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Impfstreit
mit VdAK
In Mecklenburg-Vorpommern
bekommen die Ersatzkassen immer mehr Probleme mit den Leistungserbringern.
Höhepunkt war im vergangenen Monat der Impfstreit mit der Kassenärztlichen
Vereinigung (KVMV). Der Schlichtungsversuch von Sozialministerin Martina
Bunge lief ins Leere.
Für VdAK-Leiter Dr. Peter Beddies war der Spätsommer in Schwerin
alles andere als erholsam. Erst kündigten die Pflegeverbände
ihm die Vereinbarung zur häuslichen Krankenpflege und sorgten für
ein bundesweites Echo, dann scheiterten die Verhandlungen über die
Impfhonorare mit den Ärzten auf ganzer Linie. Ergebnis: Ausgerechnet
die von den Ärzten sonst so gescholtene AOK wurde an der Ostsee plötzlich
als Musterkasse in Sachen Impfhonorare hingestellt.
Zur Vorgeschichte:
Schon vor Monaten hatte die KV in Mecklenburg-Vorpommern eine bundesweit
viel beachtete Vereinbarung über die Honorierung von Impfleistungen
mit den Primärkassen abgeschlossen. Ergebnis ist eine abgestaffelte
Honorierung von der Erst- bis zur Sechsfachimpfung - je intensiver die
Beratung, um so höher das Honorar. Diese Vereinbarung, so die Vorstellung
der KV-Vertragsverhandler, sollte eigentlich auch mit den Ersatzkassen
möglich sein. Doch der VdAK trat auf die Bremse. Abstaffelung ja,
aber erst ab der Vierfachimpfung, lautete das Angebot. In Euro hätte
das bedeutet: 5,33 Euro für eine Ein- bis Dreifachimpfung, 5,74 Euro
für eine Vierfachimpfung, 6,97 Euro für eine Fünffachimpfung
und 13,12 Euro für eine Sechsfachimpfung. Empört lehnten die
Kassenärzte ab. Beide Seiten bemühten sich dann, dem Verhandlungspartner
öffentlich das Scheitern anzulasten. Die Kassen warben für die
für sie günstigeren Impfungen durch Amtsärzte und versuchten
Impfvereinbarungen mit einzelnen Ärzten abzuschließen. Die
Ärzte warnten in Faxbriefen Kollegen vor solchen Lockangeboten, während
die KV ihren Mitgliedern Argumentationshilfen für die öffentliche
und sich zunehmend verschärfende Auseinandersetzung an die Hand gab.
Der Streit zog sich schließlich so lange hin, bis auch Sozialministerin
Martina Bunge nicht länger widerstehen konnte. Die Chance, sich mitten
im Wahlkampf als Schlichterin zu profilieren, vergab sie jedoch. Ihr Kompromissvorschlag
wurde von der KV rundweg abgelehnt, weil das Honorar nicht an die Primärkassen-Vergütung
herangereicht hätte. Die KV machte deutlich, dass sie niedrigere
Honorare gar nicht akzeptieren kann: Dann kündigt uns die AOK
doch sofort unseren Vertrag und drängt auf niedrigere Honorare,
räumte ein KV-Mitarbeiter ein.
Folge war ein Zwei-Fronten-Krieg für die KV:
Auf der einen Seite über die Impfhonorare mit den Ersatzkassen, auf
der anderen Seite mit Sozialministerin Martina Bunge, der die KV unzulässige
Einmischung in die laufenden Verhandlungen und Wahlkampfmanöver vorwarf.
Fünf Tage vor der Landtagswahl dann der vorläufige Höhepunkt:
Die KV ließ sich von den Ärzten per Rundbrief absegnen, dass
der Kompromissvorschlag aus dem Ministerium für sie nicht akzeptabel
sei und holte zum Gegenschlag aus: Zeitgleich zu der von Bunge einberufenen
Pressekonferenz, auf der sie den Journalisten Erfolge des jobschaffenden
Gesundheitswesens an der Ostsee erklären wollte, lud auch die KV
zur Konkurrenzveranstaltung ein. Der KV-Vorstand erläuterte den Journalisten
nicht nur seine Gründe für die Ablehnung des Kompromiss-vorschlags,
sondern kündigte gleich noch eine Generalabrechnung über die
aus seiner Sicht wenig geglückte Gesundheitspolitik der rot-roten
Koalition in Schwerin an.
Überraschend kamen die Streitigkeiten zwischen KV und Ministerium
an der Ostsee zwar nicht. KV-Chef Eckert sympathisiert schließlich
mit der Schill-Partei und macht kein Geheimnis aus seiner Abneigung gegen
die Partei von Sozialministerin Martina Bunge (PDS). Neu war aber die
ungewöhnliche Schärfe. Vom Wahlausgang hängt ab, wie viel
Porzellan beide Seiten nun kitten müssen. (di)
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
10 / 2002
S. 67
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