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Schleswig-Holstein
Qualitätsmanagement-Modell
Zahnärzte vorn


Auch im Norden lassen sich immer mehr Arzt- und Zahnarztpraxen für teures Geld zertifizieren. Die Zahnärztekammer Schleswig-Holstein hat darauf reagiert und zusammen mit einem privaten Anbieter ein eigenes Qualitätsmanagement-Modell aus der Taufe gehoben. Vorteil für die Praxen: Jeder Teilnehmer kann selbst entscheiden, ob und wie weit er in das Qualitätsmanagement (QM) einsteigt. Erste Ergebnisse aus einer Pilotphase zeigen, dass diese Flexibilität das große Plus des Modells ist.
„Die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter hat sich deutlich erhöht“, berichtete Zahnarzt Helge Mick aus Eutin auf der Kammerversammlung der Zahnärztekammer am 17. November in Kiel. Mick hat eine der fünf Praxen, die am QM-Pilotprojekt teilnahmen. „Durch das QM-Projekt hat der Organisationsgrad unserer Praxis erheblich zugenommen“, bilanzierte Jan-Detlef Romeike aus einer großen Rendsburger Gemeinschaftspraxis. „Wir haben den Kopf heute wesentlich freier für Behandlungen.
Helge Mick, Zahnarzt aus Eutin (Fotos: di)
Das ist ein Gewinn, der sich anfangs nicht monetär quantifizieren lässt“, berichtete Dr. Michael Piert aus Flintbek. Die drei Vertreter aus den Pilotpraxen waren sich einig: Trotz des hohen Aufwands hat sich die Teilnahme am Pilotprojekt gelohnt. Von der Vorarbeit der Pilotpraxen können die anderen Zahnärzte im Land nun profitieren. In Schulungen mit Praxisinhabern und Mitarbeiterinnen, so genannten Qualitätsmanagement-Beauftragten, wurde u. a. ein QM-Handbuch erstellt, das im weiteren QM-Projekt nun als Arbeitsgrundlage dient. Die Umsetzung wird in jeder Praxis mit neuen Schwerpunkten erfolgen. Bei den Romeikes etwa wurde ein Patientenfragebogen entworfen. Ziel ist, die Patienten so gut kennen zu lernen, dass genau auf ihre Bedürfnisse eingegangen werden kann. In der Praxis von Helge Mick war die mangelnde Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen eine entscheidende Schwachstelle, an der im Rahmen des QM-Projektes gearbeitet wurde. Heute ist eine wertvolle Mitarbeiterin Micks, die eigentlich schon kündigen wollte, wieder mit vollem Einsatz dabei und froh, ihrem Chef die Treue gehalten zu haben. Während Mick nun auch eine Zertifizierung seiner Praxis anstrebt, steht die Flintbeker Praxis von Dr. Michael Piert und seinem Kollegen Florian Stephenson einer Zertifizierung eher skeptisch gegenüber. „Wir wissen nicht, ob das sinnvoll ist.“
Jan-Detlef Romeike (li.), Hinrich Peter Romeike und ihre Qualitätsmanagement-Beauftragte Thomea Wagener
Schließlich komme auf die Patienten eine Flut unterschiedlicher Zertifikate zu, so dass der Nutzen des QM in ihren Augen mehr in der internen Verbesserung liegt.
Ob eine Praxis teilnimmt, sich nur für das interne Qualitätsmanagement entscheidet oder gar eine externe Zertifizierung anstrebt, ist in dem Modell der Zahnärztekammer jeder Praxis selbst überlassen. Durch die gemeinsame Entwicklung des QM-Modells mit der privaten Firma bleiben die Rechte für die Vermarktung unter Schleswig-Holsteins Zahnarztpraxen bei der Kammer. Die Praxen erhalten auf diese Weise die Möglichkeit zu einem kostengünstigen Einstieg ins QM. Die Rechte für die Vermarktung außerhalb des Landes liegen bei der Firma, die als Gegenzug die Entwicklung des Modells zu einem günstigen Preis anbieten konnte.

Dr. Michael Brandt, im Vorstand der Zahnärztekammer für das QM-Projekt verantwortlich, zog in der Versammlung ein positives Fazit über die Pilotphase. Zugleich machte Brandt deutlich, dass das Qualitätsmanagement von den teilnehmenden Praxen viel Aufwand erfordert. Die meiste Arbeit wartet dabei auf die Qualitätsmanagementbeauftragten - meist die erfahrenste Mitarbeiterin der Praxis. Die Entwicklung eines eigenen Modells hat sich aus Sicht Brandts auf jeden Fall bezahlt gemacht, weil eine 1:1 Übernahme von Modellen aus der Industrie den Praxen deutlich weniger Fortschritte gebracht hätte. (di)

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 12/ 2001

S. 26 / 27