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Liebe Leserin, lieber Leser,

die ersten 100 Tage des am 12. September gewählten Vorstandes der Ärztekammer Schleswig-Holstein sind mittlerweile fast verstrichen. Da mag es erlaubt sein, eine erste, kleine Bilanz zu ziehen.
Die Neuwahlen zur Kammerversammlung im Juni dieses Jahres haben - wie Sie sich erinnern - einen spürbaren Neuanfang gesetzt. Von den 70 Mitgliedern der Kammerversammlung waren 40 das erste Mal in die Kammerversammlung gewählt worden. Das für die Ärztekammer Schleswig-Holstein beispiellos niedrige Durchschnittsalter von 42 Jahren dürfte sogar bei einem Vergleich mit allen anderen deutschen Ärztekammern rekordverdächtig sein. Dies gilt mit Sicherheit auch für die in die Kammerversammlung gewählten 28 Ärztinnen, die mit 40 % stärker vertreten sind, als es dem Anteil der Ärztinnen in der schleswig-holsteinischen Gesamtärzteschaft (knapp 34 %) entspricht. Der neu gewählte Vorstand konnte bis auf den Präsidenten noch nicht auf Vorstandserfahrungen bei der Ärztekammer zurückblicken. Also ein wirklicher, sehr weitgehender Neuanfang, der natürlich auch ein bisschen neugierig macht, wie es denn mit der Arbeit der Ärztekammer nun weitergegangen ist.
Wir wollen keine falschen Hoffnungen wecken: Engagement bei der Ärztekammer bedeutet - wie schon Alt-Präsident Dr. Eckhard Weisner immer zu betonen pflegte - das „Bohren dicker Bretter“, so dass 100 Tage nicht ausreichen, um große Veränderungen zu erreichen.
Trotzdem ist eine Menge geschehen: Der zunächst neue Vorstand hat sich in drei normalen und einer Klausursitzung in die neue Aufgabe eingearbeitet. Die einzelnen Vorstandsmitglieder haben schwerpunktmäßig Aufgaben übernommen und sind in vielen Bereichen schon gut eingearbeitet. Neben der Wahrnehmung der Routineaufgaben im Bereich Berufsaufsicht, Weiterbildung und Finanzen ging es besonders darum, den akuten Entwicklungen seit September gerecht zu werden. Die Konsequenzen des 11. September, die darauf folgenden „Anthrax-Fälle“ in den USA, die „Trittbrettfahrer-Alarme“ führten auch bei uns zu der Notwendigkeit, dass seitens der Ärztekammer Maßnahmen beschlossen wurden, um mittel- und langfristigen Gefährdungen Rechnung zu tragen. Ärztinnen und Ärzte müssen sowohl materiell wie auch fachlich in der Lage sein, in einem Katastrophenszenario, so wie es sich uns jetzt verstärkt darbietet, umfassende Hilfe zu leisten. Eine Arbeitsgruppe Katastrophenmedizin wurde eingesetzt und wird sich zusammen mit einem noch zu schaffenden interdisziplinären Fachausschuss Katastrophenmedizin darum bemühen, die notwendigen Grundlagen für ein weiteres Tätigwerden der Ärztekammer zu erarbeiten.
Uns allen ist noch das Entsetzen erinnerlich, das der tragische Tod des Kollegen Dr. Hans Jelke aus Schleswig durch Patientenhand hervorgerufen hat. Die Ärztekammer hat auch hier erste Schritte ergriffen, um die Möglichkeiten zu analysieren, die vielleicht bestehen, um die Wahrscheinlichkeit der Wiederholung eines solchen Vorganges so weit wie möglich zu vermindern. Uns ist sehr gut erinnerlich, dass erst 1998 ein anderer Kollege in Kiel ebenfalls Opfer eines Patienten wurde.
Die Probleme der Pflege in Pflegeheimen aber auch im ambulanten Bereich sind trotz der Schaffung zusätzlicher Institutionen bei weitem noch nicht gelöst. Insbesondere geht es hier darum, die Rolle der die Pflegepatienten betreuenden Ärztinnen und Ärzte zu definieren. Hier bietet der letzte „große“ Beschluss des Vorstandes der vorigen Wahlperiode am 5. September 2001 (SHÄ 10/2001, S. 18 f.) eine gute Grundlage. Wir können uns vorstellen, dass von Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung eingerichtete Beratungsgremien von Hausärzten dabei behilflich sein können, die erkannten Schwierigkeiten, die z. B. bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst auftreten, aber auch durch die öffentliche Vermarktung von Ergebnissen durch Krankenkassen soweit durch Einbringung praktischen ärztlichen Sachverstandes zu hinterfragen, dass grobe Fehler in Zukunft vielleicht nicht mehr vorkommen müssen.
Soweit einige Anmerkungen zu den ersten 100 Tagen Ihres Ärztekammer-Vorstandes. Vorstand und Geschäftsführung der Ärztekammer sind der Auffassung, dass wir uns auf einem guten Weg befinden.
Wir wünschen Ihnen erholsame Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Es wäre schön, wenn es Ihnen gelingen könnte, trotz vermehrter Ängste in der Bevölkerung und unklarer weiterer Entwicklung unserer Berufstätigkeit trotzdem Optimismus und Freude an der Arbeit zu bewahren und davon möglichst viel auch auf die Angehörigen, Kollegen, Mitarbeiter und Patienten zu übertragen.
Mit freundlich-kollegialen Grüßen
Ihre

 

Dr. med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident
Dr. med. Karl-Werner Ratschko
Hauptgeschäftsführer

 

 

Rezensionen

 

 

Management der Lungenarterienembolie
Bibliographische Angaben: Stavros Konstantinides, Annette Geibel, Wolfgang Kasper, CD-ROM, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2001,
99 DM/50,62 €, ISBN 3-13-105791-2
Inhaltsangabe: In sehr anschaulicher Weise wird anhand von acht Kasuistiken das klinische Bild der Lungenembolie, die Labordiagnostik des Krankheitsbildes, die apparative Diagnostik (einschließlich Pulmonalis-Angio) dargestellt. Ebenfalls anhand der Kasuistiken werden mögliche therapeutische Maßnahmen erläutert und deren Stellenwert in der Differenzialtherapie ausgeführt.
Kritische Bewertung: Der Aufbau der CD ist hervorragend, es findet sich eine gute didaktische Gliederung, beispielhaft erläutert durch den Aufbau in Kasuistiken. Gerade für Lehrzwecke halte ich die CD für sehr gut geeignet (z. B. PJ- und Studentenunterricht).
Sonstiges: Das Bildmaterial ist hervorragend aufgebaut. Echokardiographiebilder werden erst im Video gezeigt, anschließend werden die sonographischen Strukturen im Standbild markiert und erläutert. Sehr gut ist ein Fließschema, das den genannten Kasuistiken am Ende hinzugefügt wurde. Dieses stellt eine Synopse der diagnostischen und therapeutischen Vorgehensweise dar.
Empfehlung: Zusammenfassend halte ich die CD für didaktisch sehr gut aufgearbeitet und mit hervorragendem Bildmaterial ausgestattet. Die Therapie wird umfassend und in ihrer Gesamtbreite diskutiert. Die CD ist bestens geeignet für den Studentenunterricht oder für die Ausbildung von Assistenten. Aber auch darüber hinaus ist dieser CD eine weite Verbreitung zu wünschen.
Rezensent: Prof. Dr. Gerhard Hintze, Klinikum Stormarn, Schützenstr. 55, 23843 Bad Oldesloe

 

Was ein Diabetiker alles wissen muss
Bibliographische Angaben: Prof. Dr. Berend Willms, 8. Auflage, Verlag Kirchheim u. Co. GmbH, Mainz 2001, DIN A 5, 199 Seiten, 24,84 DM/12,70 €, ISBN 3-87409-317-4
Inhaltsangabe: Auf 193 Seiten bieten Berend Willms und 11 Mitarbeiter eine verständliche und vollständige Darstellung der aktuellen Diabetologie, die auch die neuesten Entwicklungen berücksichtigt und bewertet. Von Alkohol bis Zeitverschiebung, von Dawn-Phänomen bis Vitrektomie sind alle für Diabetiker wichtigen Fragen abgehandelt und auch neue Medikamente wie Glitazone oder Viagra® sucht man nicht vergebens. Besonders erfreulich ist die Beschäftigung mit den sozialmedizinischen Aspekten des Diabetes.
Kritische Bewertung: Das Buch wendet sich an den bereits beschulten interessierten Diabetiker, der sein Wissen auffrischen und erweitern möchte, neu erkrankte Typ-2-Diabetiker sind damit eher überfordert. Aber auch Studierende und ÄrztInnen, die sich schnell und gut informieren wollen, können daraus viele praktische Tipps und therapeutische Erkenntnisse gewinnen.
Sonstiges: Für die nächste Auflage wünscht sich die Rezensentin einheitliche Überschriften der Textkästen und eine Überarbeitung der 1 200-Kalorien-Diät für Typ-2-Diabetiker.
Empfehlung: Typ-1-Diabetiker, Typ-2-Diabetiker im mittleren Lebensalter, DiabetesberaterInnen, Medizinstudierende, Diabetes interessierte Ärztinnen und Ärzte.
Rezensent: Dr. Dagmar-Elisabeth Dennin, Meesenring 2, 23566 Lübeck

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 12/ 2001

S. 2-4