Prof. Dr. Brigitte Schlegelberger
Lehrstuhl für weitere Kieler Ärztin
Prof. Dr. Brigitte Schlegelberger gehört zu den drei Professorinnen, die in
jüngster Zeit aus der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu
Kiel auf C4-Professuren auswärtiger Fakultäten außerhalb Schleswig-Holsteins berufen
wurden. Obwohl es reizvoll wäre, Parallelen in den wissenschaftlichen und beruflichen
Werdegängen dieser drei Professorinnen aufzuzeigen und daraus Schlüsse zu ziehen, die
junge Ärztinnen ermutigen könnten, eine wissenschaftliche Laufbahn in der
Hochschulmedizin anzustreben, beschränke ich mich hier auf eine Würdigung des
Werdeganges und der Mitarbeit von Prof. Dr. Schlegelberger in der Medizinischen Fakultät
und im Klinikum unserer Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Prof. Dr. Schlegelberger wurde am 22. September 1956 in München geboren. Nach dem Abitur
am Musischen Pestalozzi-Gymnasium in München nahm sie im Wintersemester 1975/76 ihr
Studium der Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München auf. Zum
Sommersemester 1978 wechselte sie an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und
legte im Mai 1982 die Ärztliche Prüfung ab. Gleichzeitig erhielt sie die Approbation als
Ärztin. Von 1976 bis 1982 war Prof. Dr. Schlegelberger Stipendiatin der
Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Promotion erfolgte im März 1984 in
der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit der Arbeit
Die Schnittentbindung aus der Sicht der Patientin - eine Analyse der Folgen für die
Frau. Dieses Thema spiegelt den ursprünglichen Berufswunsch von Prof. Dr.
Schlegelberger wider, Frauenärztin zu werden.
Am 1. Januar 1983 begann Prof. Dr. Schlegelberger ihre ärztliche und wissenschaftliche
Tätigkeit am Institut für Humangenetik des Klinikums der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Ich erinnere mich noch gut an das
vorausgegangene Vorstellungsgespräch. Die junge Bewerberin trat zugleich sicher und
bescheiden auf, sie äußerte klare Vorstellungen über ihre beruflichen Ziele, schätzte
die Bedeutung der Genetik für die klinische Grundlagenforschung realistisch ein und
wirkte als Persönlichkeit genauso gewinnend wie zielstrebig. Außerdem beeindruckte mich
die Bereitschaft, eine wenig attraktive, zunächst auf ein Jahr befristete
Drittmittelstelle zu akzeptieren und dafür auch noch eine 7-monatige Wartezeit in Kauf zu
nehmen. Nach gut zweijähriger Einarbeitung in die Grundlagen der Klinischen Genetik
übernahm Prof. Dr. Schlegelberger am 1. März 1985 die Leitung der tumorgenetischen
Arbeitsgruppe des Instituts. Im Frühjahr 1986 hatte sie Gelegenheit zu einem ersten
Forschungsaufenthalt bei Prof. Dr. Dr. h. c. Lore Zech am Karolinska-Institut in
Stockholm, aus dem sich nicht nur eine enge Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Tumorgenetik, sondern auch eine freundschaftliche Verbundenheit mit Prof. Dr. Dr. h. c.
Zech entwickelte. 1990 wurde Prof. Dr. Schlegelberger für eine wissenschaftliche Arbeit
zur Tumorgenetik mit dem 1. Preis der Medizinischen Gesellschaft zu Kiel ausgezeichnet.
Ihre Habilitation erfolgte im April 1992 mit einer Arbeit über genetische Veränderungen
der peripheren T-Zell-Lymphome und des Morbus Hodgkin. Ende 1994 wurde Prof. Dr.
Schlegelberger eine auf 5 Jahre befristete Hermann und Lilly Schilling-Stiftungsprofessur
(C3) verliehen. Im Frühjahr 1995 erhielt sie einen Ruf auf eine C3-Professur für
Humangenetik in der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen. Mit der Zusage zur Übernahme
in eine C3-Lebenszeit-Professur nach Ablauf der Stiftungsprofessur konnte Prof. Dr.
Schlegelberger damals in Kiel gehalten werden. Im Juni 1999 erfolgte die Berufung auf die
C4-Professur für Zell- und Molekularpathologie der Medizinischen Hochschule Hannover.
Diesen Ruf hat Prof. Dr. Schlegelberger mit Wirkung vom 15. Januar 2001 angenommen.
Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit von Prof. Dr. Schlegelberger liegt auf dem
Gebiet der Tumorgenetik. Durch eine beeindruckende Zahl von Publikationen in hochrangigen
Fachzeitschriften ist sie international als Wissenschaftlerin ausgewiesen und anerkannt.
Dies führte zu ungewöhnlich zahlreichen Einladungen zu Forschungsaufenthalten in
renommierten Arbeitsgruppen sowie zu wissenschaftlichen Vorträgen und Referaten auf
internationalen Tagungen und Kongressen. Prof. Dr. Schlegelberger hat für ihre
Forschungsvorhaben kontinuierlich und in bemerkenswertem Umfang Drittmittel vor allem von
der Deutschen Krebshilfe, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Werner und Klara
Kreitz-Stiftung sowie der Hermann und Lilly Schilling-Stiftung eingeworben. Ihre
Lehrtätigkeit ist durch didaktisches Geschick, fachliche Kompetenz und persönliche
Souveränität gekennzeichnet. Besonders hervorzuheben ist ihr Einsatz bei der Betreuung
von Doktorarbeiten, der durch zahlreiche Promotionen nicht nur in der Medizini-schen
Fakultät, sondern auch in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel belegt ist. Am 8. Januar 2001 hat sich Prof. Dr.
Schlegelberger mit einer eindrucksvollen Vorlesung zum Thema Leuchtspuren der Gene -
die DNA-Chiptechnologie in der Krebsdiagnostik aus Kiel verabschiedet. Die
Zusammensetzung des großen Auditoriums bei diesem akademischen Festakt hat verdeutlicht,
dass Prof. Dr. Schlegelberger in Kiel weit über die Grenzen der Medizinischen Fakultät
hinaus gewirkt und große Anerkennung gefunden hat. (Prof. Dr. Werner Grote)