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Gesundheits- und Sozialpolitikt
Werbestrategien der Pharmaindustrie

Der „Kölner Stadtanzeiger“ berichtete über eine Enquete des Niederländischen Gesundheitsministeriums, die erstmals über die Strategien der Pharmaindustrie das Verschreibungsverhalten der Ärzte zu beeinflussen berichtet. Gerd Glaeske, Arzneimittelexperte an der Universität Bremen: „In Deutschland nutzt die Industrie ganz ähnliche Konzepte.“ Nach Schätzungen des US-Verbraucherschutzvereins Public Citizen investieren die Firmen 30 % ihres Umsatzes in Marketing und Vertrieb, mehr als doppelt so viel wie sie für Forschung und Entwicklung ausgeben.
Das holländische Ministerium hat bei 10 anonymen Firmen Einblick genommen in die Marketingpläne bei 28 verschreibungspflichtigen Medikamenten. 20 % der Gelder fließen in Phase-IV-Studien. Es sollen die Studien nach der Zulassung eines Medikaments wissenschaftliche Fragen klären: Die Rate der Nebenwirkungen etwa oder Vergleiche mit Konkurrenzmitteln. Doch in Wahrheit sollen viele dieser „Studien“ den Verkauf der neuen Präparate ankurbeln. Die an den Studien teilnehmenden Ärzte bekommen eine „Aufwandsentschädigung“, oft nur für die Ausfüllung eines Fragebogens.
19 % waren für Fortbildungs- und Kongressbesuche eingeplant. Gezielt ausgewählte Ärzte erhielten u. a. Reisekosten und Unterhaltungsprogramme. Die Einladungen zielen vor allem darauf, Ärzte in gesponserte „Satelliten-Symposien“ zu lotsen, quasi als wissenschaftliche Seminare getarnte Werbeveranstaltungen. In teuren Hotels halten „Meinungsbildner“ vor mehreren hundert Ärzten Referate, die oft von den Firmen vorgegeben sind. Offiziell sollen diese Referate der Fortbildung der Ärzte dienen. In den Marketingplänen liest sich dies anders: „Überzeugen, dass das betreffende Arzneimittel das Beste ist; die Anzahl der behandelten Patienten erhöhen; die Ärzte bearbeiten, an Phase-IV-Studien teilzunehmen.“
3 % der Ausgaben im Marketingbereich waren Honorare für „Meinungsbildner“. Glaeske: „Man kann nicht davon ausgehen, dass man von einem von einer Firma bezahlten Referenten objektive Informationen bekommt.“
Das übrige Geld wurde ausgegeben für Werbepost und Anzeigen, Werbegeschenke, Broschüren, Sonderdrucke, weitere Musterpräparate, Publikumsreklame, Internetpräsentationen und Marktuntersuchungen.
Die niederländische Gesundheitsministerin Elke Borst-Eilers hält dieses Pharma-Marketing für problematisch und will den holländischen Ärzten jetzt per Gesetz vorschreiben, wo kleine Geschenke aufhören und Vorteilsnahme beginnt. (hps)

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 12/ 2001

S. 50