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| Henning Fahrenkamp (Foto: di) |
Pharmaindustrie
Umsatzrückgang beim Inlandsgeschäft
Schleswig-Holstein als Pharma-Musterland des Nordens? Diesen ersten Eindruck
vermitteln zumindest die Zahlen des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI),
die der Landesverband Nord am 22. März in Hamburg der Öffentlichkeit präsentierte. Ganz
problemlos läuft es für die Arzneimittelhersteller allerdings auch nicht im
nördlichsten Bundesland: Dem starken Export stand eine bröckelnde Inlandsnachfrage
gegenüber - die Unternehmen verbuchten einen Umsatzrückgang von 4,2 % gegenüber 1999
beim Inlandsgeschäft.
In allen drei norddeutschen Bundesländern verlief das Auslandsgeschäft mit
Pharmaprodukten überdurchschnittlich gut, bilanzierte der Vorsitzende des
Landesverbandes Nord im BPI, Henning Fahrenkamp. Die Pharmafirmen in Schleswig-Holstein,
Hamburg und Niedersachsen konnten ihr Auslandsgeschäft deutlich steigern, in
Schleswig-Holstein um 27 %. Die Zahlen für das nördlichste Bundesland im Einzelnen: Der
Gesamtumsatz der Branche betrug hier im Jahr 2000 insgesamt 3,346 Milliarden DM. Damit
erreichten die schleswig-holsteinischen Firmen ein Umsatz-plus von 2,4 % und liegen damit
exakt im Bundestrend (plus 2,4 % auf 41,312 Milliarden DM). Der Zuwachs im
Auslandsgeschäft sorgte für einen Umsatz von nun 878 Millionen DM, womit
Schleswig-Holsteins Exportanteil immer noch vergleichsweise bescheiden ist. Bundesweit
stieg der Export um 8,1 % auf 19,815 Milliarden DM - das sind rund 48 % des gesamten
Umsatzes. Zwischen Nord- und Ostsee erwirtschaften die Pharmafirmen dagegen erst 26 % mit
ausländischen Partnern. Im Vergleich zu Niedersachsen und Hamburg allerdings ist die
Branche in Schleswig-Holstein deutlich stärker. Die 21 Betriebe im Land erwirtschaften
beispielsweise den dreifachen Umsatz der 32 Betriebe in Niedersachsen. Die Zahl ihrer
Beschäftigten stieg im vergangenen Jahr um 6,1 % auf 6 967. Bundesweit arbeiten 131 226
Menschen in der Branche, das entspricht einem Rückgang von 0,3 %.
Die Stimmung in der Pharmabranche hat sich seit dem Amtsantritt von
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt leicht gebessert. Das Gesprächsklima
zwischen dem Ministerium und den Organisationen und Verbänden im Gesundheitswesen hat
sich spürbar entkrampft, berichtete
Fahrenkamp. Er sieht Anzeichen für eine dauerhafte Besserung, wenn die Maxime
weniger Staat, mehr Handlungsspielräume für alle Beteiligten konsequent
umgesetzt wird.
Kopfzerbrechen bereiten den Unternehmen weiterhin die Festbetragsregelung und Forderungen
nach einer Positivliste. Gerade norddeutsche Unternehmen befürchten laut Fahrenkamp, dass
von ihnen hergestellte Präparate nicht in der Liste berücksichtigt werden könnten.
Die Positivliste wird eher zu einem Ansteigen der Arzneimittelkosten führen, da in
vielen Fällen mit einer Substitution mild wirkender und preiswerterer Arzneimittel durch
hochwirksame, aber auch teure verordnungsfähige Listen-Präparate zu rechnen ist,
sagte Fahrenkamp. Er rechnet mit einer Verteuerung des Gesundheitswesens, sollte die
Positivliste eingeführt werden.
Für das laufende Jahr erwarten die meisten BPI-Mitgliedsfirmen im Norden steigende bzw.
auf hohem Niveau stagnierende Umsätze. Diese Prognose gaben die Unternehmen allerdings
unter dem Vorbehalt ab, dass die alten Festbeträge weiterhin gültig bleiben. Fahrenkamp
warnte: Sollten die Festbeträge deutlich abgesenkt werden, geben die davon
betroffenen Unternehmen Umsatzverluste zum Teil in sechs- bis siebenstelligen Beträgen
an. (di) |

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 05 / 2001
S. 28 / 29 |