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Unsere Nachbarn

Ältere Arbeitnehmer
Unternehmen müssen umdenken

Wenn Personalchefs Stellenanzeigen formulieren, wünschen sie sich gerne flexible, belastbare, vor allem aber junge Bewerber. Wer die 40 überschritten hat, gilt in vielen Branchen bereits als zu alt. Für den Chef des Landesbetriebs Krankenhäuser (LBK) in Hamburg, Heinz Lohmann, ein unhaltbarer Zustand. Lohmann prognostiziert einen massiven Arbeitskräftemangel in rund 15 Jahren und will deshalb gezielt auch die erfahrenen Arbeitnehmer fördern.
„Das bisherige Personalmanagement in deut-schen Unternehmen muss umdenken“, fordert Lohmann. Konzepte, die allein auf den Nachwuchs ausgerichtet sind, müssen nach seiner Ansicht scheitern. Denn Nachwuchs wird es bald kaum noch geben. Folge: Die erfahrenen Mitarbeiter werden noch wertvoller für die Unternehmen. Der LBK, mit 13 000 Arbeitnehmern immerhin größter Arbeitgeber und mit 1 500 Auszubildenden größter Lehrbetrieb in der Hansestadt, will Angebote für den Ein-, Um- und Wiedereinstieg von Arbeitnehmern schaffen. „Für unsere älteren Arbeitnehmer mit ihren vielfältigen und wichtigen Berufserfahrungen benötigen wir anspruchsvolle Einsatzfelder, Weiterqualifizierung und neue Arbeitszeitmodelle“, fordert Lohmann. Er kann sich auch Tarife, die Erfahrung, Qualifikation, das Übernehmen von Verantwortung und Leitungsfunktionen honorieren, vorstellen.
So will der LBK neue Mitarbeiter anlocken bzw. beschäftigte Arbeitnehmer an sich binden:

  • Neue Arbeitszeitmodelle, um insbesondere älteren Mitarbeitern den Verbleib im Beruf zu ermöglichen
  • Teilzeitmodelle insbesondere für Frauen während und nach der Familienpause, um einen vollständigen Ausstieg zu vermeiden
  • Attraktive Tarifsysteme jenseits des BAT für stark umworbene Berufsgruppen, wie etwa zurzeit Computerexperten
  • Berufserfahrene Schwestern und Pfleger verstärkt an der Nahtstelle zwischen dem wachsenden ambulanten Pflegebereich sowie der Frühreha und dem stationären Sektor einsetzen
  • Neues Fachpersonal als Teampartner von Medizinern und Pflegern einstellen, etwa Hotelfachkräfte im Servicebereich der Kliniken
  • Neue Ausbildungsgänge schaffen, z. B. den Anästhesietechnischen Assistenten
  • Zusammenarbeit mit Hochschulen, um den knapper werdenden, qualifizierten Nachwuchs früher an das Unternehmen zu binden
Die Zahl der jungen Menschen sinkt immer mehr

Lohmann weiß, dass die Zeit drängt. Schon 2015 wird die Zahl der über 65-Jährigen in der Hansestadt auf 325 000 Menschen klettern. Bis 2050 rechnet man in Deutschland sogar mit einer Verdoppelung der über 65-Jährigen - von heute 13 auf dann 26 Millionen Menschen. Zugleich sinkt die Zahl der jungen Menschen. Heute sind immerhin noch 13 Millionen Deutsche jünger als 15 Jahre, für 2050 nennen Prognosen nur noch 7,5 Millionen. Die Suche nach Arbeitsplätzen für Arbeitslose aber wird sich nach Auffassung Lohmanns schon in einigen Jahren in eine Suche nach Arbeitskräften gewandelt haben. „Die Gesundheitsbranche der Zukunft muss heute Antworten geben, wenn sie nicht in wenigen Jahren vor einem Scherbenhaufen stehen will.“ (di)

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 6 / 2001

Seite 35 / 36