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Personalia

Dr. Dr. h. c. Carlheinrich Wolpers 95 Jahre

In bemerkenswerter geistiger Frische und Klarheit sowie guter körperlicher Verfassung wird Dr. Dr. h. c. Carlheinrich Wolpers am 17.09.01 seinen 95. Geburtstag feiern. Geboren in Düsseldorf als Ältester von drei Geschwistern, waren seine Kindheit und Jugend durch schwere langwierige Krankheiten geprägt, so dass damals wohl niemand diesem Jungen eine solche Lebenserwartung zugetraut hätte.
Nach dem Medizinstudium in Göttingen, Graz und Leipzig begann Dr. Wolpers seine klinische Weiterbildung in der Pathologie bei Prof. Hueck, Leipzig. Dort entdeckte er seine Liebe zur Morphologie und bekam den ersten Kontakt zur Gallensteinforschung, die ihn während seines gesamten weiteren Lebens begleitete. Außerdem infizierte er sich mit den typischen Pathologenkrankheiten: Tuberkulose und Hepatitis und wechselte auch aus diesem Grund nach drei Jahren in die 1. Medizinische Klinik der Charité zu Prof. Siebeck, um Internist zu werden.

Dr. Dr. h. c. Carlheinrich Wolpers (Foto: Privat)

An dieser Klinik arbeitete auch sein Freund Helmut Russka, der Bruder des Elektronenmikroskop-Erfinders Ernst Russka, der ihn begeisterte, neben der Stationstätigkeit abends und nachts an der Entwicklung des Elektronenmikroskops mitzuarbeiten und seine Anwendung zu erforschen.
Am 01.09.1939 wurde Dr. Wolpers sofort zur 3. Panzerdivision eingezogen und machte den Frankreich- und den Russland-Feldzug mit, zuletzt betreute er an der russischen Front ein Fleckfieber-Lazarett. 1944 erfolgte seine Kommandierung auf die Insel Riems zur kriegswichtigen Forschung, für ein Projekt, das die Anwendung der Elektronenmikroskopie weiter vorantreiben sollte; zu diesem Zweck wurde ihm ein eigenes Gerät zur Verfügung gestellt. In den letzten Kriegstagen rettete Dr. Wolpers dieses wertvolle Gut auf einem Lastwagen bis nach Lübeck, damit es nicht in russische Hände fiel.
Das kostbare Elektronenmikroskop, es gab damals nur ca. 15 in Deutschland, wurde in der physikalischen Sammlung des Katharineums in Lübeck versteckt, bis es die englische Besatzungsmacht entdeckte und nach England verschiffte. Dort wurde es über 10 Jahre im Bakteriologischen Institut Mill Hill in der Nähe von London benutzt, dann gaben es die Engländer nach zähen Verhandlungen und juristischem Tauziehen zurück und es fand eine endgültige Heimat im Pathologischen Institut der Universität Münster.
Im Mai 1945 übernahm Dr. Wolpers die Vertretung eines erkrankten Internisten in Lübeck und anschließend dessen Praxis, die er später mit seiner Frau, der Internistin Dr. Jutta Wolpers, gemeinsam führte. Aus der Nachkriegszeit gibt es viele anschauliche Erinnerungen, wie z. B., dass bei Hausbesuchen das Fahrrad mit in die Wohnung des Patienten, u. U. bis in den zweiten Stock getragen wurde, um es vor Diebstahl zu sichern.
Ein Forschungsauftrag führte 1952 Dr. Wolpers gemeinsam mit seiner Frau für ein Jahr nach Amerika an das Johnson Institute der University of Pennsylvania in Philadelphia. In dieser Zeit wurde die Praxis von einer tüchtigen Internistin weitergeführt. Familiäre Gründe, die Verbundenheit mit der europäischen Kultur und die Erfahrungen im US-amerikanischen Forschungsbetrieb veranlassten Dr. Wolpers zur Rückkehr nach Lübeck.
Dr. Wolpers und seine Frau betrieben eine Internistenpraxis auf hohem Niveau; wenn sie ihre Patienten in der Klinik besuchten, waren die jungen Assistenten/-innen stets etwas ängstlich bemüht, die gezielten Fragen schnell und richtig zu beantworten. Eindrucksvoll war auch Dr. Wolpers’ Erscheinen in der Pathologie anlässlich der Sektion seiner Patienten, auswendig trug er die Krankengeschichte vor und knüpfte Zusammenhänge, an die vorher niemand gedacht hatte.
Neben der Praxistätigkeit widmete sich Dr. Wolpers in seiner freien Zeit der Gallensteinforschung und fuhr dazu an den Wochenenden nach Münster zu seinem Elektronenmikroskop. Nach Ende seiner kassenärztlichen Tätigkeit 1982 hatte er erstmals in seinem Leben den ganzen Tag Zeit für die Wissenschaft.
1974 erhielt Dr. Wolpers die Ehrendoktorwürde der damaligen Medizinischen Akademie Lübeck für sein Lebenswerk, das über 100 Publikationen umfasst, aber zu jener Zeit bei weitem noch nicht abgeschlossen war. Seither erschienen noch weitere Veröffentlichungen, die letzte im März 2001 mit dem Titel „Stabförmiges Cholesterin in der Gallenblase des Menschen“, eine weitere ist in Vorbereitung.
Dr. Wolpers blickt auf ein ausgefülltes und abwechslungsreiches Leben, voller Energie zurück. Die Freude am Forschen und das Bemühen, Erkenntnisse voranzutreiben, haben das Lebenswerk dieses Mannes bestimmt, der außerdem ein engagierter Internist und Therapeut ist. Sicher haben ihn auch die wissenschaftliche Neugier und die unermüdliche Arbeit jung und aktiv erhalten.
Verwandte, Freunde und Kollegen gratulieren dem Jubilar sehr herzlich und wünschen ihm noch viele gelungene Rasterelektronenmikroskopische Gallensteinaufnahmen, ständige Wissbegierde und gute Gesundheit.

(Dr. Dagmar- E. Dennin, Lübeck)

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 9 / 2001

S. 74 / 75