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Noch
viel Arbeit mit DRGs
Dirk Schnack
Höhere Transparenz, bessere Qualität und mehr Effektivität
sollen die Diagnosis Related Groups (DRGs) für den stationären
Sektor in Deutschland bringen. In Schleswig-Holstein will die Hälfte
aller Krankenhäuser schon 2003 freiwillig auf das neue Fallpauschalensystem
umsteigen. Ein Forum der Techniker Krankenkasse (TK) und der Krankenhausgesellschaft
(KGSH) am 12. November in Kiel zeigte allerdings, dass den Kliniken bis
dahin noch viel Arbeit ins Haus steht.
Die Veranstalter hatten mit ihrem Thema offensichtlich genau ins Schwarze
getroffen: Für G-DRGs - Folgen für Patienten, Kliniken
und Versorgungsstrukturen in Schleswig-Holstein interessierten sich
rund 250 Zuhörer in Kiel. Wohl auch, weil hier erstmals über
die Erfahrungen aus den vorgeschalteten Pretests zur Kalkulation deutscher
Relativgewichte in bundesweit 27 Kliniken berichtet wurde. Drei schleswig-holsteinische
Krankenhäuser hatten an den Pretests teilgenommen. Was sie zu berichten
hatten, klang wenig ermutigend.
Frustriert von den Erfahrungen im Pretest zeigte sich Harald Stender.
Der Verwaltungschef des Westküstenklinikums Heide kündigte die
weitere Mitarbeit an den Pretests auf. Wir steigen aus, erklärte
Stender. Grund ist die mangelnde Unterstützung für seine Klinik.
Weder Krankenkassen noch Industrie hatten Entgegenkommen gezeigt, wohl
aber Interesse an den gesammelten Erfahrungen. Mit den Kosten aber wurde
das Krankenhaus allein gelassen. Immerhin sechs Ärzte und einen Medizincontroller
hatte das Westküstenklinikum zusätzlich eingestellt, um sich
auf die DRGs vorzubereiten. Das wird auch weiterhin passieren - an den
dabei gesammelten Erkenntnissen aber will Stender Kassen und Industrie
nicht länger unentgeltlich partizipieren lassen.
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| Harald Stender,
Verwaltungschef Westküstenklinikum |
Auch das Lubinus Clinicum
in Kiel ist von der fehlenden Unterstützung für die Kliniken
im Pretest enttäuscht. Verwaltungsleiter Manfred Schmid unterstützte
Stender in seiner Kritik: Die mangelnde Unterstützung sei angesichts
des hohen Aufwandes der Krankenhäuser kaum verständlich. Wie
wertvoll die Arbeit der Häuser im Pretest für alle Beteiligten
ist, zeigte die lange Mängelliste, die Schmid aus den Erfahrungen
seiner Klinik für die Kalkulation vorlegte:
- Die vorgesehene
Ausgliederung ambulanter Leistungen führt dazu, dass Häuser
mit hohen ambulanten Anteilen nicht refinanzierbare Kosten ausgliedern
müssen - nach Auffassung Schmids ein klares Versagen
der Vertragsparteien auf Bundesebene.
- Fehlende Leistungsbeschreibungen
bzw. fehlende Qualitätsvorgaben machen Leistungsvergleiche fast
unmöglich.
- Das Kalkulationshandbuch
wies u. a. bezüglich Vorgehen, Aufbau, Fallbeispielen erhebliche
Mängel auf, auch Rechenfehler.
- Das Handbuch lässt
unterschiedliche Kalkulationsverfahren zu, was u. a. zu erheblichen
Verzerrungen bzgl. der Ergebnisse (Gewichte) führen dürfte.
- Auch die unterschiedlichen
Strukturen der teilnehmenden Häuser verzerren: In Kliniken mit
ausschließlich eigener Leistungserstellung fließen keine
investiven Bestandteile ein, in Kliniken mit vielen outgesourcten Bereichen
dagegen sind investive Anteile enthalten.
Schmids Resumee: Die
Mängel sind noch so gravierend, dass bestenfalls vorläufige
Gewichte festgelegt und die budgetneutrale Phase verlängert werden
sollte. In den Folgejahren könnten die Gewichte dann dem realistischen
Leistungs- und Kostengeschehen in den Krankenhäusern angepasst werden.
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| Prof. Günter
Neubauer, München |
Es gab in Kiel aber
nicht nur Negatives über die Teilnahme am Pretest zu berichten. Dr.
Caroline Hinck-Kneip, Medizincontrollerin am Kieler Universitätsklinikum,
stellte fest: Durch unsere Teilnahme am Pretest wurden interne Schwachstellen
aufgezeigt. Die Kieler Uni hatte sich mit ihren Kliniken für
Kardiologie sowie für Herz- und Gefäßchirurgie als dritte
Einrichtung aus Schleswig-Holstein am Pretest beteiligt. Eine der begleitenden
wissenschaftlichen Einrichtungen war die Gesellschaft für
Systemberatung im Gesundheitswesen (GSbG). Dr. Christian Rotering von
der GSbG fasste die Ergebnisse zusammen:
Von den 27 teilnehmenden Krankenhäusern unterschiedlichster Größe,
Versorgungsstufe und Lage konnten 26 Datensätze liefern. Dabei gab
es große Unterschiede in der Datenqualität und Probleme im
Bereich der internen Schnittstellen zu den Herstellern von Krankenhaus-Informations-Systemen.
Die Kliniken hätten zum Teil erheblichen Aufwand bei Organisation
und Durchführung der Kalkulation auf sich nehmen müssen, meist
aber auch einen hohen internen Nutzen daraus gezogen, gab Rotering zu
bedenken.
Neben den Pretests standen mögliche Auswirkungen der DRGs auf der
Tagesordnung. Deutlich wurde, dass einige Hoffnungen mit deren Einführung
verbunden sind. Prof. Günter Neubauer vom Münchener Institut
für Gesundheitsökonomik etwa sieht in den DRGs die Grundlage
für mehr Mitwirkung der Patienten und Versicherten bei der Beurteilung
des Preis-Leistungsverhältnisses einzelner Krankenhäuser. Olaf
Bornemeier vom Landesbetrieb Krankenhäuser (LBK) Hamburg, wo schon
seit 1997 mit DRGs gearbeitet wird, nannte höhere Transparenz, adäquate
Darstellung medizinischer Leistungen und die Ablösung der Budgets
als Vorteile der DRGs. Dr. Johann Brunkhorst, TK-Leiter in Schleswig-Holstein,
erwartet mehr Effektivität und Qualität in den Kliniken als
Folge der DRGs.
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| 250 interessierte
Zuhörer hatten sich in Kiel zur Veranstaltung eingefunden (Fotos:
di)) |
Zugleich wurde aber
auch vor übertriebenen Hoffnungen gewarnt. Brunkhorst beispielsweise
glaubt nicht, dass die DRGs zu Kostenentlastungen für das Gesundheitswesen
führen werden. Neubauer zeigte anhand der Erfahrungen anderer Länder,
dass medizinischer Fortschritt und die zunehmende Alterung der Bevölkerung
durch DRGs nicht weniger kostentreibend wirken. KGSH-Geschäftsführer
Bernd Krämer verwies auf die kostenverlagernden Effekte von DRGs:
Das neue Vergütungssystem macht nicht an der Pforte der Kliniken
Halt. Weil die Verweildauern in den Krankenhäusern sinken,
werden neben den Kliniken auch niedergelassene Ärzte, Rehakliniken
und Pflegedienste betroffen sein.
Dirk
Schnack, Dorfstr. 14 a, 24589 Schülp
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 12/ 2001
S. 23 - 25
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