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Kammer-Info aktuell 12 / 2001

Leserbrief von Gerhard Kruse und Dr. Michael Borgner, AOK Schleswig-Holstein, zum Leserbrief von Dr. Wilko Schoormans zum AOK-Pilotprojekt „EKG per Telefon“, SHÄ 9/2001, S. 70 f.

Für die AOK Schleswig-Holstein und mit ihr für viele der niedergelassenen Ärzte in Schleswig-Holstein ist die gemeinsame Durchführung von Modell-, Struktur- und Pilotprojekten eine weitere Möglichkeit, im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung innovativ tätig zu sein, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung weiter zu optimieren. Die Ergebnisse hieraus zeigen oft mögliche Wege und Strukturen für die zukünftige Qualitätsverbesserung in der Patientenbetreuung sowie vielfach auch Möglichkeiten der Finanzierbarkeit der Gesetzlichen Krankenversicherung auf.

Gerhard Kruse, Fachbereichsleiter Gesundheitspartnerservice, AOK Schleswig-Holstein
(Fotos: AOK)

Dr. Schoormans zweifelt an, dass das bloße Tragen eines mobilen EKG-Aufzeichnungsgerätes Menschenleben retten würde. Recht hat er, denn auch mit dem EKG-Mobilgerät in der Hand kann man sterben. Doch so weit will es die AOK Schleswig-Holstein als innovative Krankenkasse doch gar nicht kommen lassen. Nur, was ist die Alternative, wenn der Herz-Patient - vielleicht sogar allein - am Arbeitsplatz, zu Hause, in der Freizeit oder im Urlaub plötzlich Herzbeschwerden verspürt?... Es könnte sein, dass mithilfe der EKG-Aufzeichnungen schnell das Richtige getan werden kann ... und somit sein Leben gerettet werden könnte.
Wenn Dr. Schoormans Angst hat, dass Ergebnisse von Projekten später unter Umständen nur noch Platz auf der IGEL-Liste finden würden, dann scheint uns eine solche Einstellung dazu geeignet zu sein, dafür zu plädieren, grundsätzlich keine Kooperationen mehr anzudenken.
Bei dem von der AOK Schleswig-Holstein durchgeführten Pilotprojekt zur integrierten Patienten-Versorgung handelt es sich um einen Vertrag im Rahmen des § 140 b Sozialgesetzbuch V (SGB V). Die enge Zusammenarbeit mit einem weltweit tätigen Fachunternehmen (Card Guard) machte diese Kooperationsleistung mit mehreren Kliniken für die Versicherten der AOK in Schleswig-Holstein erst möglich. Für Patienten mit eindeutigen kardiologischen Erkrankungen (KHK) sieht dieses Pilotprojekt Folgendes vor:

Dr. Michel Borgner, Ärztlicher Berater, AOK Schleswig-Holstein

Nach einer Akutbehandlung oder einer Anschlussheilbehandlung werden die Patienten im Rahmen einer randomisierten Studie ein handygroßes Gerät erhalten, das in der Lage ist, ein 12-Kanal EKG zu registrieren und per Telefon in das Telemedizinische Service- und Gesundheitszentrum (tsgz) zu übertragen. Dort sind die klinischen Daten und das Referenz-EKG des jeweiligen Erkrankten zum Vergleich vorhanden. Darüber hinaus steht der Patient bei Auftreten von Beschwerden zunächst verbal mit einem kardiologisch versierten Arzt in Kontakt. Der Patient wird auf Grundlage evidence based medicine beraten.
Zur Klarstellung weisen wir darauf hin, dass es sich nicht nur um Arrhythmiediagnostik, sondern um Chest pain monitoring handelt. Auf Wunsch des Patienten erfolgt eine unmittelbare Benachrichtigung an die behandelnden Ärzte.
Die AOK Schleswig-Holstein unterstützt mit dieser in Europa einzigartigen Studie die Möglichkeit, die prä- wie auch die post-hospitale Phase zu verkürzen und den Versicherten die bestmögliche Versorgung nahe zu bringen.
Diesem Projekt ist zu wünschen, dass es mit der erforderlichen Kontinuität zum Erfolg geführt werden kann. Innerärztliche Verteilungsprobleme oder gar eine Diskussion über die Möglichkeit einer späteren Abrechnung als IGEL-Leistung gehören einfach nicht in diese frühe Phase und dürften auf wenig Verständnis bei den betroffenen herzkranken Patienten stoßen. Die bahnbrechende Möglichkeit, mit diesem und ähnlichen Vorhaben der AOK Schleswig-Holstein, die Medizin näher an den Patienten heranzubringen, muss genutzt werden und darf nicht durch die Erörterung vordergründiger Abrechnungsfragen geschmälert werden.
Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.tsgz.de

Gerhard Kruse,
Dr. Michael Borgner,
AOK Schleswig-Holstein,
Skandinaviendamm 360, 24109 Kiel

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 12/ 2001

S. 69 / 70