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Schleswig-Holstein
St. Franziskus erweitert Strahlentherapiezentrum
Mehr Behandlung dänischer Tumorpatienten in Flensburg


Das St. Franziskus Hospital in Flensburg erweitert sein Strahlentherapiezentrum. Neben deutschen Patienten sollen hier auch verstärkt dänische Tumorpatienten behandelt werden. Der Bedarf im Nachbarland ist groß: Ganze sechs Strahlenzentren gibt es im Königreich, neun dagegen in Schleswig-Holstein. Eine Vereinbarung zwischen dem Krankenhaus und dem Sonderjyllands Amt, die am 26. Oktober in Flensburg unterzeichnet wurde, sieht eine deutliche Ausweitung der dänischen Patientenzahl vor.
Dr. Hans-Jürgen Brodersen verspricht sich vom neuen Strahlenzentrum Vorteile für dänische und deutsche Patienten (Fotos: di)

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Zahlen: Bislang werden im Jahr 648 Patienten, darunter 83 aus Dänemark, im Flensburger Strahlenzentrum behandelt. Mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 8 Mio. DM wird das Zentrum erneuert und erweitert. Ein 20 Jahre altes Gerät wird durch zwei neue Linearbeschleuniger ersetzt. Die Anschaffung des zweiten 1,7 Mio. DM teuren Gerätes wäre ohne die Perspektive, künftig mehr dänische Patienten nach Flensburg zu holen, nicht möglich gewesen. Klinik-Geschäftsführer Klaus Deitmaring schätzt, dass rund 1,4 Mio. DM der Investition durch die Behandlung dänischer Patienten refinanziert werden. Von rund 1 000 Patienten jährlich werden künftig voraussichtlich rund 300 aus dem Nachbarland kommen. Amtsborgmester Carl Holst ist sicher, dass die Patienten aus seiner Region in Flensburg gut aufgehoben sind. „Wir möchten unseren Patienten die bestmögliche Therapie zugänglich machen, ohne dass sie dafür viele Stunden für die Fahrt nach Odense auf sich nehmen müssen“, sagte Holst. Die Menschen aus seiner Region sind deutlich schneller in Flensburg als im Strahlenzentrum in Odense. Möglichen Kritikern der Zusammenarbeit im eigenen Land entgegnete Holst: „Wir exportieren kein Problem, sondern wir importieren eine Lösung.“ Schon die begrenzte Zusammenarbeit während der vergangenen drei Jahre habe gezeigt, dass sich das Modell optimal an den Bedürfnissen der Patienten orientiere.
Carl Holst (li.) und Klaus Deitmaring besiegelten die Kooperation bei der Vertragsunterzeichnung am 26. Oktober in Flensburg

Tatsächlich profitieren beide Seiten von der Kooperation. Denn nur für die deutschen Patienten wäre die Anschaffung des zweiten Linearbeschleunigers nicht zu bezahlen gewesen. Der leitende Oberarzt Dr. Hans-Jürgen Brodersen vom Strahlenzentrum nannte einen weiteren Vorteil: Die Ausfallzeiten für Patienten wegen Wartungsarbeiten entfallen bei dem künftigen Tandembetrieb. Brodersen betonte, dass der zusätzliche Linearbeschleuniger keine Konkurrenz für die übrigen Zentren im Land darstelle: „Das ist mit den anderen Standorten abgesprochen.“
Lob gab es für die Zusammenarbeit auch von Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Heide Moser. Wo eine sinnvolle Zusammenarbeit grenzüberschreitend möglich sei, sollten die Chancen auch genutzt werden. Für ausgeschlossen hält Moser allerdings ein Werben um Patienten in Nachbarländern. Die bislang zwischen Schleswig-Holstein und Skandinavien abgesprochene Zusammenarbeit sei nur möglich, wenn deutsche Patienten keine Nachteile zu erwarten hätten. Vorteile bringt die Kooperation für den deutschen Arbeitsmarkt. Wegen des zu erwartenden Patientenzuwachses in Flensburg wird das St. Franziskus Hospital im kommenden Jahr auch zusätzliches Personal für sein Strahlenzentrum benötigen. Auf einen Dolmetscher wird das Zentrum verzichten können - Brodersen spricht fließend dänisch. (di)

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 12/ 2001

S. 18