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Eine
Kolonie des einfachen Manteltieres
Botryllus schlosseri (Fotos: Konstantin Khalturin)
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Kieler Molekularbiologen
finden Abwehrmolekül im Blut von Manteltieren
Spuren des Immunsystems in einfachen Meerestieren
Thomas C. G. Bosch
Ein internationales
Forschungsteam um Prof. Thomas Bosch vom Zoologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel entdeckte, dass wichtige Bausteine des menschlichen Immunsystems
viel älter sind als bisher angenommen. Das berichten sie in der aktuellen
online-Ausgabe der Proceedings der amerikanischen Nationalen
Akademie der Wissenschaften. Die Wissenschaftler konnten ein auf der Oberfläche
von menschlichen Killerzellen vorhandenes Molekül nun
auch in Blutzellen von Manteltieren nachweisen. Dieses Molekül sorgt
beim Menschen als Rezeptor für die Erkennung und Abwehr fremder oder
entarteter Zellen.
Die Entdeckung zeigt, wie wichtig vergleichende Untersuchungen auch an
ungewöhnlichen Objekten sind. Bislang ging man davon aus, dass nur
die Wirbeltiere ein komplexes erworbenes Immunsystem haben. Nach bisheriger
Auffassung greifen einfache Tiere wie die kieferlosen Fische oder alle
Wirbellosen bei Immunreaktionen ausschließlich auf Moleküle
des so genannten angeborenen Immunsystems zurück. Eines der
größten biologischen Rätsel aller Zeiten ist die Evolution
der erworbenen Immunantwort, schreibt Charles Janeway in seinem
gerade erschienenen Lehrbuch zur Immunologie. Er geht von einem immunologischen
Urknall aus, der bei den Wirbeltieren plötzlich die komplexen
Moleküle des erworbenen Immunsystems hat entstehen lassen.
Manteltiere sind evolutionsgeschichtlich sehr alt und stehen stammesgeschichtlich
an der Wurzel der Wirbeltiere und damit auch des Menschen. Es handelt
sich dabei um einfache, festsitzende Meerestiere. Ihr Name rührt
von der celluloseähnlichen Epidermis her, die die Tiere wie ein Mantel
umgibt. Einzeltiere können sich zu Kolonien zusammenschließen.
Beim Aufeinandertreffen von zwei Kolonien kann es zur Verschmelzung oder
zu Abstoßungsreaktionen kommen. Die Verschmelzung erfolgt nur, wenn
die Tiere identische Gene besitzen. Doch wie erkennen die Zellen auf der
Oberfläche der Manteltiere, ob sie identisch sind oder nicht?
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Zwei
Kolonien des Manteltieres Botryllus schlosseri sind in Kontakt und
beginnen sich abzustoßen. (POR, points of rejection)
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Bosch und sein Team,
allen voran der junge, russische Doktorand Konstantin Khalturin, fanden
heraus, dass Manteltiere auf der Oberfläche ihrer Blutzellen ein
Molekül besitzen, das als Rezeptor bei der Erkennung fremder Zellen
eingesetzt werden kann. Das Molekül zeigt eine große Ähnlichkeit
zu den CD94 Rezeptoren, die sich auf der Zelloberfläche der so genannten
menschlichen Killerzellen befinden.
Die Blutzellen der Manteltiere, die dieses BsCD94-1 Molekül tragen,
scheinen damit die stammesgeschichtlichen Vorläufer der Killerzellen
des Menschen zu sein. Damit sind zumindest einige Komponenten des ausgefeilten
Immunsystems der Wirbeltiere weitaus älter als bislang angenommen.
Statt eines rätselhaften immunologischen Urknalles scheint eher eine
schrittweise Entwicklung stattgefunden zu haben.
Prof.
Dr. Thomas C. G. Bosch, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel,
Zoologisches Institut, Am Botanischen Garten 1 - 9, 24118 Kiel
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
2 / 2003
S. 56 / 57
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