zurück zur Rubrikensuche
zurück zum Inhaltsverzeichnis
Medizin und Wissenschaft
Foto:Internet

Mini U-Boote erforschen den Intestinaltrakt

Vor etwa 15 Jahren gab es einen Hollywood-Film, in dem Menschen wie in dem Kinderbuch „Dr. Kleinermacher“ so miniaturisiert wurden, dass sie in einem ebenso kleinen U-Boot in den menschlichen Körper injiziert wurden und dann vor Ort diagnostizieren und therapieren konnten. Sie bestanden spannende Abenteuer gegen Killerzellen und in Thrombinnetzen. Der Sciencefiction-Film war handwerklich so gut gemacht, dass er auch den Fachmann beeindruckte.
Vor knapp 10 Jahren brachte das (alte) „Nordlicht“ eine Reportage über Johnson & Johnson in Norderstedt. Die Forscher dort berichteten auf die Frage nach der zukünftigen Medizin über kleine Roboter, die mit verschiedenen Aufgaben in den Körper eingeschleust werden würden.
Nun ist es fast so weit: „puls“, das Fortbildungsvideo von BDI und BDA, berichtet in 05/06-01 aus der Inneren Klinik II der Dr. Horst-Schmidt- Kliniken in Wiesbaden (Prof. Dr. Christian Ell) über die Kapsel-Endoskopie: 25 mm lange Kapseln sind mit einer Videokamera, einer Beleuchtungseinheit und einem Sender samt Energiequelle bestückt und werden geschluckt. Antennen auf der Körperoberfläche empfangen alle 2 Sekunden ein Bild von der Reise bis zur Ausscheidung der nur einmal zu verwendenden Kapsel. Da die Lumina der Verdauungswege nicht aufgebläht werden, sind die empfangenen Bilder zunächst neu zu interpretieren. Man gelangt allerdings auch in Dünndarmregionen, die bisher der Endoskopie nahezu verschlossen waren. Die subminiaturisierten Teile der Diagnosekapsel und das Aufnahme-Equipment mit eigener Hard- und Software sind noch sehr teuer. So kostet zurzeit noch eine Untersuchung rund 5 000 DM. Bei weiterer Verbreitung dieser Methode, die für die Patienten deutlich angenehmer ist, wird sich dieser Preis noch verringern. Prof. Dr. Ell jedenfalls hält dies für einen Meilenstein in der Gastroenterologie. (hps)

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 10/ 2001

S. 31