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| Dr. Heinrich Clementsen (Foto: rat) |
Zum 80. Geburtstag von
Dr. Heinrich Clementsen
Dr. Clementsen hat über viele Jahre,
Jahrzehnte hinweg, eine umfangreiche Kassenarztpraxis als Nervenarzt in
der Innenstadt von Neumünster geführt. Als ich ihn einmal fragte,
warum er gerade das Fach Psychiatrie gewählt habe, sagte er mir:
Ich hatte immer eine größere Fähigkeit zuzuhören,
als selber viel zu reden und aktiv zu handeln und ich dachte, dass diese
Eigenschaft für einen Psychiater besonders wichtig sei.
Schon früh kümmerte er sich um die Sorgen und Nöte seiner
Kolleginnen und Kollegen, was zur Folge hatte, dass er sehr bald den Vorsitz
des Neumünsteraner Ärztevereins übernahm. Dies wiederum
führte dazu, dass er sich auch sehr bald für die Kammerarbeit
interessierte und dort mit einem sehr guten Ergebnis in die Kammerversammlung
gewählt wurde. Sein besonderes Interesse galt der Fort- und Weiterbildung.
Folgerichtig wurde die Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung
der Kammer zum Schwerpunkt seiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Seine
eigene Berufserfahrung brachte es mit sich, dass er sich für die
Fort- und Weiterbildung in der Psychotherapie engagierte. So war er nachher
maßgeblich daran beteiligt, dass diese einen großen Raum in
der Akademie einnahm und sich ein selbstständiges Institut für
Psychotherapie in der Akademie entwickelte.
Ein hervorstechender Zug seines Charakters war schon immer, dass er darum
bemüht war einen Ausgleich zwischen widerstrebenden Interessen und
widerstrebenden Gruppen zu suchen. Seine Aufgabe als Kammerabgeordneter
nahm er sehr ernst und bemühte sich auch hier zwischen den verschiedenen
Gruppen zu vermitteln. Seiner zunehmenden berufspolitischen Erfahrung
sowie seinem auf Ausgleich bedachten Charakter verdankte er dann, dass
er mit großer Mehrheit zum Vizepräsidenten gewählt wurde.
Mit bemerkenswerter Gewissenhaftigkeit nahm er auch an den Ärztetagen
teil. Leider wurde ihm dies beim Ärztetag in Hannover zum Verhängnis.
Als er über eine kleine Treppe zur Tribüne strebte, um an dem
Rednerpult zu sprechen, stürzte er auf dieser kleinen Treppe so unglücklich,
dass er sich den Oberschenkel brach. Es war für mich ein eindrückliches
Erlebnis, wie die große Zahl der anwesenden Ärzte dem Verunglückten
nicht helfen konnte. Erst nach Eintreffen des Rettungsarztes, der den
Verletzten auf der Trage lagern und ihm schmerz- lindernde Medikamente
verabreichen konnte, brachte Linderung. Er wurde gleich in Hannover in
die Medizinische Hochschule gebracht und dort operiert. Es folgten Reha-Kuren.
Er hat dann Gott sei Dank wieder seine volle Gehfähigkeit erlangt.
Ich denke gerne an viele Jahre enger Zusammenarbeit mit Dr. Clementsen
zurück. Im privaten Bereich blieben ihm schwere Verluste nicht erspart.
Für seine nächsten Jahrzehnte und seinen verdienten Ruhestand
wünschen wir ihm alles erdenklich Gute. (Dr. Ingeborg Retzlaff)
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 7/ 2001
Seite 70
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