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Personalia

Zum 85. Geburtstag von Prof. Dr. Henner Völkel

Wer Henner Völkel in den letzten Jahren getroffen, oder besser noch bei einem seiner Vorträge gehört hat, mag kaum glauben, dass er vor kurzem sein 85. Lebensjahr vollendet hat. Wie sein Lehrer Prof. Dr. Gustav E. Störring pflegt Henner Völkel bis ins hohe Alter den wissenschaftlichen Austausch, die kritische Auseinandersetzung mit neuen Entwicklungen der Psychotherapie, die sich in zahlreichen Vorträgen und Diskussionsbeiträgen niederschlägt und auch den Kontakt zu Patienten.
Henner Völkel wurde in Duisburg geboren, er hat fünf ältere Geschwister. Dies ist aus psychotherapeutischer Perspektive wichtig, bedeutet doch eine solche frühkindliche soziale Situation eine intensive Förderung der Durchsetzungskraft durch Sprachentwicklung, sprich Eloquenz. Das Studium in Köln, Berlin, Düsseldorf und Bonn schloss er 1940 als 23-Jähriger ab. Er nahm am Russlandfeldzug teil und kam mit der 6. Armee in Stalingrad in Gefangenschaft. Dies war für ihn ein prägendes Erlebnis mit existenziellen Grenzerfahrungen im Verlauf der Gefangennahme und des Überlebens in russischen Lagern. Henner Völkel meint, er habe auch deshalb überlebt, weil er die russischen Menschen liebe und vor allem ihre Sprache. Wegen dieser - autoditaktisch erworbenen - Sprachkenntnisse kam er 1944 als Übersetzer nach Moskau und wurde 1948 aus der Gefangenschaft entlassen.

Prof. Dr. Henner Völkel (Foto: Privat)

Er arbeitete zunächst als Chirurg, ab 1950 begann er die psychiatrische Ausbildung bei Störring in Düsseldorf, mit dem er 1954 nach Kiel kam.
Seit 1956 hielt Henner Völkel über Jahrzehnte eine Vorlesung über Neurosen und andere psychische Erkrankungen, die unter Studenten (und auch anderen Hörern) einen legendären Ruf hatte, wie auch seine Morgenvorlesung im Rahmen der Lübecker Psychotherapietage und seine Vorlesungen in Bad Segeberg im Rahmen des Instituts für Psychotherapie und Psychosomatik der Akademie.
1958 habilitierte er sich und wurde 1964 Professor für Medizinische Psychologie und Psychotherapie. 1967 wurde unter seiner Leitung die Abteilung für Psychotherapie und Psychosomatik in Kiel eingerichtet. Diese Abteilung, später fortgeführt durch Prof. Dr. Hubert Speidel, hat sich in der wissenschaftlichen Welt trotz ihrer Kleinheit einen hervorragenden Ruf erworben, u. a. entwickelte sie ein eigenes stationäres Psychotherapiekonzept.
Henner Völkel hat - auch als Psychotherapeut - nie den Kontakt zur Psychiatrie verloren. Für ihn war und ist die Psychoanalyse integraler Bestandteil einer recht verstanden Psychiatrie. Insofern ist es für ihn befriedigend zu sehen, dass auch die universitäre Psychiatrie der Psychotherapie einen zunehmend hohen Stellenwert beimisst.
1972 war Henner Völkel Mitbegründer der Norddeutschen Psychotherapietage, denen er durch die schon erwähnte Morgenvorlesung einen unverkennbaren Stempel aufdrückte. Er föderte in den 80er Jahren die Gründung des John-Rittmeister-Institutes und ist an diesem Institut nach wie vor als Dozent und Supervisor tätig.
Für seine Verdienste um die ärztliche Fort- und Weiterbildung wurde er 1981 von der Bundesärztekammer mit der Ernst-von-Bergmann-Plakette ausgezeichnet. Sein berufliches Lebenswerk - besonders unter dem Aspekt des sozialen Engagements - wurde 1985 durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt.
Vor allem aber ist Henner Völkel ein „Mitmensch “. Wenn Leben Kommunikation bedeutet, lebt
Henner Völkel das seine mit großer Intensität. Viele Patienten, Studenten, Ausbildungskandidaten von Instituten und Freunde durften seine tiefreichende Mitmenschlichkeit kennen lernen, das intensive Aufeinander-bezogen-Sein, das ihn auch zum politischen Menschen macht, ausgezeichnet durch große Diskussionsfreudigkeit im privaten wie im öffentlichen und wissenschaftlichen Raum.
Henner Völkel bezieht seine Kraft nicht zuletzt aus diesen Begegnungen und wir wünschen ihm und uns, dass ihm seine spezifische und uns ansteckende Lebendigkeit und Begeisterungsfähigkeit noch viele Jahre erhalten bleiben möge.

(Dr. Eberhard Wilke)

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 8/ 2001

S. 51