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Mecklenburger
Medizin-Ethik-Symposien abgeschlossen
Mit dem diesjährigen
Kühlungsborner Symposium Exogene Einflussnahme auf werdendes
menschliches Leben schloss sich zunächst der Kreis von drei
bundesweit beachteten Veranstaltungen unter dem Rahmenthema Medizinische
Ethik im 21. Jahrhundert - Zur Anthropotechnik der Menschlichkeit.
Wie Organisator Dr. phil. Peter-Alexander Möller (Norderstedt) zu
verstehen gab, konnte die Leitfrage der Symposien eindeutig positiv belegt
werden: Ist menschliche Medizin auch im modernen, hoch technisierten Medizinbetrieb
möglich?
Aus der Fülle auffallender Referate seien nur wenige Beispiele angerissen,
so Herausforderungen für das Handeln von Public Health (PH)
von Prof. Dr. Angela Brandt. Die Professorin für Sozialmedizin/PH
an der FH Düsseldorf fragte, ob wir uns zu einer neuen Risikogruppengesellschaft
entwickelten und wies auf den (oft unterschätzten) Wert des disziplinübergreifenden
Public-Health-Konzepts hin, mit dem - ergänzend zum Ziel der Individualgesundheit
- auch wesentliche Gemeinwohlüberlegungen (wie die Priorisierung)
aus der Sicht der Öffentlichen Gesundheit eingebracht
werden könnten.
Dr. theol. Rüdiger Sachau, ehemaliger Studienleiter der Ev. Akademie
in Bad Segeberg (jetzt Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit
der Nordelbischen Kirche in Hamburg) wies auf die für Patienten wie
Ärzte befreiende, hilfreiche Perspektive der Religion hin (Annehmen
und gestalten - Geburt und Lebensbeginn aus der Sicht der Religion).
Aus philosophischer Sicht betonte Prof. Dr. phil.
Ulrich Steinvorth (Hamburg) die unterbewertete, lebenswichtige Rolle der
Naturwissenschaften (Zur Legitimität moderner Reproduktionstechniken
und der Gentechnik).
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Neuerscheinung:
Die Kunst des Alterns
Der inhaltsreiche,
empfehlenswerte Tagungsband des vorigen Symposions ist kürzlich
erschienen mit dem Untertitel Medizinethische Diskurse über
den Alterungsprozess in exogener Einflussnahme. Verlag Peter
Lang, Frankfurt 2002, 362 S., 49,90 Euro.
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Angesichts mancher
gesundheitspolitischer Vorschläge zur Übernahme des Schweizer
Modells der Gesundheitsversorgung waren die Mahnungen von Dr. rer. nat.
Margrit Leuthold wichtig. Die Generalsekretärin der Schweizerischen
Akademie der Medizinischen Wissenschaften analysierte eine aktuelle Umfrage
bei der Schweizer Bevölkerung zu den Erwartungen an die Medizin.
Vor dem Hintergrund einer grundsätzlich positiven Einstellung zur
Medizin und zu den Medizinern vermissen dort weite Kreise über die
engere Schulmedizin hinausgehende und vor allem auch soziale Kompetenzen
in der Ärzteschaft. Als Konsequenz wird an eine Neuorientierung der
medizinischen Ausbildung unter anderem in Richtung auf Prävention
und Gesundheitsförderung gedacht.
Besonders radikale Fragen stellte schließlich das Doppelreferat
von Prof. Dr. Dr. Karl-Heinz Wehkamp (Reinbek/Hamburg) und Pastorin Hilma
Keitel (Wentorf): Brandnew body - brandnew soul - brandnew medicine
- ethische Probleme der Lifestylemedizin. Anhand der Problematik
der Lifestyle- und Anti-Aging-Medizin (Piercing, Viagra, Functional Food
etc.) sei die gesamte Medizin nach ihrer Zielrichtung gefragt: Ist sie
noch ausschließlich oder unter anderem Leidensbekämpfung? Was
wäre dann akzeptables Leid, wer bewertet dies und wie?
Der Arzt als traditioneller Anwalt des leidenden Patienten müsse
seine Rolle neu reflektieren: Wieweit könne er auf neue Bedürfnisse
(welche?) der Patienten eingehen? Gehören zur Medizin auch neuere
Bereiche (und wie sind sie zu bewerten): Hightech-Medizin zur Lebensverlängerung
und -qualitätsverbesserung, Biotechnologie zur Vermeidung von krankem
und behindertem Leben, Gestaltung von Hybriden aus Biologie und Technik
(Neurobionik), Psychotherapi-en, Wellness, Gesundheitsförderung und
andere? Fazit: Angesichts dieser Herausforderungen, angesichts der Ökonomisierung
der Medizin müssten die Ärzte ethisch reflektieren und selbst
den Diskurs führen.
Ab 2003 (9. - 11. Mai) sind in neuer Form Kühlungsborner Gespräche
geplant. (hk)
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
07 / 2002
S. 75 / 76
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