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Schleswig-Holstein

Gesundheitsförderung im Kindergarten
Erster Gesundheitspreis und vierte Fachtagung in Schleswig-Holstein

Sabine Hoffmann-Steuernagel

Am 16. Oktober 2001 waren zur 4. Fachtagung „Gesundheitsförderung im Kindergarten“ 151 pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus ganz Schleswig-Holstein in der Fortbildungs-
werkstatt der Ärztekammer zu Gast. Eingeladen hatte das Servicebüro Kindergarten der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V.
Ein Höhepunkt des diesjährigen Programmes war die Verleihung des ersten Gesundheitspreises für Kindergärten in Schleswig-Holstein durch den Vorstandsvorsitzenden der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung, Dr. Karl-Werner Ratschko.
Gesundheit ist für viele Kindergärten in Schleswig-Holstein ein wichtiges und alltägliches Thema. Das haben die 18 Bewerbungen um den ersten Gesundheitspreis gezeigt. Kreative und wegweisende Aktivitäten vom Kochen einer Familiensuppe bis zum Tummeln im Wald, von der Bewegungsbaustelle bis zum Weidentippibau oder von Yoga bis zur Gestaltung von Duftbeeten ließen die Entscheidung sehr schwer werden.
Den ersten Preis in Höhe von 500 DM konnte Ingrid Rother für die Kindertageseinrichtung Woltersweg der Landeshauptstadt Kiel entgegennehmen.
In diesem Kindergarten ziehen sich gesundheitsförderliche Aktivitäten aus den verschiedensten Bereichen wie ein roter Faden durch die Tage. Es gibt Koch- und Frühstückstage, Turnen und Rhythmikangebote, regelmäßige Entspannung mit Igelball und Yoga, Bewegungsspiele für Eltern und Kinder sowie die naturnahe Gestaltung des Außengeländes. Einzelne Aktionen und Projekte runden das Angebot ab, z. B. ein Sportfest und Fahrten an den Strand.
Den zweiten Preis in Form einer Bewegungskiste nahm Andrea Reck von der Rasselbande e. V. aus Barmstedt in Empfang. Im Kindergarten Rasselbande stehen die Bereiche Ernährung und Naturerleben besonders im Vordergrund. Gemeinsam mit den Kindern wird das Frühstück eingekauft und zubereitet. Ein Naturspielraum mit Duftbeeten, Feuer- und Wasserstellen wurde angelegt. Waldtage finden einmal wöchentlich statt und jedes Jahr wird der Kindergarten für drei Monate „spielzeugfrei“.
Silke Boehnke von der Kindertagesstätte Waldstraße aus Pinneberg freute sich über den dritten Preis, einen Kinderroller. Schwerpunkt dieses Kindergartens ist das Naturerleben. Ein Naturspielraum wurde gemeinsam mit den Eltern gestaltet. Auch in diesem Kindergarten finden regelmäßig Waldtage und „spielzeugfreie“ Zeiten statt. Einmal wöchentlich können die Kinder reiten.
Darüber hinaus erhielten vier Kindergärten mit interessanten Einzelprojekten als Trostpreis je einen Gutschein für den Besuch einer eintägigen Fortbildungsveranstaltung der Landesvereinigung.
Die Teilnehmerinnen der Tagung konnten sich über die verschiedenen Projekte an einer Ausstellungswand informieren. Auch die Materialien der Landesvereinigung sowie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, welche die Veranstaltung zum dritten Mal unterstützt hat, waren sehr gefragt.

Torsten Heuer bei seinem Referat in der voll besetzten Halle der Fortbildungswerkstatt der Ärztekammer
Ganz wie zu Hause fühlten sich die Kinder der Rasselbande e. V. aus Barmstedt
(Fotos: rat)


Mit dem diesjährigen Einführungsvortrag zum Thema „Hilfen für Zappelfillip und -fillinchen“ sprach Torsten Heuer, Diplom-Sportlehrer aus Bad Malente ein immer größer werdendes Problem im Alltag der Kindergärten an. Er zeigte Möglichkeiten auf, wie die überschüssigen Energien unruhiger Kinder im Kindergartenalltag sinnvoll kanalisiert werden können. Es zeigte sich, dass zu diesem Thema ein großer Informations- und Fortbildungsbedarf besteht, daher wird dies ein Thema des zukünftigen Fortbildungsprogrammes der Landesvereinigung sein.
Nach einer mit Gesprächen und Informationen gefüllten Kaffeepause verteilten sich die Teilnehmerinnen auf die verschiedenen Arbeitsgruppen, welche zum Teil wegen der übergroßen Nachfrage zweimal angeboten wurden.
Da ein Arbeitsgruppenblock am Vormittag und einer nach der Mittagspause angeboten wurde, war die Arbeit an zwei Themen möglich. Besonders gefragt waren wie letztes Jahr die Themen „Konfliktbewältigung“, „Elterngespräche“ und „Aggressionen im Kindergartenalltag“, aber auch die neuen Angebote wie „Sexualpädagogik“ und „kreative Raumgestaltung“ erwiesen sich als Renner. Dem wird im neuen Fortbildungsprogramm der Landesvereinigung Rechnung getragen werden.

Wie die Rückmeldungen nach dieser vierten Fachtagung „Gesundheitsförderung im Kindergarten“ zeigten, fühlten sich die Teilnehmerinnen in den Räumen der Fortbildungswerkstatt sehr wohl und genossen die vielfältigen Informationsangebote sowie den Austausch mit Kolleginnen aus dem ganzen Land. Die positive Resonanz bietet gute Voraussetzungen, dass auch die fünfte Fachtagung, geplant für den 19.11.2002, wieder auf solch eine rege Nachfrage trifft.

Arbeitsgruppen:
  1. Aggressionen im Kindergartenalltag - Was tun?
    Brigitte Koriath, Diplom-Sozialpädagogin, Supervisorin, Familientherapeutin, Warder
  2. Unbeschwerter Essgenuss! Prävention von Essstörungen - bereits im Kindergarten
    Astrid Francke, Diplom-Oecotrophologin, Neumünster
  3. Bewegung und Sprache
    Torsten Heuer, Diplom-Sportlehrer, Bad Malente
  4. Selbstbewusst - gesprächsbereit! Elterngespräche souverän führen
    Dr. Eva Burchardt, Diplom-Psychologin, Kiel
  5. Die Allerweltkinderkiste. Ein Angebot zum interkulturellen Lernen im Kindergarten
    Medi Kuhlemann, Interkulturelle Pädagogik im Kinder- und Jugendschutz, AKJS, Kiel
  6. Kinderunfälle vermeiden!
    Annette Schnoor, Diplom-Sozialpädagogin, Servicebüro Unfallprävention, Kiel
  7. Entdeckungsreisen - Vom Umgang mit Ausdrucksformen kindlicher Sexualität
    Christa Wanzeck-Sielert, Diplom-Pädagogin, Universität Flensburg
  8. Konfliktbewältigung im Kindergarten. Umgang mit schwierigen Kindern oder Eltern
    Rosi Drescher-Borowski, Diplom-Psychologin, Supervisorin, Kiel
  9. ) Räume zum Wohlfühlen! Kreative Raumgestaltung im Kindergarten
    Beate Danneel, Textiles Wohnen, Kiel

Dipl. oec. troph. Sabine Hoffmann-Steuernagel,
Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. in Schleswig-Holstein,
Flämische Str. 6 - 10,
24103 Kiel

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 12/ 2001

S. 20 - 23