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Unsere Nachbarn
(Quelle: www.lbk-hh.de)

„PANDA“ statt ärztlichen Bereitschaftsdienstes

Unabhängig vom EuGH-Urteil über die Arbeitsqualität des ärztlichen Bereitschafts-
dienstes und von entsprechenden deutschen Arbeitsgerichts-Entscheidungen will der Landesbetrieb Krankenhäuser Hamburg (LBK) schon seit längerem aus diesem „antiquierten System“ aussteigen. Dies wurde deutlich, als LBK-Vorstandssprecher Heinz Lohmann die Konzeption der Projektgruppe PANDA vorlegte (Prozessorientierte Arbeitsorganisation/Neue Dienst- und Arbeitszeitmodelle). In einem modernen Krankenhaus mit kurzer Verweildauer der Patienten habe eine Normalarbeitszeit von lediglich 8 bis 17 Uhr und anschließendem Bereitschaftsdienst keine Berechtigung mehr. Zu prüfen sei ein leistungsbezogenes System differenzierter Arbeitszeitmodelle, darunter auch Schichtarbeit. Zu diesem Zweck würden fünf Pilotprojekte mit wissenschaftlicher Begleitung (Prof. Dr. Dr. Alf Trojan, UKE) in den Häusern des LBK gestartet, unter anderem in zwei OP-Bereichen und zwei Notaufnahmen.
Projektgruppenleiter Dr. Ulf Debacher (Gynäkologe) nannte die wesentlichen Grundgedanken für die künftige Organisation im ärztlichen und pflegerischen Dienst:

  • integrierte zentrale Notaufnahme,
  • gemeinsamer interdisziplinärer Intensivbereich,
  • gemeinsamer interdisziplinärer Intermediate-Care-Bereich,
  • Anpassung der Vollservicezeit entsprechend der Nachfrage in dem jeweiligen Krankenhaus,
  • Interdisziplinäre Versorgung der Normalstation nachts,
  • hausübergreifende Kooperation auch mit Nicht-LBK-Kliniken.

Die weitgehende Zustimmung der Personalvertretungen sei gegeben, hieß es. Dazu haben offenbar attraktive Angebote bei Übergangsregelungen, Personalentwicklung und gehältlichen Anreizsystemen beigetragen. Demgegenüber haben die Gewerkschaften (mb, ver.di) erst bedingtes Einverständnis signalisiert, sofern die konkreten Bedingungen stimmen.
Inzwischen hat auch das Bundesgesundheitsministerium auf „bereits erprobte Arbeitszeitmodelle einiger Krankenhäuser“ hingewiesen. Beim „Arbeitszeitgipfel“ von DKG, Gewerkschaften und Deutschem Pflegerat am 4. März ist eine gemeinsame Erklärung zur Verbesserung der Arbeitszeitgestaltung im Krankenhaus beschlossen worden. Darin heißt es unter Punkt 6: „Es erfolgt eine gemeinsame fachliche Propagierung von Modellen. Das BMG lädt hierzu die direkt Beteiligten und die Bundesanstalt für Arbeit und Unfallforschung ein.“ Ein Weg für PANDA oder andere Modelle auch in Norddeutschland? (hk)

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 05 / 2002

S. 76