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Schleswig-Holstein

Wandel im Gesundheitssystem
Ökonomie durch Synergie?


Medizinische und kaufmännische Leistungen in den Krankenhäusern lassen sich immer schwerer voneinander trennen. Nach Einführung der Diagnosis Related Groups (DRGs) in deutschen Kliniken wird von Ärzten wohl noch mehr kaufmännisches Denken gefordert sein als zurzeit. Für Mitglieder der Deutschen Gesellschaft der Ärzte im Krankenhausmanagement e. V. (DGÄK) ist dies bereits eine Selbstverständlichkeit. Am 10. November trafen sich die Mitglieder der vor einem Jahr gegründeten Gesellschaft zu ihrem ersten Jahreskongress im Lübecker Drägerwerk.
„Es geht dieser Gesellschaft darum, zu zeigen, dass der Konflikt zwischen medizinischem Handeln und ökonomischen Zwängen in vielen Bereichen nur ein scheinbarer ist“, erläuterte Tagungspräsidentin Dr. Annette Singewald zum Auftakt der Tagung mit dem Titel „Wandel im Gesundheitssystem“. Sie hält es für möglich, dass Mediziner Synergie-Effekte zwischen Ökonomie und Medizin nutzen, ohne dabei den ärztlichen Auftrag zu vernachlässigen. Singewald ist eine von zum Tagungszeitpunkt 31 Ärzten in der DGÄK. Die Gesellschaft versteht sich als Diskussionsforum mit folgenden Zielen:

Dr. Andrea Grebe
(Fotos: di)
Andreas Steenbock
Dr. Annette Singewald
  • Wissenschaftliche und fachliche Themen im Krankenhausmanagement zu fördern.
  • Wissenschaftliche Grundlagen für die bestmögliche prozessorientierte ärztliche Versorgung der Bevölkerung zu erarbeiten.
  • Auf nationalen und internationalen Tagungen den Erfahrungsaustausch zu ermöglichen.
  • Krankenhausmanagement als eigenständiges Fachgebiet der Humanmedizin in Forschung und Lehre weiterzuentwickeln.
  • Leitlinien zu erarbeiten.
  • Stellung nehmen zur ambulanten und stationären Versorgung der Bevölkerung Deutschlands.
  • Bundes- und Landesbehörden auf dem Gebiet Krankenhausmanagement zu beraten.
  • Die Öffentlichkeit über Veränderungen im Gesundheitssystem zu informieren.

Die Vorträge auf dem Jahreskongress machten deutlich, dass von den Klinikverantwortlichen künftig vor allem eines erwartet wird: Kooperationsfähigkeit. Klinikarzt Dr. Dietmar Stephan aus Siegen etwa sieht Zusammenarbeit nicht nur innerhalb einzelner Kliniken als Muss. Für ihn steht fest, dass Kliniken, die in einem überregionalen Verbund eng kooperieren und Leistungsschwerpunkte absprechen, Erfolg haben werden.
Auch Medizinerin Dr. Andrea Grebe vom Berliner Klinikkonzern Vivantes hält Kooperation für einen wichtigen Erfolgsfaktor, neben medizinischer Qualität, Wirtschaftlichkeit und gründlichen Marktanalysen. Nach Meinung Grebes könnte die Bereitschaft der Kliniken, über Fusionen oder Betreibermodelle nachzudenken, die Überlebenschance der Häuser deutlich erhöhen. Denn für sie steht fest, dass der Konkurrenzdruck wächst und Einzelkämpfer es schwer haben werden: „Die Chancen auf Marktaustritt steigen.“
Betriebswirt Andreas Steenbock warnte die Klinikärzte auf dem Forum, Fehler ihrer niederge-
lassenen Kollegen bei deren Kooperationsbemühungen in den Praxisnetzen zu wiederholen. Ohne professionelle Entscheidungsstrukturen, so die Beobachtung des Ökonomen aus einer Hamburger Consultingfirma, seien Kooperationen schnell zum Scheitern verurteilt. Die bisherigen Erfahrungen mit Kooperationen im Gesundheitswesen hält Steenbock für „ernüchternd“. Verantwortlich für die von ihm beobachtete Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit seien nicht immer die Akteure selbst, sondern häufig auch Krankenkassen oder Gesetzgeber. Neben einem einheitlichen Management rät Steenbock den Kliniken vor allem zur Einweiserpflege - nach Auffassung Steenbocks noch immer eine Schwachstelle in vielen Kliniken. „Viele Krankenhäuser kommen über ein Sommerfest mit den Einweisern nicht hinaus.“ In anderen Häusern verlasse man sich noch immer darauf, dass die persönlichen Kontakte zwischen den niedergelassenen und angestellten Ärzten für die Einweisung ausreichten. Bei zunehmender Konkurrenz unter den Krankenhäusern hält Steenbock dies nicht mehr für zeitgemäß. (di)

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 12/ 2001

S. 25 / 26