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Hepatitis C
Infektionen durch
das Hepatitis-C-Virus (HCV) sind global verbreitet. Etwa 2 - 3 % der Weltbevölkerung
sind chronisch infiziert. Auf der Basis von größeren Surveys
und Studien ist davon auszugehen, dass in Deutschland die Prävalenz
von HCV-Antikörpern in der Bevölkerung bei 0,5 - 0,7 % liegt.
Da 70 - 80 % der Infektionen chronisch verlaufen, leben derzeit in Deutschland
schätzungsweise 400 000 bis 500 000 Virusträger.
Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) sind alle Fälle von HCV-Infektionen
meldepflichtig, bei denen eine chronische Infektion bisher nicht bekannt
ist. Bei der Analyse der Meldedaten zur Hepatitis C ist zu berücksichtigen,
dass (bei fehlenden Vorbefunden) die verfügbaren Labortests keine
Differenzierung zwischen einer akuten Infektion und einer erstmalig diagnostizierten
chronischen Infektion erlauben. Die Mehrzahl der Neuinfektionen der Hepatitis
C (ca. 75 %) verlaufen asymptomatisch. Die Meldungen zu HCV-Erstbefunden
umfassen somit akute Infektionen, aber auch viele chronische Infektionen
mit unterschiedlich langer Infektionsdauer.
Im Jahr 2001
wurden dem RKI insgesamt 8 617 Fälle von HCV-Infektionen übermittelt.
Die nachfolgenden Informationen und Analysen beziehen sich auf die Untergruppe
von 4 382 Fällen, die die Referenzdefinition (charakteristisches
klinisches Bild und labordiagnostische Bestätigung) erfüllen.
Dies entspricht einer Rate von 5,33 pro 100 000 Einwohner. Ausbrüche
oder Häufungen von HCV-Neuinfektionen wurden im Jahr 2001 nicht bekannt.
In den vergangenen Jahren wurden konstant jeweils etwa 6 000 Fälle
von Hepatitis C gemeldet. Der Unterschied zwischen den Jahren 2000 (6
274 Fälle) und 2001 lässt sich aufgrund der durch das IfSG bedingten
Umstellung des Meldesystems nur mit großer Zurückhaltung interpretieren.
Der Anstieg von 6 274 Fällen im Jahr 2000 auf 8 617 Meldungen insgesamt
für 2001 lässt sich wohl durch die im IfSG festgelegte explizite
Meldepflicht für HCV erklären.
Die geringere Zahl von nur 4 382 Fällen, die der Referenzdefinition
entsprechen, deutet darauf hin, dass in den 6 274 Fällen aus dem
Jahr 2000 ein beträchtlicher Anteil chronischer HCV-Infektionen enthalten
ist.
Die monatlichen HCV-Meldungen haben im Laufe des Jahres 2001 einen leichten
Abwärtstrend gezeigt, der sich auch in der ersten Hälfte des
Jahres 2002 fortsetzt (Abb. 1). Dieser Trend ist ebenfalls meldetechnisch
bedingt, er spiegelt die verbesserte Weiterleitung von Informationen zur
Einordnung des Falls als chronisch oder nicht chronisch wider. Erkrankungen,
die als chronisch eingestuft werden, tauchen nicht weiter in der Meldestatistik
auf, während solche ohne Angabe zur Chronizität bis zum evtl.
Eintreffen weiterer Informationen in der Menge der Meldefälle verbleiben.
Die Zahl der wöchentlich als nicht chronisch gemeldeten
HCV-Fälle ist seit Anfang 2001 nahezu konstant.
Regionale Verteilung:
Die Inzidenzraten in den Bundesländern reichen von 1,27 Erkrankungsfällen
pro 100 000 Einwohner in Thüringen bis zu 9,82 Fällen pro 100
000 Einwohner in Baden-Württemberg (Abb. 2). Die Raten in Berlin
und Hamburg erscheinen bemerkenswert niedrig, da man aufgrund der Bevölkerungsstruktur
dieser Räume eher eine besonders hohe Inzidenzrate erwarten würde.
Da es sich nicht um eine echte Inzidenz handelt, sondern auch erstmals
diagnostizierte Fälle von chronischer Hepatitis C in die Berechnungen
eingehen, können solche regionalen Unterschiede z. T. durch besonders
intensive Diagnostik bei besonderen Risikogruppen
(z. B. i. v. Drogenkonsumenten) in einigen Bundesländern bedingt
sein. Darüber hinaus unterliegt das Meldeverhalten von Ärzten
und Labors sowie die genaue Vorgehensweise der übermittelnden Gesundheitsämter
regionalen Schwankungen.
Informationen zum mutmaßlichen Infektionsland sind nur in weniger
als der Hälfte der Fälle verfügbar. Unter diesen 2 160
Fällen wurde bei 91,6 % der Fälle Deutschland genannt, in weiteren
4,8 % ein anderes europäisches Land. Auffallend ist die relativ hohe
Anzahl von Fallmeldungen bei Personen aus der Russischen Föderation
(n = 55) bzw. aus anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion (n =
39).

Zum Alter und Geschlecht:
Die Inzidenzrate ist bei Männern mit 6,88 Fällen pro 100 000
Einwohner deutlich höher als bei Frauen mit 3,85 Fällen pro
100 000. Die meisten HCV-Infektionen werden im Alter von 20 bis 50 Jahren
festgestellt (Abb. 3). Dabei ist der Altersgipfel bei den 20- bis 30-Jährigen
bei Männern wesentlich deutlicher ausgeprägt als bei Frauen.
Bei den 20- bis 40-Jährigen liegen die HCV-Inzidenzen bei den Männern
mehr als doppelt so hoch wie bei den Frauen. Dies spiegelt wider, dass
Männer in der Gruppe der i. v. Drogenkonsumenten, auf die ein Großteil
der Neuinfektionen in der Altersgruppe 20 bis 30 Jahre entfällt,
überrepräsentiert sind.
Zum Infektionsweg:
Nur bei 558 gemeldeten HCV-Fällen (13 %) liegen nähere Informationen
zum Infektionsweg vor. Bei 60 % (337/558) wurde i. v. Drogenkonsum als
wahrscheinlichstes Infektionsrisiko angegeben. Unabhängig davon,
dass die gegebenen Möglichkeiten der Erfassung sicher noch verbessert
werden können (s. a. Hepatitis B) ist aber zu beachten, dass die
möglichen Infektionswege für HCV häufig nur schwer zu eruieren
sind. Zur Bedeutung der verschiedenen Risikofaktoren für die HCV-Infektionen
in Deutschland sind in Ergänzung zu den weiter zu qualifizierenden
IfSG-Meldedaten gezielte Studien erforderlich, die zum Teil bereits initiiert
wurden.
Eine erhöhte Prävalenz von HCV unter jungen Spätaussiedlern
aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion wurde 2001 auch in einer Studie
des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz festgestellt. Unter den
Inhaftierten einer bayerischen Jugendstrafanstalt betrug der Anteil der
HCV-Infizierten bei in Deutschland geborenen Deutschen 21,4 %, bei Ausländern
26,2 % und bei Aussiedlerdeutschen 52,6 %. Bei den HCV-Positiven aller
drei Gruppen handelte es sich überwiegend um Personen, die i. v.
Drogen konsumiert hatten (s. a. Epid. Bull. 5/01: 32 - 34).
In den städtischen Ballungsgebieten lassen sich bei 70 - 80 % der
i. v. Drogenkonsumenten HCV-Antikörper nachweisen. In einer prospektiven
Studie wurde Mitte der 90er Jahre bei i. v. Drogenkonsumenten in Berlin
eine HCV-Inzidenz von fast 20 pro 100 Personenjahre beobachtet. Aus anderen
Ländern wurden ähnliche Daten berichtet. Auch neuere Studien
in anderen europäischen Ländern oder in einer Haftpopulation
in Berlin zeigen, dass die Gruppe der i. v. Drogenkonsumenten trotz Präventionsmaßnahmen
wie beispielsweise Spritzentauschprogrammen weiterhin durch HCV stark
gefährdet ist.
Spezifische Daten zur nosokomialen Übertragung von HCV liegen nicht
vor und nosokomiale Häufungen von Hepatitis C sind für das Jahr
2001 nicht bekannt. Jedoch werden seltene Einzelfälle von HCV-Übertragungen
(z. B. im Zusammenhang mit einer Immunoadsorptions-Behandlung oder vereinzelt
auch im operativen Bereich) beschrieben, die in der Regel durch Verletzungen
von Hygienestandards bedingt sind. Zur Verhütung der Übertragung
von HCV durch infiziertes Personal im Gesundheitsdienst existieren standardisierte
Empfehlungen (s. a. Epid. Bull. 35/99: 26 I f., 3/01: 15 - 16 und 10/01:
71 - 73).
Alle Blutspenden werden (gemäß den Richtlinien der Bundesärztekammer)
obligatorisch auf HCV-Antikörper und seit 1999 zur weiteren Verringerung
des diagnostischen Fensters vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Auftreten
der Antikörper auf HCV-Nukleinsäure (mittels Nukleinsäure-Amplifikationstechnik,
NAT) untersucht. Plasmaspenden werden auf HCV-Antikörper getestet,
die Plasmapools mit NAT untersucht und zusätzlich virusinaktivierenden
Verfahren unterzogen. Des Weiteren erfolgt eine sorgfältige Spenderauswahl,
die Personen, die ein erhöhtes Risiko für eine HCV-Infektion
haben, von der Spende dauerhaft oder befristet ausschließt. Diese
Maßnahmen gewährleisten nach heutigen Erkenntnissen eine maximale
Sicherheit der Blutprodukte. Im Jahr 2001 wurden 5 757 755 Blutspenden
auf Hepatitis C untersucht. Bei den 535 581 Erstspendern und Erstspendewilligen
lag die HCV-Prävalenz bei 94,47/100 000. Unter den 5 222 174 Mehrfachspendern
wurden nur 84 Serokonversionen gefunden, was einer Inzidenz von 1,6/100
000 entspricht. Diese Zahlen sind Ausdruck der hohen Sicherheit von Blut
und Blutprodukten in Deutschland. Die generelle Einführung des Nukleinsäure-Nachweisverfahrens
1999 konnte die Zahl der in der Fensterphase geleisteten Spenden noch
weiter reduzieren.
Aspekte der Therapie:
In den letzten Jahren wurden für die Hepatitis C Therapiekonzepte
entwickelt, die die Heilungschancen deutlich erhöht haben. In einer
jüngeren Studie bei Patienten mit akuter Hepatitis C konnte bei nahezu
allen Betroffenen das Virus durch eine 24-wöchige Behandlung mit
Interferon-alpha eliminiert und damit eine chronische Infektion verhindert
werden. Endgültige Therapieempfehlungen für die akute Hepatitis
C existieren noch nicht. Bei Vorliegen einer chronischen Hepatitis C besteht
die optimale Behandlung in der kombinierten Gabe von eines Interferons
mit besonders langer Halbwertzeit und Ribavirin. Dadurch kann eine dauerhafte
Viruselimination in etwa 50 % (HCV-Genotyp 1) bzw. in bis zu 75 % (Genotypen
2 und 3) der Fälle erzielt werden.
(Epid.
Bulletin Nr. 44/2002)
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
1 / 2003
S. 61 - 64
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