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Muskelkrafttraining im Kindes- und Jugendalter
Michael Siewers
Einleitung
Muskelkrafttraining ist heute eine der populärsten Trainingsmethoden
im Fitness- bzw. Konditionstraining der Erwachsenen. Einerseits soll die
sportartenspezifische Leistung verbessert werden, andererseits dient das
Krafttraining der allgemeinen körperlichen Leistungsverbesserung.
Das Krafttraining als fester Bestandteil des Trainingsalltags von Hochleistungssportlern
und Leistungssportlern ist obligatorisch geworden. Auch für jugendliche
leistungsorientierte Athleten gehört das Krafttraining zum täglichen
Training.
Um Missverständnissen vorzubeugen, müssen einige Bemerkungen
zum Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen vorangestellt werden. Krafttraining
ist ein Sammelbegriff, der im übergeordneten Sinne eine Trainingsart
mit dem generellen Ziel der Verbesserung der Kraftfähigkeiten (Maximal-,
Schnellkraft und Kraftausdauer) beschreibt (vgl. Röthig et al. 1992).
Vor diesem Hintergrund sollte der Begriff Krafttraining von den Sportarten
Gewichtheben und dem sog. Power-Lifting unterschieden
werden. Beim Gewichtheben und Power-Lifting trainieren die
Sportler mit sehr hohen Intensitäten und versuchen, im Wettkampf
maximale Gewichtslasten zu heben. Diese Art Krafttraining ist grundsätzlich
nicht gemeint, wenn man vom Krafttraining mit Kindern und Jugendlichen
spricht.
Anfang der 80er Jahre, im Zuge der Fitness- und Bodybuildingwelle aus
den USA, rückte das Thema Krafttraining im Kindes- und Jugendalter
in das Blickfeld des öffentlichen und wissenschaftlichen Interesses
(vgl. Blimkie 1993). Effektivität, Nutzen und die Risiken des Krafttrainings
für Erwachsene waren im Gegensatz zum Kinder- und Jugendbereich hinreichend
erforscht. Unwissenheit über die Wirkung von Krafttraining, aber
auch die Angst, dem jungen Körper mehr Schaden als Nutzen zuzufügen,
führten zu einer weitgehenden Abstinenz dieser Trainingsform in Deutschland.
Parallel zur Kontroverse um das Krafttraining kam die Diskussion um den
schlechten Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen hinsichtlich
Haltungsschwächen und -schäden auf. Je nach Statistik sind heutzutage
bis zu 80 % der Grundschüler in Deutschland haltungsschwach. Diese
vorwiegend muskulär bedingten Haltungsschwächen sind durch den
Sportunterricht in der Schule mit den meist angebotenen Spiel- und Ausdauerkomponenten
nicht zu kompensieren. Fachleute der Gegenwart verweisen zudem immer wieder
darauf, dass Kinder in zunehmendem Maße körperliche Belastungen
meiden.
Aus diesem Grunde wurden Stimmen in den USA, aber auch in Europa, von
Kinderorthopäden, Krankengymnasten und anderen Fachleuten nach frühzeitigen
Präventivmaßnahmen lauter, um den Gesundheitszustand der Kinder
und Jugendlichen zu verbessern. In Nordamerika unterstützen und fordern
große Mediziner- und Sportvereinigungen und deren Verbände,
u. a. das American College of Sports Medicine, die American
Orthopaedic Society of Sports Medicine, die American Academy
of Pediatrics und die National Strength and Conditioning Association,
die Teilnahme von Kindern und Jugendlichen an Krafttrainingsprogrammen,
wenn sie altersspezifisch geplant und organisiert sowie durch fachkundige
Trainer begleitet werden (vgl. Faigenbaum 1998).
Altersspezifische Besonderheiten
Kinder und Jugendliche stellen weder kleine Erwachsene dar, noch liegt
bei ihren sportlichen Aktivitäten ein reduziertes Erwachsenentraining
vor. Das Kinder- und Jugendtraining unterliegt einem eigenen systematischen
und langfristigen Übungs- bzw. Trainingsprozess. Ziele, Inhalte und
Verfahrensweisen unterscheiden sich von denen der Erwachsenen.
Gerade die vorübergehende Wachstumsbeschleunigung in der Pubertät
stellt ein besonderes Problem dar. Neben der unterschiedlichen Entwicklung
einzelner Skelettabschnitte bedeutet der Beginn der Pubertät einen
tief greifenden
Einschnitt
in der psychophysischen Entwicklung des Kindes bzw. Jugendlichen.
Daraus ergeben sich eine Vielzahl von physischen, psychischen sowie psychosozialen
Veränderungen und Entwicklungsbesonderheiten. Für das Kinder-
und Jugendtraining ergeben sich entsprechende Konsequenzen, u. a. für
die körperliche Belastbarkeit oder für die Gestaltung eines
Krafttrainings.
Das Mark-Jansen-Gesetz (vgl. Berthold/Thierbach 1981) besagt,
dass die Empfindlichkeit des Gewebes sich proportional zur Wachstumsgeschwindigkeit
verhält. Demnach ist das Kind bzw. der Jugendliche im Vergleich zum
Erwachsenen wesentlich stärker der Gefahr von Belastungsschäden
durch unphysiologische Trainingsreize ausgesetzt. Dabei ist weiter zu
beachten, dass die Belastungsverträglichkeit des Bewegungsapparates
bei kalendarisch und biologisch gleichaltrigen Kindern sehr unterschiedlich
sein kann.
Der passive
Halte- und Bewegungsapparat mit seinen Bändern, Sehnen, Knochen,
Gelenken und Knorpeln stellt speziell beim Muskeltraining von Kindern
und Jugendlichen eine Schwachstelle dar. So ist der Knochen erhöht
biegsam, aber vermindert druck- und zugfest. Auch das Knorpelgewebe bzw.
die noch nicht verknöcherten Wachstumsfugen weisen eine erhöhte
Gefährdung gegenüber starken Druck- und Scherkräften auf
(vgl. Weineck 1998, Cotta et al. In Prokop 1986). Bänder und Sehnen
sind noch nicht ausreichend zugfest und die muskuläre Stabilisierung
der Gelenke ist noch nicht so ausgereift, wie es beim Erwachsenen der
Fall ist (vgl. Zimmermann 1997).
Aufgrund des geringen Testosteronspiegels vor Beginn der Pubertät
gibt es kaum Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen bezüglich
ihrer Muskelmasse bzw. Muskelkraft. Der Muskelanteil an der Gesamtkörpermasse
ist im Vergleich zum Erwachsenen verringert und beträgt gleichermaßen
etwa 27 %. Zu Beginn der Pubertät kommt es zu ausgeprägten Zuwachsraten
bezüglich der Muskelmasse aufgrund der hormonellen Veränderungen
bei beiden Geschlechtern.
Die Testosteronausschüttung wirkt sich bei den Jungen stärker
auf die Zunahme der Muskelmasse bzw. Muskelkraft aus als bei den Mädchen.
Der Anstieg des Muskelanteils an der Gesamtkörpermasse beim Jungen
steigt von 27 % auf durchschnittlich 42 %, im Gegensatz dazu bei den Mädchen
nur auf 36 % (vgl. Israel/ Buhl 1980, de Marées 1996).
Bei den Mädchen entfällt diese Phase auf die Zeit zwischen dem
11. - 12./13. Lebensjahr, bei den Jungen auf den Zeitraum ab dem 12./13.
Lebensjahr.
Neben der
Zunahme der Muskelmasse durch den Testosteronanstieg beim Eintritt in
die Pubertät ist noch die anaerobe und aerobe Stoffwechselkapazität
des Muskels zu erwähnen. Hier bestehen im Vergleich zum Erwachsenen
charakteristische Unterschiede. Während grundsätzlich eine gute
aerobe Kapazität im Kindesalter besteht (vgl. De Marées 1996),
sollte das Training der anaeroben Kapazität keine betonte Anwendung
finden, da erst der Testosteronanstieg in der Pubertät eine Enzyminduktion
bewirkt, die u. a. zu einer Verbesserung der anaeroben Arbeitsfähigkeit
des Muskels führt (vgl. Weineck 1998).
Fazit: Das Kinder- und Jugendtraining ist keine quantitative Reduktion
des Erwachsenentrainings. Vielmehr muss das Training bzw. die sportliche
Belastung den physischen und psychischen Veränderungen der Kinder
und Jugendlichen in ihrem Reifungsprozess gerecht und qualitativ (später
auch quantitativ) angepasst werden. Insbesondere sind dabei die wachstumsbedingten
Besonderheiten und deren Konsequenzen für die psychophysische Belastbarkeit
zu beachten, um Schäden vorzubeugen.
Auswirkungen
Betrachtet man die wissenschaftliche Forschung der letzten 10 Jahre, so
diskutiert niemand mehr die generelle Legitimation eines Krafttrainings
für Kinder und Jugendliche; vielmehr konzentriert sich die Forschung
darauf, welche speziellen Effekte, Nutzen und Risiken ein Krafttraining
für Kinder und Jugendliche haben kann (vgl. Faigenbaum 1998).
Fast alle bekannten Forschungsarbeiten sind Feldexperimente mit einer
durchschnittlichen Dauer von 20 Wochen und 2 Trainingseinheiten pro Woche.
Alle gängigen Krafttrainingsmethoden (dynamisch, isometrisch, isotonisch)
fanden dabei Anwendung. Überwiegend wurde das Krafttraining als Stationstraining
oder als Circuit- oder Kreistraining organisiert. Sowohl Krafttraining
mit freien Gewichten, an Maschinen und mit dem eigenen Körpergewicht
gehörten zum Inhalt des Trainings.
In den Untersuchungen wurden in Abhängigkeit vom Untersuchungsdesign
Kraftzuwächse von 30 % bis zu 74 % dokumentiert (vgl. Faigenbaum
1993). Dabei scheint der Einsatz von kindgerechten Trainingsgeräten
günstiger zu sein und zu besseren Kraftzuwächsen zu führen
(vgl. Faigenbaum 1998).
Grundsätzlich
kommt es bereits zu Beginn eines Krafttrainings innerhalb kürzester
Zeit zu einer Kraftzunahme. Allerdings ist die Kraftzunahme nicht auf
eine Muskelmassenzunahme (Muskelhypertophie) zurückzuführen,
sondern man vermutet, dass aufgrund des Mangels an adäquater Hormonausschüttung
im Kindesalter die trainingsbedingten Kraftzuwächse im Wesentlichen
auf neuromuskulären Anpassungen beruhen (vgl. Faigenbaum 1998 und
Sale 1989).
Über die Zug- und Druckbeanspruchungen bei der muskulären Betätigung
werden formative Reize und damit Adaptationserscheinungen des Knochens
ausgelöst. Bei jugendlichen Gewichthebern konnten im Gegensatz zu
normal Sport treibenden Jugendlichen höhere Knochendichtewerte festgestellt
werden (vgl. Fleck/Kreamer 1997). Faigenbaum (1993, 1998) geht ebenfalls
davon aus, dass ein vorschriftsmäßig ausgeführtes Krafttraining
ein effektiver Stimulus für die Knochenentwicklung des jüngeren
Kindes oder Jugendlichen sein kann.
Nach Faigenbaum (1993, 1998) sind Verbesserungen der Fettwerte im Blut
festzustellen, und das Verhältnis von fettreicher zu fettfreier Körpermasse
verschiebt sich positiv zur fettfreien Masse.
Hejna et al. (1982) konnten nachweisen, dass diejenigen Probanden, die
ein Krafttraining durchführten, im Vergleich zu den nicht-trainierenden,
eine geringere Verletzungsrate und weniger Zeit für die Rehabilitation
benötigten.
Des Weiteren ist ein Krafttraining im Sinne der Körperentwicklung
und der Haltungsprophylaxe im Zusammenhang mit dem immer früher beginnenden
sportartenspezifischen Training bei Kindern sinnvoll. Durch einseitiges
Training kommt es zu einer einseitigen Belastung des Bewegungsapparates.
Dies führt zu Muskeldysbalancen, die später eine weitere Leistungsentwicklung
behindern und muskulären Verletzungen Vorschub leisten. Viele Kinder
und Jugendliche erreichen ihre potenzielle Leistungsfähig-
keit im Sport oftmals nur deshalb nicht, weil die während der Wachstumsvorgänge
für den Haltungs- und Bewegungsapparat gesetzten Entwicklungsreize
unzureichend bzw. zu einseitig waren (vgl. Weineck 1996).
Auch die mögliche psychosoziale Bedeutung eines solches Trainings
sollte nicht unterschätzt und diskutiert werden. Für Trainer
und Lehrer bedeutet gerade die fachliche und kindgerechte Führung,
in Verbindung mit einem Krafttraining, die Möglichkeit der positiven
Beeinflussung der Einstellung zu anderen Sportarten, der körperlichen
Leistungsfähigkeit und der Gesundheitsbildung. Auch ein gesteigertes
Selbstbewusstsein bei der Bewältigung von Aufgaben und Problemen
in anderen Sportarten konnte beobachtet werden. Allgemein veränderte
sich die Einstellung zur Gesundheit positiv (vgl. Faigenbaum 1993).
Risiken und Gefahren
Die beim Krafttraining auftretenden Belastungen sind zum Großteil
geringer als in den meisten Spielsportarten oder den alltäglichen
Bewegungsspielen der Kinder. Aus Statistiken zur Verletzungshäufigkeit
beim Krafttraining geht hervor, dass nicht der Knochen, sondern das weiche
Gewebe, wie Muskeln und Sehnen, die häufigsten Verletzungen erfahren.
Diese Verletzungen haben meist entzündungsbedingte Ursachen oder
es handelt sich um Muskelrisse in unterschiedlichem Ausmaß. Durch
entsprechende Trainingsgestaltung können diese Verletzungen aber
ausgeschlossen werden, da sie meist durch Überbelastungen entstehen
(vgl. Faigenbaum 1998). Das korrekte Ausführen der einzelnen Übungen
ist besonders wichtig. Das bedeutet, dass dem Erlernen neuer Bewegungsformen
besonders viel Zeit gewidmet werden muss, bevor die Belastung durch Zusatzgewichte
gesteigert wird. Diese korrekten Bewegungsausführungen erfordern
wiederum gut qualifizierte Trainer bzw. Lehrer, die die Qualität
der Bewegungsausführung auch beurteilen und gegebenenfalls korrigieren
können.
Faigenbaum (1998) konnte nachweisen, dass es bei jungen Gewichthebersportlern
zu Beeinträchtigungen der Epiphysenfugen kam. Dies waren aber Einzelfälle,
die durch unsachgemäße und falsche Hebetechniken in Verbindung
mit sehr hohen Gewichten, zum Teil in Über-Kopf-Arbeit, hervorgerufen
wurden. Bei einem Training unter kompetenter Anleitung und altersgemäßer
Belastungsintensität wurden keine Verletzungen und/oder Schädigungen
beschrieben (vgl. Ramsay et al. 1990, Servedio et al. 1985, Sewall/Micheli
1986, Weltman et al. 1986).
Nach
dem heutigen Stand der Wissenschaft gibt es keine Beweise dafür,
dass vorpubertäre Kinder dazu neigen, sich im Training häufiger
zu verletzen, als pubertäre Kinder, Jugendliche oder Erwachsene (vgl.
Blimkie 1993).
Dennoch bleibt ein allgemeiner Risikofaktor, nämlich das aktive Verhalten
des Kindes, bestehen. Selbstverständlich soll durch Sport diese Aktivität
gefördert werden, aber zum Krafttraining gehört ein gewisses
Maß an Disziplin. Aus diesem Grund wird ein spielerisch
angebotenes Krafttraining weltweit von den meisten Autoren abgelehnt.
Den Kindern und Jugendlichen muss das Risikopotenzial dieses Sports bewusst
sein, und sie müssen sich auch dementsprechend verhalten. Der direkte
Risikofaktor ist also die persönliche Reife des Kindes. Sie ist es
schließlich, die über eine Teilnahme oder den Ausschluss am
bzw. vom Krafttraining entscheiden muss. Aus biologisch-medizinischer
Sicht gibt es ansonsten beim gesunden Kind und Jugendlichen bezüglich
des Startalters keinerlei Einschränkungen (vgl. Faigenbaum 1993,
1998).
Konsequenzen für die Praxis
Ein Krafttraining sollte, neben einem Ausdauer- und Beweglichkeitstraining,
ein Baustein eines kompletten Fitnesstrainings von Kindern und Jugendlichen
sein. Obwohl es eigentlich kein Mindestalter für die Teilnahme an
einem Krafttrainingsprogramm gibt, sollten die Teilnehmer über die
nötige emotionale Reife verfügen, Anweisungen zu befolgen und
zu akzeptieren. Obendrein sollten die Teilnehmer die möglichen Vorteile
wertschätzen können und sich der Risiken bewusst sein.
In den ersten Trainingseinheiten sollten die physischen Fähigkeiten
eher niedrig eingeschätzt werden. Der Umfang und die Intensität
zu Beginn des Trainings ist ebenfalls gering. Die Trainingseinheiten zielen
darauf ab, die Methoden und Techniken richtig zu vermitteln, durchzuführen
und zu kontrollieren. Dabei ist die kindgerechte Kommunikation wichtig,
damit die Trainierenden sich sicher betreut und ernst genommen fühlen.
Das Ziel eines Krafttrainings mit Heranwachsenden sollte nicht ausschließlich
die Verbesserung der Muskelkraft sein. Vielmehr ist auch die Vermittlung
des Körperbewusstseins, die Prävention vor Verletzungen und
die Veränderung hin zur positiven Einstellung gegenüber einem
Krafttraining von großer Bedeutung (vgl. Faigenbaum 1998). Das Muskeltraining
mit Kindern und Jugendlichen sollte primär durch dynamische Kraftbelastungen
gekennzeichnet sein. Beim dynamischen Krafttraining kommt es bei moderater
Belastung zu einer gleichzeitigen Förderung des Herz-Kreislaufsystems.
Das Herz muss weniger Druck-, dafür aber mehr Volumenarbeit leisten,
was förderlich für die kardiovaskulären Effekte anzusehen
ist. Durch eine gleichmäßige Atmung wird der Pressdruck vermieden
und durch den Pumpeffekt der arbeitenden Muskulatur wird eine gute Durchblutung
der Peripherie erreicht. Somit ist eine ausreichende Energieversorgung
unter aeroben Bedingungen möglich. Der insgesamt höhere Gesamtenergieverbrauch
wirkt sich positiv auf das Stoffwechselgleichgewicht und somit auf die
Körpergewichtskontrolle aus. Nicht zu vergessen ist die koordinative
Komponente des dynamischen Krafttrainings. Gerade in den jungen Jahrgängen
bis zur Pubertät müssen die entscheidenden Grundlagen für
eine gute Koordination gelegt werden, die durch eine statische Haltearbeit
nicht zu erreichen ist.
Muskelerschöpfende Belastungen sollten vermieden werden. Unabhängig
von der Höhe des gewählten Widerstandes treten hier die höchsten
Blutdruckwerte auf und es kommt zu einer Anhäufung von Laktat (anaerobe
Energiebereitstellung). Durch die einsetzende Ermüdung können
vermehrt Fehler in der Bewegungsausführung auftreten, die wiederum
zu Schäden am passiven Bewegungsapparat führen können.
Beim Zirkeltraining sollte auf eine maximale Bewegungsgeschwindigkeit
verzichtet werden, da es hier ebenfalls zu einem Anstieg des Laktatspiegels
kommt. Ebenso vermeiden sollte man eine extrem langsame Bewegungsausführung,
da sie ähnliche Auswirkungen wie das statische Krafttraining hat.
Das beste Tempo richtet sich nach dem individuellen Atemrhythmus. Dabei
soll ein Bewegungszyklus mit einem kompletten Atemzug synchronisiert werden.
In der konzentrischen Phase wird ausgeatmet, um einer Pressatmung vorzubeugen,
und in der exzentrischen Phase wird wieder eingeatmet.
Die geringere Belastbarkeit des Bewegungsapparates erfordert eine genaue
Dosierung der Intensitäten und der maximalen Bewegungsamplituden
während des Krafttrainings. Als limitierender Faktor sollte deshalb
der passive Bewegungsapparat und nicht die Muskulatur gewählt werden.
Hohe Widerstände gilt es zu vermeiden, so dass mit mittleren Widerständen
(bis 60 % der Maximalkraft) und hohen Wiederholungszahlen (mindestens
15 - 20) trainiert wird. Neben hohen Widerständen sind auch Übungen
mit extremen Körperpositionen zu vermeiden. Damit sind vor allem
starke Überstreckung oder Beugung der Gelenke und auch die Überkopfarbeit
mit freien Gewichten gemeint. Beispiele für anatomisch ungünstige
Übungen sind Nackendrücken mit Hanteln oder die tiefe Kniebeuge.
Um den belasteten Strukturen bereits während des Trainings entsprechende
Erholungsmöglichkeiten zu gewährleisten, sollten die Übungen
in abwechselnder Reihenfolge durchgeführt werden. Beispielsweise
könnten stehende und liegende bzw. sitzende Übungen aufeinander
folgen (vgl. Zimmermann 1997).
Zusammenfassung
Das Thema Krafttraining im Kindes- und Jugendalter hat in den letzten
Jahren sowohl in der Allgemeinheit als auch in der Wissenschaft beträchtlich
an Interesse gewonnen. Immer mehr Anteile der Bevölkerung, einschließlich
der Heranwachsenden, zieht es in die Fitnessanlagen, um Ihre Gesundheit,
Fitness und sportliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.
In den letzten 20 Jahren ist es durch viele Untersuchungen gelungen, die
positiven Effekte des Krafttrainings eindrucksvoll zu belegen. Es scheint
so, als ob der Erfolg eines Krafttrainings von der Intensität und
vom Umfang des Trainings abhängt. Die Kraftzuwächse im Kindesalter
beruhen dabei hauptsächlich auf neuromuskulären Veränderungen
und verbesserten koordinativen Fähigkeiten. Eine Muskelmassenzunahme
konnte im Kindesalter im Gegensatz zum Jugendalter bisher nicht nachgewiesen
werden.
Durch kompetente Betreuung, in Verbindung mit den richtigen Anweisungen
und Techniken sowie kindgerechten Übungen und Material, ist ein Krafttraining
nicht schädigender und risikoreicher als andere sportliche und sonstige
Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen. Natürlich
gilt dies in erster Linie für gesunde Heranwachsende. Ein Krafttraining
mit Kindern und Jugendlichen mit physischen und psychischen Behinderungen
jeglicher Art sollte speziell unter enger medizinischer Betreuung verlaufen.
Das Krafttraining ist immer nur als eine zusätzliche und ergänzende
Aktivität anzusehen, in einer (hoffentlich) variationsreichen Bewegungswelt
der Kinder und Jugendlichen.
Literatur beim Verfasser
Dr. Michael Siewers, Institut für Sportmedizin der CAU, Olshausenstr.
40 - 60, 24098 Kiel
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 7/ 2001
Seite 55- 60
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