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Personalia

Zum 65. Geburtstag von Prof. Dr. Heinrich Halsband

Prof. Dr. Heinrich Halsband, Direktor der Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Lübeck, begeht am 6. Oktober seinen 65. Geburtstag. Mit seinem Namen eng verbunden ist die Entwicklung der Kinderchirurgie nicht nur in Schleswig-Holstein. Grund genug für einen Rückblick.
Nach abgeschlossenem Studium an den Universitäten in Bonn, Göttingen und Kiel begann Prof. Halsband seine medizinische Ausbildung an der Universitäts-Kinderklinik in Kiel bei Prof. Dr. Wiedemann; hier erlangte er die Anerkennung als Facharzt für Pädiatrie. Schon bald zeigte sich sein besonderes Interesse für die chirurgischen Probleme des Säuglings- und Kindesalters. Konsequenter Weise führte ihn diese Wissbegierde in die Kinderchirurgie nach Bremen zu Prof. Dr. Rehbein - einem der wichtigsten Begründer der Kinderchirurgie in Deutschland - und erhielt hier seine kinderchirurgische Ausbildung. 1968 erfolgte ein Studienaufenthalt im „Hospital for Sick Children, Great Ormond Street, London“.

Prof. Dr. Heinrich
Halsband (Foto: Privat)

1970 begann er dann seine Arbeit in Lübeck an der Medizinischen Hochschule als Oberarzt für Kinderchirurgie in der Kinderklinik bei Prof. Hansen; aus räumlichen Gründen erfolgte diese Tätigkeit anfangs im Städt. Krankenhaus Süd, ab 1972 dann in den Räumen der Chirurgischen Klinik der Medizinischen Hochschule bei Prof. Dr. Remé. Ebenfalls 1972 erhielt er die Facharztanerkennung für Chirurgie und das Teilgebiet Kinderchirurgie. Zielstrebig baute Prof. Halsband nach und nach eine leistungsfähige kinderchirurgische Einheit auf. Schon bald konnte das gesamte Spektrum des Faches - bestehend aus Kindertraumatologie, Kinderurologie, Neugeborenenchirurgie sowie alle abdominellen und thorakalen Eingriffe im Kindesalter - auf hohem Niveau durchgeführt werden. Darüber hinaus ist es seiner Initiative zu verdanken, dass schon in den 70er Jahren die beiden ersten und bis heute einzigen 2 Betten für schwerbrandverletzte Kinder in Schleswig-Holstein eingerichtet und mit großem Erfolg betrieben wurden.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte Prof. Halsband mit einer tierexperimentellen Studie zum Ösophagusersatz durch freie autologe Transplantate von Jejunummukosa und -submukosa. Diese Arbeit war Grundlage seiner Habilitation im Jahre 1978 und wurde ein Jahr später mit dem Richard-Drachter-Preis der Dt. Gesellschaft für Kinderchirurgie ausgezeichnet. Im gleichen Jahr konnte Prof. Halsband eine eigenständige Abteilung für Kinderchirurgie mit 40 Betten gründen und erhielt so eine erste Anerkennung für seinen unermüdlichen Einsatz für die Belange chirurgisch erkrankter Kinder; 1980 wurde er zum ordentlichen Professor für Kinderchirurgie an der Medizinischen Hochschule Lübeck ernannt. Schritt für Schritt etablierte er mit bekannt hoher Einsatzbereitschaft die Kinderchirurgie in Schleswig-Holstein und schuf so die einzige Spezialklinik dieser Art im Lande, die nicht selten letzter Ansprechpartner für Problemfälle ist.
1987 endlich konnte die Klinik für Kinderchirurgie in ein eigenes komplett renoviertes Haus mit 2 Stationen, einer Intensiveinheit nebst zwei Zimmern für schwerbrandverletzte Kinder, Ambulanzräumen und zwei Operationssälen umziehen.
Gegenstand seiner wissenschaftlichen Untersuchungen und des besonderen chirurgischen Interesses sind unter anderem der vesikoureterorenale Reflux, die langstreckige Trachealstenose, die Osteogenesis imperfecta, juvenile Knochenzysten, die Laparochisis und Omphalocele. Neben ca. 140 Beiträgen in medizinischen Fachzeitschriften und Büchern und etwa 380 wissenschaftlichen Vorträgen fand Prof. Halsband noch die Zeit zu vielfältigen berufspolitischen Aktivitäten. So war er viele Jahre Mitglied des Präsidiums der Dt. Gesellschaft für Kinderchirurgie und Präsidiumsmitglied der Dt. Gesellschaft für Chirurgie (1989 bis 1992). 1990 war er als Kongresspräsident für die Ausrichtung der 28. Jahrestagung der Dt. Gesellschaft für Kinderchirurgie in Köln verantwortlich. Desgleichen richtete er 1999 als Präsident und Kongressvorsitzender die Jahrestagung der Dt. Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungs-Chirurgie e. V. in Berlin aus.
Der Beruf als Kinderchirurg wurde für Prof. Halsband zur Berufung. Für ihn gebührt dem kindlichen Patienten und seinen Eltern allerhöchste Priorität. Die Interessen der Kinder verfolgt er energiegeladen und hartnäckig, notfalls auch streitbar. Somit sind seine Verdienste für den Aufbau und den hohen Leistungsstand der Kinderchirurgie in Schleswig-Holstein beispielhaft und wegweisend für die zukünftige Kinderchirurgengeneration.
Der 65. Geburtstag bedeutet aber auch gleichzeitig einen Abschied vom Berufsleben und so wünschen wir, seine engsten Mitarbeiter, Herrn Prof. Halsband für seinen neuen Lebensabschnitt Gesundheit und Zufriedenheit im Kreise seiner Familie. Verbunden damit ist gleichzeitig der Wunsch und das Versprechen, dass seine außerordentlichen Leistungen für die Kinderchirurgie kompetent fortgeführt werden.

Dr. Michael Barthel

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 10/ 2001

S. 74 / 75