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Medizin & Wissenschaft

Impfschutz bei Aufnahme in Kindertageseinrichtungen (Kindergarten)
Schleswig-Holstein 2001

- Anonyme Auswertung der ärztlichen Bescheinigungen nach KitaVO -

Hans-Martin Bader
Über die Einführung der „Ärztlichen Bescheinigung” und die erste Auswertung des Impfstatus bei Aufnahme von Kindern in Kindertagesstätten wurde in Heft 2/2002 des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes berichtet. Es kann nun der zweite Jahrgang den Ärztinnen und Ärzten in SH vorgelegt werden (Organisation der zentralen Auswertung durch die AG der Kinder- und Jugendärztlichen Dienste SH). Die Gesamtergebnisse sind im Juni 2002 dem Robert Koch-Institut (RKI) über das Gesundheitsministerium in Kiel (MASGV) übermittelt worden. Sie sind dort seit dem Vorjahr die ersten kontinuierlichen flächendeckenden Ergebnisse über das frühe Vorschulalter in Deutschland. Die Hauptbedeutung der Bescheinigung liegt jedoch in der Information der neu besuchten Gemeinschaftseinrichtung (Kindergarten und Kinderhort).

Allgemeine Bedeutung der „Ärztlichen Bescheinigung nach KitaVO”


Impfstatus
Diphtherie:
mindestens 3 mal
Tetanus: mindestens 3 mal
Keuchhusten: mindestens 4 mal
Kinderlähmung: mindestens 3 mal
Masern: anzugeben 1 mal oder 2 mal
Mumps: anzugeben 1 mal oder 2 mal
Röteln: anzugeben 1 mal oder 2 mal
Hib: mindestens 3 mal
Hepatitis B: mindestens 3 mal
Tab 1: Markierung des Impfstatus vor Aufnahme in eine Kindertagesstätte (Kindergarten) „vollständig geimpft”.

Der tatsächliche Impfschutz gegen die wichtigsten Infektionskrankheiten (DTP, Polio, Masern, Mumps, Röteln, Hib, Hep B) wird in einfacher Form (Markierung des Haus- oder Kinderarztes in „vollständig” oder „unvollständig/nicht geimpft” gemäß der STIKO-Impfempfehlung) entsprechend der Tab. 1 festgehalten (Durchschreibverfahren aus drei Blättern, Faksimile der Bescheinigung s. Heft 4/2000 dieser Zeitschrift).
In der Auswertung des bescheinigten Impfschutzes spiegelt sich die Arbeit (Aktivität) ausschließlich der Niedergelassenen (meist Kinderärzte) wider. Der ÖGD in Schleswig-Holstein ist in diesem Alter Mediator (außer im Rahmen verbliebener Mütterberatungen), aktiv kommt er erst ab der Schuleintrittsuntersuchung ins Spiel.

Die Einsenderate der einzelnen Kreise


ist sehr unterschiedlich (in zwei kreisfreien Städten nur 57 %). Als Anhalt diente wie im Vorjahr die Feststellung aus dem landesweiten Gesundheitsbericht über die Schulanfängeruntersuchungen des Jahres 2000 (n = 31 591) (1). In jenem Jahr gingen 88 % der Schulanfänger vorher in einen Kindergarten. Im Durchschnitt lagen jetzt bei diesem Maßstab 83 % der Bögen zur Auswertung vor (im Vorjahr 67 %). Die Einrichtungen der dänischen Minderheit sind in den jeweiligen Kreisen mitenthalten.

2001
Anzahl
2000
Anzahl
Eingesandt:
23 120 19 571
davon nicht auswertbar: 1 326 127
verspäteter Eingang: 892 1 812
Gesamtauswertung 2001
(5 Mo. bis 14 J. 11 Mo.)
20 902 17 632
davon jünger als 13 Monate 39 111
älter als 60 Monate 2 894 2 240
Kindergarten (1 bis 5 Jahre)
(= 13 Mo. bis 60 Mo.)
17 953 15 281
Rundungsdifferenz 16
Tab. 2: Grundangaben zu den Einsendungen (Stand 10. Oktober 2002)


Die Kinder hatten bei der Gesamtauswertung
(n = 20 902) im gewichteten Mittel ein Alter von 4 J. 0 Mo.(im Vorjahr: 3 J. 8 Mo.) (Tab. 2) . Insgesamt hatten wir 23 120 Einsendungen, davon waren 1 326 nicht auswertbar und 892 kamen zu spät (Stand 10. Oktober 2002).
Kindergarten (1 bis 5 Jahre, n = 17 953):
Der Altersdurchschnitt (gewichteter Mittelwert) lag hier bei 3 J. 8 Mo. ( im Vorjahr: 3 J.
7 Mo.).
Die geringen Unterschiede der Impfschutzraten (Tab. 3) beim Vergleich dieser Kindergarten - Gruppe (Aufnahme im Alter von 1 bis 5 Jahren) mit der Gesamtgruppe „Kindertageseinrichtung” (Aufnahme 5 Mo. bis 14 J. 11 Mo.) sind auch jetzt noch erkennbar:
2. MMR-Impfung um 1 % höher (im Vorjahr 0,8 %) in der Gesamtgruppe (Anteil der Kinder älter als 5 Jahre, Wiederholungsimpfung erst ab Einschulung). Dafür sind alle anderen Raten bei den 1- bis 5-jährigen einschließlich der Hep B-Impfung höher (1,6 % für Hep B-Impfung, Vorjahr 1,8 % , Auswirkung der frühen Kombinationsimpfung). Die Unterschiede sind aber nur für diese beiden Impfungen signifikant (2. MMR, Hep B).

1 bis 5 Jahre % Kita - gesamt %
Diphtherie
97,2
97
Tetanus
97,4
97,3
Polio
95,2
95
Pertussis
92
91,3
Hib
92
90,9
Hepatitis B
80,8
79,2
mind. 1 x Masern
90
89,9
2 x Masern
23,5
24,7
mind. 1x Mumps
89,7
89,6
2 x Mumps
23,4
24,6
mind 1 x Röteln
88,1
87,7
2 x Röteln
23,1
24,2
mind 1 x MMR
87,8
87,2
2 x MMR
23,1
24,1
Tab. 3: Impfschutz Aufnahme Kindergarten (1 bis 5 Jahre, n = 17 953) und Kindertagesstätten gesamt (n = 20 902) in Schleswig-Holstein 2001


Es werden daher im Folgenden nur die Ergebnisse der Kindergartengruppe im Einzelnen dargestellt.
Es gilt bei allen Impfungen zunächst, 90 % Durchimpfungsrate zu erreichen. Dann kommt 95 %.

1. und 2. Impfung gegen Masern bei Aufnahme in den Kindergarten (1 bis 5 Jahre)


Die Rate für die Erst-Impfung liegt landesweit in diesem Alter bei 90 %. Die Abb. 1 zeigt die Spannweite von 85 % (PLÖ) bis 94 % (NF).
In der Einzeldarstellung ist die Impfrate gegen Mumps (89,7 %) fast gleich zu der von Masern (Tab. 3) (feste MMR-Kombination). Nur die Röteln-Komponente hinkt nur noch um 1,9 % hinter MM her (2,8 % im Vorjahr).
Die Zweit-Impfung gegen die Kombination MMR wurde erst seit zwei Jahren von der STIKO auf den früheren Zeitpunkt des 2. Lebensjahrs vorgezogen (STIKO-Empfehlung Jan. 2000). Für die Einzelkomponente Masern liegt die Rate der zweiten Impfung bei 23,5 % (und damit um 9 % höher als im Vorjahr). Bei ihr zeigen sich die Unterschiede in den Kreisen der niedergelassenen Ärzteschaft am deutlichsten: In Abb. 2 findet sich eine regionale Spannweite für die 2. Masern-Impfung von 12 % in PI bis 53 % in FL (im Vorjahr 5 % bis 38 %)! Zum Vergleich die Schutzraten von 29,8 % bei den Schulanfängern und 61, 3 % bei den 10-Jährigen (4. Schulklassen) in 2001 (Einfluss der Kooperation mit den schulärztlichen Diensten des ÖGD). So erfreulich der Anstieg in diesen Altersgruppen ist und sich auch von Jahr zu Jahr fortgesetzt hat in Schleswig-Holstein, so ist er zum einen immer noch nicht ausreichend und zum anderen muss es das Ziel sein, diese höheren Raten in Zukunft früher (spätestens mit Beginn des 2. Lebensjahres) zu erreichen1. Eine Eradikation der Masern (und im Gefolge der MMR-Kombinationsimpfung auch von Mumps und Röteln) gelingt erst ab Überschreiten der 90 % -Marge auch bei der Zweit-Impfung.

Impfschutz gegen Hepatitis B (Abb. 3)


Bei Aufnahme in einen Kindergarten sind landesweit 80,8 % erreicht (Vorjahr 75 %). In einem Kreis impfen die Niedergelassenen sehr zurückhaltend (PLÖ: 56 %).

Impfschutz gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Pertussis und Hib (landesweit Tab. 3, regional Tab. 4).

Bei drei Impfungen (D, T, Polio) liegen in allen 15 Kreisen die Raten zwischen 92 und 98 %.
Das Augenmerk ist lediglich auf die Pertussis- und Hib-Impfung zu legen: Diese hinken regional unterschiedlich nach, alle liegen jedoch über 88 % (im Vorjahr niedrigster Wert für Hib 81 %): 4 Kreise liegen für Pertussis noch unter 90 % (Landesdurchschnitt gerundet 93 %), bei Hib ist es nur ein Kreis (Landesdurchschnitt 92 %).

Diphth. % Tet. % Polio % Pert. % Hib %
FL
97,3
97,7
93
88,7
92,2
HL
87,2
97,7
94,1
91,9
92,9
KI
96,8
97,3
95,8
92,2
91
NMS
97
97,3
95,9
93,5
91,3
HEI
97
97
95,7
93,6
93,6
IZ
97,7
98
96,1
92,4
92,9
NF
98,5
98,5
97,6
96,2
94,1
OD
97,4
97,8
95,1
89,4
91,5
OH
94,7
95
92,2
89,8
89,1
PI
97,2
97,5
95
89,3
91,7
PLÖ
96,6
96,7
94,6
91,3
88,4
RD
97
97,3
95,4
92,6
91,7
RZ
97,8
98,2
96,1
94,6
93,6
SE
97,1
97,3
94,2
90,6
90,4
SL
97,4
97,7
96,2
92,5
93
SH ges.
97,2
97,2
95,2
92
92
Tab. 4: Impfschutz bei Aufnahme Kindergarten (1 bis 5 Jahre). Schleswig-Holstein 2001 regional

Zusammenfassung

Die Auswertung des zweiten Jahrgangs hat ergeben: Die Impfempfehlungen der STIKO vom Juli 2000 haben auf den diesjährigen Kindergartenjahrgang einen deutlichen Zuwachs der Impfschutzraten von 9 % bei der 2. MMR-Impfung (jetzt 23,1 %) und von 6 % bei der Hep B-Impfung gebracht (jetzt 80,8 %). Für die übrigen sechs Basisimpfungen haben die Haus- und Kinderärzte das landesweite Ziel von Schutzraten über 90 % erreicht (92 bis 97 %). Der Rücklauf der anonymen Belege hat sich verbessert: 67 auf 80 % zum Auswertestichtag 26. April 2002 (mit verspäteten Eingängen 83 %).
Die „Ärztliche Bescheinigung” vor Aufnahme in eine Kindertageseinrichtung ist etabliert und sie ist ein gutes Werkzeug in diesem Bereich bei Fragen der Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen (IfSG). Die Kindertageseinrichtungen beziehen die von der Ärztekammer Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellten Bögen über die lokalen Gesundheitsämter (Verteiler vor Ort).

Literatur beim Verfasser

Dr. Hans-Martin Bader, Jupiterweg 15, 24943 Flensburg

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 1 / 2003

S. 64 - 67