkontrollraten
von über 98 %, die sicher auf die ausgewählte Indikationsstellung
und individuelle Erfahrung zurückzuführen ist (12).
Bestätigungen dieser Ergebnisse durch andere Gruppen stehen jedoch
noch aus. Nachteilig ist die aufwendigere und damit deutlich kostenintensivere
Technik.
Weitere hypertherme Ablationsverfahren sind die Mikrowellenablation und
die Ablation mittels fokussiertem Ultraschall, die durch technische Weiterentwicklungen
zunehmend das experimentelle Stadium verlassen. Ersteres Verfahren nutzt
die Gewebeerwärmung durch Vibration und Rotation von Wassermolekülen
in einem wechselnden elektromagnetischen Feld mit Wellenlängen von
etwa 2 500 MHz (Mikrowellen). Problematisch war in der Vergangenheit
v. a. die Erzeugung einer mehr elliptischen statt kugelförmigen Koagulationszone,
so dass nur kleine Tumoren durch eine einzelne Applikation abgedeckt werden
konnten. Vorteilhaft ist die sehr kurze Anwendungszeit von
z. T. unter einer Minute. Auch durch Fokussierung von Ultraschall mittels
einer akustischen Linse kann eine Umwandlung der damit hochenergetischen
Schallwellen (bis 8 600 W/cm2) in Wärme erzielt werden (13,14).
Eine valide Bewertung der Verfahren bezüglich der Ablation von Lebermetastasen
ist gegenwärtig noch nicht möglich.
Die Kryotherapie nutzt als hypothermes Ablationsverfahren die komplexen
physikalischen Abläufe bei rascher Abkühlung von biologischen
Geweben. Durch Kristallisation von intra- und extrazellulärem Wasser
resultieren direkte und indirekte Zellschädigung, eine mechanische
Zerstörung des Interstitium und eine Ruptur kleinerer Gefäße
(15). Die erforderlichen Temperaturen von
bis zu - 180° C werden entweder über das Einbringen eines geeigneten
Kühlmittels (i. d. R. Flüssigstickstoff) oder unter Ausnutzung
der bei Expansion bestimmter Gase (Argon, Stickoxydul) auftretenden Abkühlung
(Joule-Thomson-Effekt) erreicht. Das Verfahren kann auf die längste
klinische Erfahrung bei der Behandlung von Lebertumoren zurückblicken
und erreicht ähnliche onkologische Langzeiterfolge wie die hyperthermen
Ablationsverfahren mit einem medianen Überleben von 26 - 30 Monaten
und einer 3 Jahresüberlebensrate von 24 - 37 % (16,17).
Allerdings liegen die berichteten Komplikationsraten, in den meisten Arbeiten
über denen der hyperthermen Verfahren (18,19).
Vorteilhaft ist die optimale online-Bildgebung bezüglich der Eisball-Größe
mittels Sonographie, CT oder MRT. Nachteilig sind die deutlich kaliberstärkeren
Kryotherapiesonden, die zumeist ein offenes Vorgehen fordern sowie die
erheblichen Anschaffungskosten.
Wiederholt ist versucht worden durch intratumorale Injektionen verschiedener
Substanzen wie Alkohol, heißem Kochsalz, Essigsäure oder auch
Chemotherapeutika eine Tumordevitalisierung zu erreichen (20,21).
Relativ etabliert, billig und bei kleinen (< 3 cm) hepatocellulären
Karzinomen auch effektiv ist die Injektion von hochprozentigen Alkohol
über eine Feinnadel (22). Die in einer
Sitzung nur gering applizierbaren Alkoholmengen von etwa 10 ml erfordern
jedoch repetitive Injektionen. Zwar kann die Verteilung des Alkohols sonographisch
gut nachvollzogen, zugleich aber kaum gesteuert werden. Darüber hinaus
kann der unkontrollierbare Abstrom des Alkohols in umgebene Gefäße
zu einer Vasculitis und Thrombosierung führen.
Die von CURLEY vorgestellte intratumorale Injektion eines Cisplatin und
Epinephrin enthaltenen Kollagen-Matrix-Gels erzielt signifikant höhere
lokale Zytostatikakonzentrationen, ist aber noch als experimentell anzusehen
(23).
 |
| Abb. 5: Laparoskopische
Applikation der Elektrode unter Führung mittels intraoperativer
Sonographie |
Während gesundes
Lebergewebe zu etwa 75 % portalvenös und 25 % arteriell perfundiert
wird, fließt bei primären und sekundären Lebertumoren
bis zu 95 % des Blutes über die Leberarterien (24).
Diese Umkehr in der nutritiven Versorgung von Lebermetastasen nutzt die
transarterielle Chemoembolisation (TACE) durch eine synergistisch wirkende
Kombination von lokaler transarterieller Chemotherapie und arterieller
Okklusion. Der passagere Gefäßverschluss bewirkt nicht nur
ischämische Tumornekrosen, sondern führt auch zu einer unter
Ischämie verstärkten und prolongierten Wirkung des im Vergleich
zur systemischen Applikation vielfach höher konzentrierten Zytostatikums.
Zugleich werden die Ausbildung von Umgehungsgefäßen verhindert
und damit die wiederholte TACE ermöglicht. Auch wenn wiederholte
Anwendungen die Effektivität der TACE steigern, ist eine vollständige
Nekrotisierung des Tumors nicht zu erwarten. Entsprechend liegen die medianen
Überlebensraten bei den berichteten sehr kleinen Patientenkollektiven
mit colorektalen Lebermetastasen nur zwischen 7 und 23 Monaten (25,26).
Auch die Bestrahlung kann zur kompletten Devitalisierung maligner Lebertumoren
führen. Die Applikation dafür notwendiger Dosen muss aber aufgrund
der niedrigeren Strahlentoleranz der Gesamtleber von ca. 30 - 35 Gy streng
lokal umschrieben erfolgen (27). Hierzu sind
stereotaktische Bestrahlungstechniken und die interstitielle Brachytherapie
entwickelt worden (28,29,30). Durch Weiterentwicklung
der dreidimensionalen Bestrahlungsplanung ist so mittels fraktionierter
Therapie mittlerweile auch Einzeitradiatio eine hohe lokale Kontrollrate
von > 80 % und weitgehende Schonung von gesundem Lebergewebe bzw. Umgebungsstrukturen
erreichbar (28,31). Damit scheint das Verfahren
eine vielversprechende Alternative insbesondere bei ungünstiger Metastasenlage
an den großen intrahepatischen Gefäßen oder biliären
Strukturen zu sein. Trotzdem können durch Atemverschieblichkeit oder
Positionierungsfehler größere Bestrahlungsareale mit konsekutiver
Schädigung von Umgebungsstrukturen resultieren (27).
Tumorkontakt zu Nachbarorganen, insbesondere Darmabschnitten wie auch
multiple Filiae (> 3) stellen somit eine Kontraindikation dar (31).
Die interstitielle Brachytherapie kann permanent nach Einbringen von radioaktiven
Jod-Seeds oder passager mittels Applikatoren und Afterloading (Iridium192)
erfolgen (29,30,32). Vorteilhaft ist die
lokal hohe Strahlendosis und geringere Exposition von tumorfreiem Gewebe,
nachteilig die lange Gesamtbehandlungszeit und die nur begrenzte Wirksamkeit
(Metastasen < 3 cm). Eine valide Bewertung ist gegenwärtig noch
nicht möglich.
Unabhängig von der Wahl des lokalen Ablationsverfahrens ist in Analogie
zur R0-Resektion für den weiteren Krankheitsverlauf vor allem die
lokale Tumorkontrollrate entscheidend. Diese steht und fällt zunächst
mit der Indikationsstellung. Auch für die interstitiellen Verfahren
gilt, dass bei ausgedehntem intrahepatischen Befall bzw. Einzeltumorgrößen
deutlich über 5 cm eine komplette Ablation mit Sicherheitsabstand
zumeist nicht mehr erzielt werden kann (33).
Zur
Evaluation der Radiofrequenzablation bei Patienten mit irresektablen
Lebermetastasen colorektaler Primärkarzinome steht nach Eingang
des positiven Ethikkommissionsvotum eine prospektiv-randomisierte
Multicenterstudie unter der Studienleitung des Autors vor dem unmittelbaren
Beginn. Bei der zweiarmigen Phase III-Studie werden der gegenwärtige
Standard: palliative Chemotherapie gegen eine Kombination aus RFA
und systemischer Chemotherapie verglichen. Dabei sind verschiedene,
aktuell gebräuchliche Chemotherapieformen sowie Applikationsmodi
der RFA zugelassen, wobei das biometrische Konzept eine Gleichverteilung
in beiden Armen gewährleistet. Eine engmaschige Beratung und
Betreuung aller Studienteilnehmer insbesondere zu individuellen Fällen
ist durch eine interdisziplinäre und aus Experten verschiedener
Klinika bestehende Studienleitung möglich.
Nähere Informationen über die Studie können im Sekretariat
der Klinik für Chirurgie des Universitätsklinikums Lübeck,
Tel. 0451/500-2001 oder unter
Tel. 0451/500-4148 bzw.
matthias.birth@medinf.mu-luebeck.de
angefordert werden. |
Als Vorteile der RFA
erweisen sich der minimalinvasive Charakter mit der Möglichkeit der
Therapiedurchführung bei nur kurzem klinischem Aufenthalt, das parenchymschonenende
Prozedere und die im Vergleich zu anderen Therapieoptionen günstigen
Kosten (34). Weiterhin ist für dieses
Therapieverfahren eine nahezu beliebige Wiederholbarkeit gegeben, so dass
erneute Ablationen im Fall des Neuauftretens von Lebermetastasen möglich
sind. Besonders hervorzuheben ist die Kombinierbarkeit mit resektiven
Verfahren im Sinne einer chirurgisch-interventionellen Strategie (Abb.
4). Auch wenn über den onkologischen Stellenwert eines solchen local
agressive approach gegenwärtig nur spekuliert werden kann,
erscheint dieses Vorgehen immer dann sinnvoll, wenn nach standardisierter
Resektion und additiver RFA nicht resektabler Läsionen eine R0-Situation
herbeigeführt werden kann. Aber auch die Kombination verschiedener
lokaler Behandlungsverfahren z. B. der TACE mit nachfolgender RFA hat
sich vereinzelt als sinnvolles Vorgehen gezeigt.
Der auf Basis aktueller Ergebnisse berechtigte Optimismus darf jedoch
nicht über die noch vielen Fragezeichen und den gegenwärtig
zum Teil bereits unkritischen Einsatz bei Indikationen mit fehlender Datenlage
hinwegtäuschen. So dokumentiert eine von den Autoren durchgeführte
deutschlandweite Umfrage mit einem Rücklauf von 60 Kliniken welche
die RFA aktuell durchführen bereits den Einsatz auch bei potenziell
kurativ resezierbaren Patienten sowie zur Tumormassenreduktion. Nur eine
kritische Evaluation der Verfahren durch konsequentes Einbringen aller
Patienten in prospektive möglichst randomisierte Studien kann uns
die notwendigen Antworten liefern. Dies ist auch bei dem Szenario des
gegenwärtigen Gesundheitssystems bedeutend, da zukünftig wohl
nur noch in ihrer Wirksamkeit mit ausreichender Evidenz belegte Therapieformen
finanziell abrechenbar sein dürften. Individuelle multimodale Therapiekonzepte
und enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Chirurgen, Radiologen
und internistischen Onkologen sind entscheidende Voraussetzungen, um für
jeden einzelnen Patienten optimale Therapieergbenisse zu erzielen.
Literatur
bei den Verfassern
PD Dr. habil. Matthias Birth (1),
Dr. Philipp Hildebrand (1),Dr. Thorsten
Leibecke (2),
Dr. Elisabeth Oevermann (1), PD Dr.
Stefan Peters (3), Prof. Dr. Hans-Peter
Bruch (1)
1)
Klinik für Chirurgie
2) Radiologisches Institut
3) I. Medizinische Klinik
der
Universitätsklinik SH, Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160,
23538 Lübeck
|

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
2 / 2003
S. 63 - 69
|