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Der
sportlich aktive Hochdruckpatient
Hans-Georg Predel
Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie stellen aus sportmedizinischer
Sicht eine besondere Herausforderung dar. So stehen die Begriffe Hochdruck
und Sport in einem komplexen Spannungsfeld zueinander. Einerseits
wird körperliche Aktivität als grundlegendes therapeutisches
Prinzip der Hypertonie und deren Folgeerkrankungen empfohlen. Andererseits
ist nicht jede Form bzw. Intensität körperlicher/sportlicher
Aktivitäten mit der und ihrer medikamentösen Therapie vereinbar,
was sowohl in der sportmedizinischen Forschung als auch Praxis eine Reihe
von Fragen aufwirft, die im Zuge dieser knappen Übersicht behandelt
werden sollen.
Bedeutung des hohen
Blutdruckes - epidemiologische Aspekte
Definitionsgemäß
spricht man von einer arteriellen Hypertonie, wenn der Druck im arteriellen
System 140/90 mmHg übersteigt. Diese Grenzwerte stellen jedoch den
oberen Rand der Toleranzgrenzen dar, der optimale Blutdruck liegt nach
der aktuellen Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 120/80
mmHg. Das epidemiologische Datenmaterial belegt den hohen Verbreitungsgrad
der Hypertonie in den modernen Industrienationen mit ca. 12 - 15 Mio.
Hochdruckkranken allein in Deutschland. Sie zählt zu den gravierendsten
kardiovaskulären Risikofaktoren, die die Entwicklung erheblicher
Folgeschäden für Herz, Gehirn und Nieren begünstigt und
auf diese Weise zu einer signifikanten Übersterblichkeit sowohl bei
Männern als auch Frauen führt. Darüber hinaus ist ein erhöhter
Blutdruck häufig assoziiert mit Übergewicht und Störungen
des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels - begrifflich als so genanntes
metabolisches Syndrom zusammengefasst. In dieser Kombination
ist das kardiovaskuläre Risiko exponenziell erhöht.
Hinsichtlich der Effizienz der therapeutischen Maßnahmen besteht
ein erheblicher Handlungsbedarf. So zeigen Untersuchungen, dass nur ca.
jeder 5. Hochdruckpatient adäquat, im Sinne einer langfristigen Blutdrucknormalisierung,
behandelt ist. Um dieser unbefriedigenden Situation begegnen zu können,
ist die bestmögliche Ausschöpfung der nicht-medikamentösen
wie der medikamentösen Therapieoptionen erforderlich. Dabei sollten
diese beiden Säulen der Therapie keineswegs als konkurrierende Therapieformen
im Sinne eines entweder oder, sondern als sinnvolle, sich
gegenseitig ergänzende Behandlungskombination aufgefasst werden.
Körperliche
Aktivität als Therapieprinzip der Hypertonie
Ausdauerorientierte körperliche Aktivität hat sich im Zuge der
aktualisierten Therapieempfehlungen der verschiedenen nationalen und internationalen
Hypertoniegesellschaften sowie der WHO zu einem wesentlichen Therapieprinzip
der arteriellen Hypertonie etabliert. Die Umsetzung dieser Empfehlungen
in der täglichen Praxis ist jedoch noch immer unzureichend. Die Ursachenanalyse
zeigt, dass neben einem Informationsdefizit hinsichtlich der Auswahl,
Dosierung und Intensitätssteuerung geeigneter Sportarten Zweifel
an der Effektivität und Durchführbarkeit die wesentlichen Hinderungsgründe
sowohl auf Seiten der betroffenen Patienten als auch der behandelnden
Ärzte darstellen. Körperliche Aktivität in geeigneter Form,
Intensität und Häufigkeit vermittelt eine Reihe kardiopulmonaler,
metabolischer und neurohumoraler Effekte, die im Zusammenwirken eine signifikante
Blutdrucksenkung vermitteln können (Tab. 1).
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Tab. 1: Kardiopulmonale,
metabolische und neurohumorale Effekte bei körperlicher Aktivität.
- Reduktion
des peripheren Widerstandes
- Verbesserung
einer endothelialen Dysfunktion
- Steigerung
der Insulinsensitivität des arbeitenden Skelettmuskels
- Verschiebung
der vegetativen Balance zugunsten des parasympathischen Tonus
- Modulation
der Barorezeptoren-Sensitivität mit Absenkung des Sollwertes
- Antithrombogene
Effekte
- Kochsalzverluste
durch Schweißbildung
- Negative
Kalorienbilanz
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Nach einer Analyse
der bisher durchgeführten kontrollierten Studien liegt das antihypertensive
Potenzial von strukturierten körperlichen Aktivitätsprogrammen
bei 7 - 9 mmHg systolisch und 5 - 7 mmHg diastolisch. Diese Trainingsprogramme
basierten in der Regel auf dynamischen Bewegungsformen wie Gehen, Joggen
oder Fahrradfahren und umfassten 2 - 3 Stunden pro Woche. In den meisten
Studien war der antihypertensive Effekt nach ca. 10-wöchigem Training
erreicht. Die Drucksenkung war umso ausgeprägter, je höher die
Blutdruckausgangslage war, wobei keine signifikanten Geschlechts- oder
Altersunterschiede erkennbar waren. Allerdings wurden vorwiegend Männer
mittleren Alters untersucht. In einigen Untersuchungen bei Frauen in der
Menopause mit begleitenden Fettstoffwechselstörungen ließ sich
der o. g. blutdrucksenkende Effekt körperlicher Aktivitäten
jedoch in vollem Umfang bestätigen.
Ärztliche
Diagnostik des körperlich aktiven Hochdruckpatienten
Eine sorgfältige ärztliche Diagnostik des körperlich/sportlich
aktiven Hochdruckpatienten ist im Hinblick auf eine optimale Bewegungs-
und Pharmakotherapie bei gleichzeitiger Minimierung der Risiken unverzichtbar.
Das diagnostische Vorgehen richtet sich nach 4 Fragekomplexen:
- Klassifikation
der arteriellen Hypertonie mit Ausschluss einer sekundären Hypertonie
nach den Richtlinien zur Basisdiagnostik des Hochdrucks
der Deutschen Hochdruckliga.
- Identifikation
relevanter Begleitkrankheiten des Patienten mit Hochdruck.
- Evaluation des
individuellen körperlichen Aktivitäts- und Sportprofils.
- Feststellung der
individuellen körperlichen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit.
Zur
praktischen Umsetzung empfehlen wir folgendes Prozedere:
- Anamnese
- Körperliche
Untersuchung
- Laboruntersuchungen
- Ruhe-EKG
- Echokardiographie
- Belastungsuntersuchung
mit EKG-Ableitung, Puls- und Blutdruckmessung sowie Laktatbestimmung
Die Ergometrie, inklusive
der EKG- und Blutdruckregistrierung, stellt beim Sport treibenden Hypertoniker
eine unverzichtbare Basisuntersuchung dar. Daher werden nachfolgend einige
Empfehlungen zur praktischen Durchführung gegeben:
Praktische Durchführung
der Ergometrie
Empfohlene
Testschemata für die Durchführung der Ergometrie (stufenförmige
fahrradergometrische Tests im Sitzen mit möglichst hoher Ausbelastung):
Weltgesundheitsorganisation (WHO)-Schema:
- Eingangsstufe:
25 oder 50 W
- Steigerung: 25
W alle 2 min.
Bundesausschuss für Leistungssport(BAL)-Schema:
- Eingangsstufe:
50 oder 100 W
- Steigung: 50 W
alle 3 - 5 min.
Bewertung des Blutdruckverhaltens
unter Fahrradergometrie
Der Anstieg des Blutdrucks bei körperlicher Aktivität hängt
unter physiologischen Bedingungen von der jeweiligen Belastungsform, Belastungsintensität
sowie vom Alter ab. Bei statisch geprägten Belastungen kommt es parallel
zu der ausgeübten Kraft zu einem erheblichen systolischen und diastolischen
Blutdruckanstieg. Im Gegensatz dazu führen dynamische Belastungen,
wie etwa das Laufen, zu einem mäßigen linearen Anstieg des
systolischen Blutdrucks, während der diastolische Blutdruck unverändert
bleibt bzw. nur mäßig ansteigt. Die Fahrrad-
ergometrie im Sitzen ist eine vorwiegend dynamische Belastungsform, enthält
jedoch auch statische Anteile. Aus diesem Grund kommt es bei der indirekten
Messung nach Riva-Rocci zu einem linear ansteigenden systolischen bzw.
einem gleichbleibenden oder sogar leicht abfal- lenden diastolischen Blutdruck.
Aus diesem Grund empfehlen wir zur Interpretation des Blutdruckverhaltens
lediglich den systolischen Blutdruck heranzuziehen. Die arterielle Hypertonie
ist dadurch gekennzeichnet, dass der physiologische Blutdruckanstieg unter
Belastung überschießend verläuft. Die individuelle Beurteilung
des Blutdruckverhaltens während einer Fahrradergometrie sollte unter
Zuhilfenahme entsprechender alterskorrigierter Nomogramme erfolgen.
Eine Faustformel besagt, dass der systolische Blutdruck bei einer Belastung
von 100 Watt 200 mmHg nicht übersteigen sollte.
Gesundheitsorientierte
Trainingsprogramme für Hochdruckpatienten
Während bei schwerer, therapierefraktärer Hypertonie und/oder
bereits vorliegenden Sekundärkomplikationen für die Erarbeitung
eines bewegungstherapeutischen Programms ein sportmedizinisch erfahrener
Spezialist zu Rate gezogen werden sollte, kann das Trainingsprogramm bei
Patienten mit milder bis mittelschwerer Hypertonie ohne gravierende Sekundärkomplikationen
durchaus in der allgemeinmedizinischen Praxis konzipiert und gesteuert
werden. Dies gilt auch für eine Belastungshypertonie bei normalen
Ruheblutdruckwerten.
Geeignete
Sportarten, Dosierung und Intensitätssteuerung
Die Auswahl einer geeigneten Sportart für den Hochdruckpatienten
muss individuell erfolgen. Wichtige Auswahlkriterien sind Motivation,
Vorerfahrung, sozio-ökonomisches Umfeld und nicht zuletzt die physischen
und psychischen Voraussetzungen für die Durchführung einer bestimmten
Sportart. Ausschlaggebend für den Erfolg ist zum einen die Intensität
der Belastung und zum anderen die ausreichend lange Dauer der jeweiligen
Bewegungs- bzw. Sporteinheiten. Hinsichtlich der Intensität sollte
der aerob-an-aerobe Schwellenbereich nicht überschritten werden.
Dem entspricht als Faustregel eine Herzfrequenz von 180 minus Lebensalter
bzw. die Empfehlung, während der körperlichen Aktivität
in der Lage zu sein, noch ohne Anstrengung sprechen zu können, d.
h., der Patient sollte laufen, ohne zu schnaufen. Ein unter
Alltagsbedingungen realisierbares, bewegungstherapeutisches Programm sollte
zwei- bis dreimal pro Woche mit einer Dauer von 40 - 60 min. erfolgen,
wobei vor allem dynamische Muskelarbeit im aeroben Intensitätsbereich
geleistet werden sollte, um die metabolischen Effekte, insbesondere die
Induktion der Lipolyse, in nennenswertem Umfang auszuschöpfen. Gerade
der Lipolyse kommt aus gesundheitssportlicher Sicht eine große Bedeutung
zu. Als Sportarten kommen dafür Joggen, Fahrradfahren, Schwimmen
etc. bzw. Mannschaftsspiele mit geringer körperlicher Belastungsintensität
in Frage.
Einen Überblick über die Eignung verschiedener Sportarten für
den Hochdruckkranken gibt Tab. 2.
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Tab. 2: Eignung
verschiedener Sportarten bei Hypertonie.
Gut geeignet:
- Ausdauersportarten
mit geringem bis mittlerem Krafteinsatz (Radfahren, Laufen, Inline-Skating,
Skilanglauf etc.)
- Mannschaftsspiele
mit vergleichsweise geringer körperlicher Belastungsintensität
(Volleyball etc.)
Bedingt geeignet,
abhängig von der Schwere der Hypertonie und von der sportlichen
Vorerfahrung:
- Einzelrückschlagspiele
mit geringer bis mittlerer Belastungsintensität (Tischtennis,
Tennis etc.)
- Mannschaftsspiele
mit mittlerer Belastungsintensität (Fußball, Handball
etc.)
- Schwimmen,
Rudern etc.
Ungeeignet:
- überwiegend
statische Belastungsformen
(z. B. Bodybuilding, Gewichtheben etc.)
- Einzelsportarten
und Einzelspiele mit hoher Belastungsintensität (Leichtathletik,
Badminton, Squash,
- ampfsportarten
etc.)
- Mannschaftspiele
mit hoher Belastungsintensität (Eishockey, Basketball etc.)
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Darüber hinaus
sollten gezielt Belastungsreize im täglichen Ablauf gesucht werden,
z. B. Treppensteigen. Auf diese Weise lässt sich ein optimaler Energieverbrauch
von 2 000 - 2 500 kcal pro Woche erzielen. Der Patient muss allerdings
wissen, dass sich das subjektive Befinden in den ersten Wochen des Trainingsprogramms
in der Regel zunächst verschlechtert, bevor sich dann eine deutliche
Steigerung der Lebensqualität einstellt. Grund für den Abbruch
des neu begonnenen körperlichen Trainings können orthopädische
Probleme im Bereich der unteren Extremitäten, insbesondere beim Gehen
und Laufen, sein. Geeignetes Schuhwerk und Meidung asphaltierter Bodenbeläge
können dem entgegenwirken. Bei ausgeprägter Adipositas oder
Erkrankung des muskuloskelettalen Systems sind primär Sportarten
wie Radfahren oder Schwimmen geeignet.
Antihypertensive
Pharmakotherapie des körperlich aktiven Hochdruckpatienten
Um eine adäquate Blutdrucknormalisierung entsprechend der aktuellen
Therapierichtlinien zu erzielen, ist meist eine zusätzliche medikamentöse
antihypertensive Therapie erforderlich. Von wesentlicher Bedeutung ist
dann die Kompatibilität der Pharmakotherapie mit den körperlichen/sportlichen
Aktivitäten. Das antihypertensive Pharmakon sollte daher folgende
Kriterien erfüllen:
- Effektive Kontrolle
des Ruheblutdruckes sowie des belastungsinduzierten Blutdruckanstiegs.
- Keine negative
Beeinflussung der durch die Bewegungstherapie erzielbaren günstigen
metabolischen Effekte.
- Keine Beeinträchtigung
der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie der subjektiven
Leistungsbereitschaft.
- Keine Beeinträchtigung
der Lebensqualität.
Grundsätzlich
können auch bei körperlich/ sportlich aktiven Hochdruckpatienten
alle von der WHO und der Deutschen Hochdruckliga empfohlenen Erstwahlpräparate
gegeben werden. Dennoch gibt es differenzialtherapeutisch relevante Unterschiede.
Im Zuge der letzten Jahre sind am Institut für Kreislaufforschung
und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln im Rahmen eines
systematischen Untersuchungsprogramms (SPORT-H) die wichtigsten Hochdruckmedikamente
hinsichtlich ihrer Eignung für den körperlich aktiven Hochdruckpatienten
untersucht worden. Wir empfehlen, aufgrund dieser Untersuchungen in der
1. Stufe ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Antagonisten oder langwirksame Kalziumantagonis-
ten in Monotherapie zu präferieren. Betablocker sind besonders bei
begleitender koronarer Herzkrankheit oder extremen belastungsinduzierten
Druckanstiegen sinnvoll, haben jedoch den Nachteil, dass sie die körperliche
Leistungsfähigkeit, insbesondere im Ausdauerbereich, beeinträchtigen
(siehe Abbildung). In der 2. Stufe empfehlen wir Zweierkombinationen aus
ACE-Hemmer/AT-1-Rezeptor-Antagonisten und Diuretikum oder ACE-Hemmer und
Kalziumantagonist bzw. Kalziumantagonist und Betablocker.
Bei Beginn des Trainingsprogramms ist die Effektivitätskontrolle
ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Dazu gehören die regelmäßige
Wiederholung der standartisierten Ergometrie und - wenn verfügbar
- 24-h-ABDM (ambulante Blutdruckmessung) unter Alltagsbedingungen.
Forschungsperspektiven
Künftige Untersuchungen werden darauf gerichtet sein, die Effizienz
der bewegungstherapeutischen Verfahren in der Hochdrucktherapie weiter
zu steigern. Zielführend ist hier die weitere Klärung der Mechanismen,
über die körperliche Aktivitäten in die pathophysiologische
Konstellation der arteriellen Hypertonie bzw. des metabolischen Syndroms
günstig eingreifen. Erforderlich ist aber auch eine Optimierung der
Trainingsprogramme sowie die Entwicklung individuell maßgeschneiderter
Programme.
Hieraus ergeben sich eine Reihe interessanter Fragestellungen. So sind
die Auswirkungen verschiedener Trainings- u. Bewegungsprogramme auf die
akute und chronische Blutdruckregulation mittels computergestützter
Blutdruckregistrierung, Dokumentation und Analyse sehr viel präziser
als bisher zu untersuchen. Weiterhin sind die Auswirkungen der Bewegungstherapie
auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel unter Einsatz innovativer Laborverfahren
sehr viel detaillierter als bisher zu klären. Von besonderem Interesse
im Hinblick auf eine Verminderung des Gefahrenpotenzials der Hypertonie
ist die Massezunahme des Herzmuskels, die mit erheblichen Risiken für
den Hochdruckkranken verbunden ist. Die Rolle der körperlichen/sportlichen
Aktivitäten hinsichtlich der Adaption der Herzmuskelmasse ist bis
zum heutigen Tag nur unzureichend geklärt. Die Klärung der o.
g. Forschungsfelder beinhaltet auch die Suche nach möglichen genetischen
Faktoren, die die hämodynamischen und metabolischen Effekte bewegungstherapeutischer
Maßnahmen modulieren können. Der rasche Fortschritt auf dem
Gebiet der molekularbiologischen Methoden eröffnet eine Fülle
neuer Perspektiven.
Fazit
Sportliche/körperliche Aktivitäten in geeigneter Form, Dosierung
und Intensität in Verbindung mit einer Gewichtsnormalisierung sollten
nach Möglichkeiten bei jedem Patienten mit arterieller Hypertonie
die therapeutische Basis darstellen. Die primären Ziele der Bewegungstherapie
liegen, neben einer Blutdrucksenkung, in einer positiven Beeinflussung
der Stoffwechselsituation sowie einer Verhinderung bzw. Verminderung von
Spätschäden der arteriellen Hypertonie. Nicht zu unterschätzen
sind die zusätzlichen psychosozialen Effekte, die in der Regel zu
einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führen. Die
erfolgreiche Umsetzung von bewegungstherapeutischen Programmen bei möglichst
vielen Hochdruckpatienten hängt jedoch von der engen Kooperation
zwischen behandelndem Arzt, Sporttherapeut und Patient ab. Die zunehmende
Akzeptanz der Bewegungstherapie sollte zu einer deutlichen Ausweitung
der Beschäftigungsmöglichkeiten für entsprechend qualifizierte
Sport-/ Bewegungstherapeuten führen.
Ein entscheidender Schlüssel zur weiteren Verbesserung der Effizienz
der Hochdrucktherapie liegt in der individualisierten Verzahnung nichtpharmakologischer
und pharmakologischer Behandlungsstrategien. Durch deren Verknüpfung
lassen sich nicht nur additive - im Idealfall synergistische - antihypertensive
Effekte, sondern auch eine langfristige Verbesserung von Prognose und
Lebensqualität des Hochdruckpatienten erzielen.
Prof. Dr.
Hans-Georg Predel,
geb. 1959 in Wiedenbrügge (bei Hannover) studierte Humanmedizin
in Aachen und Bonn. Nach Studienaufenthalten in Baltimore (USA) sowie
an den Universitätskliniken in Zürich schloss er Studium
und Promotion 1985 ab und erhielt die ärztliche Approbation (Oktober
1985: US-Staatsexamen für Medizin). Von 1985 bis 1990 war er
Wiss. Mitarbeiter an der Medizinischen Universitätsklinik Bonn
(Innere Medizin) und im Anschluss im Rahmen eines Forschungsstipendiums
der DFG an der University of California sowie an der Universitätsklinik
Basel wissenschaftlich tätig. Seit 1992 ist er Oberarzt am Institut
für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule
Köln und Internist des Olympiastützpunktes Köln/Bonn/Leverkusen.
Nach der Facharztprüfung (Innere Medizin) und Habilitation im
Fach Sportmedizin übernahm er im August 2000 die Komm. Leitung
des Instituts. Im April 2001 wurde ihm am gleichen Institut die Professur
für Präventive und rehabilitative Sportmedizin verliehen.
E-Mail predel@hrz.dshs-koeln.de |
Prof.
Dr. Hans-Georg Predel,
Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin.
Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung der Zeitschrift FIT Forschung
- Innovation - Technologie,
dort veröffentlicht in
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 12/ 2001
S. 37 - 42
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