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Schleswig-Holstein
Nach wie vor Impflücken

„Wir haben mit dem Impfen in Deutschland viel erreicht, dennoch gibt es Defizite“, resümiert Prof. Dr. Heinz-Josef Schmitt, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (Berlin) beim Presseworkshop „Prävention durch Impfen“ in Geisenheim. Für eine Impfangst gebe es keine stichhaltige Begründung, versicherte der an der Mainzer Kinderklinik (Stiftung Präventive Pädiatrie) und zuvor an der Uni Kiel tätige Wissenschaftler: „In Deutschland gibt es die weltweit sichersten, am besten geprüften Impfstoffe.“
Die STIKO empfiehlt derzeit, Säuglinge gegen sechs Infektionskrankheiten zu impfen, vorzugsweise mit einem neuen Sechsfachimpfstoff. Die seit kurzem speziell für gefährdete Säuglinge angeratene Pneumokokken-Impfung dürfte nach Vorliegen weiterer Studiendaten voraussichtlich bald für alle Säuglinge empfohlen werden.
Künftig sollten von der mikrobiologischen Seite noch bestehende Lücken mit neu zu entwickelnden Vakzinen (viel versprechende DNA-Impfstoffe) geschlossen werden, berichtete Dr.
Stefan Zimmermann (Uni Marburg).
Buchhinweis:
(Lesenswertes Standardwerk, jetzt erstmals in deutscher Sprache erschienen)
Leon Gordis, Epidemiologie, 365 S., Verlag im Kilian, Marburg 2001, 69 DM

Das Ausmaß der Impflücken in der Bevölkerung untermauerte Dr. Manfred Wildner (München) epidemiologisch: „In Deutschland fehlen bislang die letzten 10 - 15 % an Impfraten, um die Eradikation der Erreger, etwa von Masern, zu erreichen.“ Dazu müssten rund 90 % geimpft werden - das sei weder bei Kindern noch bei Erwachsenen der Fall. Daher forderte die hessische Seuchenreferentin, Dr. Angela Wirtz, weitere Anstrengungen aller Beteiligten, darunter ausdrücklich auch eine angemessene Honorierung der ärztlichen Impfleistungen, insbesondere bei Mehrfachimpfungen.
Um die Schließung von Wissenslücken ging es dann am 10. November in Bad Segeberg bei einer gut besuchten Fortbildungstagung der Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Zusammenarbeit mit der KVSH („Impfungen in der Praxis“). Es referierten Prof. Dr. Dr. Dr. Müller-Ruchholtz (ehemaliger Direktor des Immunologischen Instituts der Uni Kiel, Tagungsleiter), Dr. Hümmelink (Pinneberg), Prof. Stück (Berlin), Dr. Hallauer (ehemals Uni Kiel, nun Charité), Dr. Karsch (Bernhard-Nocht-Institut, Hamburg), Frau Karpen (KVSH) und Dr. Denker (Bad Segeberg). Am Ende stand die Zuversicht, dass die Teilnehmer (darunter viele Allgemeinärzte) den bekannt guten impfmedizinischen Informationsstand vieler Pädiater erreicht hatten. (hk)

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 12/ 2001

S. 30