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Bad Segeberg

Umweltfreundliches Krankenhaus
Nun schon Tradition


Am 10.10.2001 trafen sich auf Einladung des Koordinierungsausschusses „Das umweltfreundliche Krankenhaus in Schleswig-Holstein“ bei der Ärztekammer Schleswig-Holstein und unter der Schirmherrschaft des Umweltministers Klaus Müller, umweltinteressierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Krankenhäusern Schleswig-Holsteins zur traditionellen Herbsttagung. Sie stand diesmal unter dem Motto „Das Krankenhaus als Umweltbelastung - Einflussmöglichkeiten der Beauftragten“.

Prof. Dr. Otmar Wassermann, im Ruhestand befindlicher Toxikologe der CAU Kiel (Fotos: rat)

Zu den Teilnehmern gehörten auch der frisch gewählte Kammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann sowie Vize-Präsidentin Dr. Hannelore Machnik. Bartmann, als Krankenhausarzt und seit mehreren Jahren als Vorstandsmitglied der Ärztekammer auch im Koordinierungsausschuss vertreten, verwies in seinem Grußwort auf die Notwendigkeit, aber auch die Schwierigkeiten der Umsetzung von Umweltschutz im Krankenhaus. Danach begrüßte der Hauptgeschäftsführer der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Dr. Karl-Werner Ratschko, die Teilnehmer. Er berichtete, dass bei der Zusammenstellung des Programms durch den Ausschuss auch Resignation eine Rolle gespielt hatte: Sie war der Motor, das Thema „Beauftragte und ihre Situation in den Krankenhäusern“ zu bearbeiten - bleibt doch angesichts der vielfältigen Anforderungen in der Klinik für den Umweltschutz häufig genug nur noch wenig Raum.
Im Krankenhaus blühe das Beauftragtenwesen. Ob dies tatsächlich eine Lösung der vielfältigen Aufgaben sei oder vielleicht sogar Teil des Problems, fragte provozierend Norbert Funk, Neumünster. So sei eine Beauftragung zwar gut und schön, aber wenn es gleichzeitig auch an der Verantwortlichkeit und einer entsprechenden Entscheidungsbefugnis fehle, so handele es sich doch um eine fragwürdige Form der Problemlösung. Probleme könne man nicht nur delegieren, sondern man müsse in personeller Verantwortung Lösungen suchen und finden. Ansonsten käme nur noch ein neuer Beauftragter, nämlich der „Deregulierungsbeauftragte“ in Frage.

Norbert Funk, Arzt, Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster

Dass im Umweltbereich im Krankenhaus längst noch nicht alles so gut ist, wie es sein könnte, zeigte der Vortrag von Prof. Dr. Otmar
Wassermann, Kiel, der unter anderem dafür plädierte, dass Umweltschutz einen besseren Platz in der Ausbildung haben müsse. Nur dann könne sich z. B. toxikologisches Wissen im Alltag auch niederschlagen. Damit der Umweltschutz im Krankenhaus funktionieren könne, seien einige Anforderungen zu erfüllen, so z. B. müsse bereits die Krankenhausbetriebsführung umweltorientiert sein, die Entsorgungsabläufe sollten gut durchdacht sein. Essenziell ist auch die kontinuierliche Mitarbeiterschulung und Motivation z. B. auch durch Honorierung realisierbarer Verbesserungsvorschläge von Mitarbeitern. Kommissionen sollten - und da schloss Prof. Wassermann auch an Norbert Funk an - Entscheidungskompetenz besitzen. Und: Man könne viele Probleme nicht einfach dadurch lösen, dass man sie an überlastete Ärzte oder Pflegekräfte delegiere.
Als echter Querdenker zum Thema „Gesunde Ernährung“ erwies sich Lebensmittelchemiker Udo Pollmer, Gemmingen. Er zweifelte grundsätzlich Untersuchungen an, die feststellen wollten, was „gesunde“ Ernährung denn nun wirklich sei. Letztlich ließe sich in retrospektiven Studien alles beweisen, was man wolle. Nach seiner Auffassung könne eine gesunde Ernährung jedoch nur für jedes Individuum und seine individuellen Empfindlichkeiten und Enzymsysteme festgelegt werden. Nur so sei zu erklären, dass der eine Mensch anders auf eine bestimmte Ernährungsform reagiere als der nächste.
Auch die BSE-Diskussion beleuchtete er kritisch: Er warnte davor, dass die scheinbar etablierte These, dass BSE über die Tiermehlverfütterung sich ausgebreitet habe, nicht die ganze Erklärung für die aktuelle Situation sein könne. Zumindest nachzudenken wäre über die Hypothese, dass durch die Herstellung von Hypophysenpräparaten im Veterinärbereich ebenfalls eine Übertragung in nicht unerheblichem Umfang erfolgt sei. Hierüber jedoch, so Pollmer, werde „natürlich“ kaum diskutiert. Auch zum Thema Ökologie und insbesondere ökologischer Landbau kamen von Pollmer kritische Anmerkungen. Bei genauer Betrachtung sei nämlich oft kein Öko drin wo Öko draufstehe,

Udo Pollmer, Lebensmittelchemiker

beispielsweise werde statt mit den klassischen, chemischen Pflanzenschutzmitteln ersatzweise mit Kupfer gespritzt. Das mache zwar einen ökologischen Eindruck, habe aber eine deutlich längere Persistenz im Boden und sei damit möglicherweise in einer Ökobilanz wesentlich kritischer zu bewerten. Ein weiteres Beispiel: Das Ökoschwein brauche, um ebenso schwer zu werden wie ein „Nicht-Ökoschwein“, die doppelte Futtermenge. Hierdurch und durch die längere Mastzeit komme es zu einer erheblichen zusätzlichen Belastung durch Kot und Urin in Luft und Grundwasser. Man solle daher, so Pollmer, nicht unkritisch Ökoargumente glauben, sondern grundsätzlich auch mit sauberen Bilanzen hinterfragen. Nicht immer müssen wirtschaftliche Argumente gleichzeitig unökologische Argumente bedeuten.
Ein Plädoyer für nachhaltiges Wirtschaften auch im Krankenhaus hielt schließlich Martin Marquardt, Referent beim BUND aus Kiel. Er leitete aus den Leitlinien des BUND für ein zukunftsfähiges Deutschland die Vorstellung ab, die an ein zukunftsfähiges Krankenhaus erhoben werden muss. Hier konnten die anwesenden Umweltinteressierten aus den Krankenhäusern sich doch noch einmal bestätigen lassen, dass sie mit den vielen Ansatzpunkten, die bereits in den Krankenhäusern realisiert werden, tatsächlich „gut davor“ sind. Vom Managementbereich über Abfall-, Gebäude- und Gerätetechnik, Wasser und Abwasser, Küche und Außengelände - letztlich kann in allen Bereichen die Auswirkung auf die Umwelt minimiert werden.

Martin Marquardt, Referent beim BUND, Kiel

Als interessantes Projekt stellte Marquardt das Energiekontracting vor, mit dem durch sachkompetente Beratung Einsparungen insbesondere im Stromverbrauch erreicht werden können, wobei die erzielten Einsparungen vorübergehend zwischen Berater und Krankenhaus geteilt werden. (PS: Dieses Themas wird sich der Koordinierungsausschuss auf seiner nächsten Sitzung annehmen.)
Ein Novum auf der Herbsttagung war die Arbeit in den Arbeitsgruppen. Hier trafen sich in einem Arbeitskreis „Umwelt und Hygiene“ mit PD Dr. Christiane Höller unter anderem Hygieneverantwortliche, hygienebeauftragte Ärzte, Hygienefachkräfte, Hygienefachpfleger, Hygienekommissionsmitglieder sowie Desinfektoren und diskutierten vor allem über Konzepte zum Problembereich Desinfektion im Krankenhaus. Als weitere Diskussionspunkte erwiesen sich Abfälle, der Bereich Küche und Wäscherei sowie die Notwendigkeit, entsprechende Maßnahmen auch bei den Mitarbeitern zu schulen.
Im Arbeitskreis „Umwelt und Technik“ mit Rechtsanwalt Matthias Schulz-Kleinfeld trafen sich Med GV-Beauftragte, Med GV-Geräteverantwortliche, Röntgen- und Strahlenschutzverantwortliche, Sicherheits-, Laserschutz-, Brandschutz-, Emissionsschutz-, Störausfallbeauftragte sowie Betriebsärztinnen und Betriebsärzte. Auch hier wurden zu Rechten, Pflichten und zur finanziellen Ausstattung der Beauftragten diskutiert, aber auch über praktische Aspekte wie Brandschutzübungen oder der Einsatz von Chemie bei der Desinfektion.

Einladung

Auch im Jahr 2002 wird der Koordinierungsausschuss „Das umweltfreundliche Krankenhaus in Schleswig-Holstein“ eine Besichtigungsfahrt zu umweltrelevanten Unternehmen durchführen.
Am 13. März geht’s los zur vollautomatischen Sortieranlage SORTEChnology sowie zu den Hermannsdorfer Landwerkstätten.
Die Teilnehmergebühr beträgt incl. Busfahrt, Lunchpaket, Mittagsimbiss und Führung 15 Euro.
Anmeldungen nimmt Caroline Wangari-Dose bei der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bismarckallee 8 - 12, 23795 Bad Segeberg, Tel. 04551/803-308, Fax 04551/803-180,
E-Mail aerztekammer@aeksh.org,
entgegen.

Eine weitere Arbeitsgruppe „Umwelt allgemein“ - hier trafen sich insgesamt 11 unterschiedliche Beauftragte, die nur zum Teil bisher eine gesetzliche Absicherung erfahren haben - unter der Leitung von Hans-Martin Kuhlmann. Dazu gehörten Umweltschutzbeauftragte, Abfallbeauftragte,

Hans-Martin Kuhlmann

Gewässerschutzbeauftragte, Gefahrstoffbeauftragte, EDV-Datenschutz, DRG-Beauftragte, Betriebsräte, Zivildienst-, Ausbildungs-, Gleichstellungsbeauftragte, Qualitätsbeauftragte. Herausgearbeitet wurde noch einmal wie wichtig die „innere“ Zusammenarbeit in den Krankenhäusern ist. Ohne Unterstützung der Leitung oder auch aller Mitarbeiter werden Beauftragte wenig erreichen können. Sinnvoll ist auch der Erfahrungsaustausch mit Beauftragten aus anderen Häusern.
Alle Arbeitsgruppen wurden jeweils von 2 Mitgliedern des Koordinierungsausschusses begleitet. Die im kurzen Abschlussplenum allen Teilnehmern die Arbeitsergebnisse aus der jeweiligen Arbeitsgruppe vorstellten. Hierfür dankte der Koordinierungsausschuss-Vorsitzende Hans-Martin Kuhlmann, Flensburg, den Teams Wittchow/Arnold, Schuler/Schröder sowie Kunze/Kuhlmann. Er dankte aber auch den Teilnehmern, denn viele Themen und viele Aspekte konnten nur deswegen aufgegriffen werden, weil alle Teilnehmer der Herbsttagung sich aktiv beteiligten. Mit der Empfehlung „Seien Sie als Beauftragte gerne unbequem, auch wenn es Geld kostet“, verabschiedete Kuhlmann die Teilnehmer in den wohlverdienten Feierabend.

Dr. Edda Oppermann,
Ärztekammer Schleswig-Holstein,
Bismarckallee 8 - 12,
23795 Bad Segeberg

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 12/ 2001

S. 9 - 11