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| Soviel
Ambulanz wie möglich ... Die Gesamtvergütung der Ärzte ist
budgetiert, Zuwachsraten über der Grundlohnsummensteigerung hinaus sind vom Gesetzgeber
nicht gewollt. Aber es werden zunehmend Leistungen aus dem stationären Bereich verlegt -
die Arbeitsbelastung der niedergelassenen Mediziner steigt bei gedeckelter Vergütung. Die
Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern will für diese zusätzlichen
Leistungen nun Geld sehen.
Der Leiter der KV-Abteilung für
Qualitätssicherung, Reinhard Wosniak, hält die Strategie für Erfolg versprechend, weil
Kliniken und niedergelassene Ärzte davon profitieren könnten. Eine Zusammenarbeit sei
mit verschiedenen Krankenhäusern im Land denkbar, am ehesten aber wohl mit privat
geführten Häusern. Möglich sei zum Beispiel, die präoperative Behandlung bei planbaren
Eingriffen verstärkt von niedergelassenen Ärzten vornehmen zu lassen. Die Klinik - die
ja für die komplette Behandlung eine Fallpauschale kassiert - müsste für die
Verlagerung über die KV eine Vereinbarung mit den Ärzten aus ihrer Region schließen,
die diese Versorgungs- aufgaben gegen Honorar übernehmen könnten. Mit anderen Worten:
das Honorar würde über den Umweg Krankenhaus von den Kassen an die niedergelassenen
Ärzte fließen. Die Vorteile für beide Seiten: Die niedergelassenen Ärzte könnten ihre
Umsätze steigern, die Kliniken die Zusammenarbeit mit den einweisenden Ärzten stärken.
Was Eckert und Wosniak an der Ostsee proben, fordert in der Hansestadt Hamburg der frühere KV-Vorsitzende Dr. Jens Doering schon seit Jahrzehnten - mehr Mittel für den niedergelassenen Bereich zu Lasten des kostenintensiven stationären Sektors. Der heutige Ehrenvorsitzende begründet seinen Vorschlag mit Einsparmöglichkeiten in Milliardenhöhe. So viel ambulant wie möglich, so viel stationär wie nötig - das war vor 30 Jahren auch schon bekannt, wurde von den Verantwortlichen aber nie ernsthaft verfolgt, so die Kritik des 83-jährigen Hamburgers. Die Verantwortlichen , das sind für Doering die Krankenkassen und die Politiker. Die Politiker scheuen die Verantwortung und den Kassen war es lange Zeit egal, wie teuer die Leistungen erbracht wurden. Die Leistungsverlagerung wurde viel zu spät angepackt, kritisiert Doering. Die zögerliche Förderung der niedergelassenen Mediziner habe teure Folgen. Die Zusammenarbeit niedergelassener Ärzte in Praxiskliniken und Ärztehäusern oder der Aufbau von Schwerpunkt- und Notfallpraxen sei in vielen Regionen unzureichend oder zu spät erfolgt. Ziel müsse nun sein, möglichst viele ambu- lante Leistungen durch niedergelassene Mediziner zu erbringen. Die neue Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt lässt bei Doering Hoffnung aufkeimen, weil sie nach seiner Einschätzung vorurteilsfrei die Probleme im Gesundheitswesen anpackt. Die von ihm angemahnte Stärkung des niedergelassenen Bereichs hatte übrigens schon vor über 30 Jahren ein prominenter Politiker versucht umzusetzen. Der frühere SPD-Vorsitzende Herbert Wehner hatte in einem Grußwort an einem Deutschen Ärztetag in den 60er Jahren versprochen: Wir werden doch nicht das teuerste Instrument, die Krankenhäuser, mit zusätzlichen ambulanten Leistungen belasten. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen eine andere Sprache. Nur 45 % der gesamten Gesundheitsausgaben in Deutschland fließen in den ambulanten Bereich. (di) |
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 04 / 2001 S. 31 / 32 |
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