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Sportmedizinische Aspekte des
Muskelkrafttrainings
Michael Siewers
Problemstellung
Neben den seit langem bekannten positiven Eigenschaften des
Herz-Kreislauftrainings für die Gesundheit hat das Krafttraining, mit Ausnahme einer
sportartspezifischen Belastung, eher ein Schattendasein geführt. Obwohl seit langem
bekannt ist, dass ein wohldosiertes Krafttraining dem altersbedingten Kraftverlust
entgegenwirkt und damit auch eine bessere Lebensqualität absichert.
Die zunehmende Automatisation und Technisierung geht in unserer Gesellschaft bei vielen
Menschen mit einer Abnahme der körperlichen Aktivität einher.
Viele Menschen immobilisieren ihren Bewegungsapparat über lange Jahre, wenn sie ihm neben
der täglichen, meist sitzenden beruflichen Tätigkeit, zusätzlich durch eine körperlich
inaktive Freizeitgestaltung die notwendigen Bewegungs- und Belastungsreize vorenthalten.
Tätigkeiten, die in jungen Jahren leicht bewältigt wurden, werden dann im Alter zur
Anstrengung.
Aber auch neue Lebensumstände sowie die Reizüberflutung durch Fernsehen und andere
Massenmedien sind bereits in den Reifejahren schwerwiegende Faktoren, die das harmonische
Zusammenspiel der geistigen und körperlichen Gesamtentwicklung nachhaltig behindern
können und zwangsläufig dem Stress ähnliche Reaktionen hervorrufen. Hinzu kommt, dass
derartige Reizüberflutungen in der Regel mit Bewegungsmangel verbunden sind (Hahn 1982).
Jedes Organ reagiert bei Unterforderung nicht nur mit einer Abnahme der
Leistungsfähigkeit im Sinne atrophischer Prozesse, sondern wird parallel dazu auch
krankheitsanfälliger und in seiner Kompensationsbreite zunehmend eingeschränkter.
Die durch Bewegung erzielbaren Leistungszuwächse der einzelnen Organsysteme erfahren eine
rückläufige Entwicklung und lassen sich in ihren späteren Manifestationsbildern in
stark vereinfachter Form unter dem Begriff der Haltungsschwächen, der
Organleistungsschwächen und der koordinativen Schwächen zusammenfassen.
Diese pathogene Entwicklung mit all ihren schwerwiegenden Folgen für Lebenserwartung,
Lebensqualität und Leistungsfähigkeit kommt ganz besonders deutlich zum Ausdruck beim
heranwachsenden Menschen, bei dem aus einem Mangel an biologischen Entwicklungsreizen -
bei der zwingenden Korrelation der körperlichen Entwicklung mit der geistig-seelischen
Entfaltung - eine Störung der Gesamtpersönlichkeit resultieren muss.
Mit der Reduktion an Muskulatur und dem erheblichen Kraftverlust können mit zunehmendem
Alter gravierende Nachteile für die Gesundheit und Lebensqualität resultieren.
Insbesondere, da man heute weiß, dass die Muskelmasse vom 20. bis 70. Lebensjahr um ca.
40 % abnimmt und es bereits ab dem 30. Lebensjahr zu einer deutlichen Abnahme der
Muskelkraft kommt.
Mit zunehmendem Alter wird häufig auch eine Gewichtszunahme beobachtet, die eine
Mehrbelastung für den Bewegungsapparat (z. B. Gelenke) bedeutet. Die Beanspruchung sowohl
des Stütz- und Bewegungsapparates, als auch des Herz-Kreislaufsystems, nimmt dabei durch
die wachsende Diskrepanz zwischen Gewichtszu- nahme einerseits und Muskelkraftabnahme
andererseits stetig zu.
Die Auswirkungen von Bewegungsmangel begünstigen nicht nur degenerative Erkrankungen des
Herz-Kreislaufsystems, sie beeinflussen auch unseren Bewegungsapparat negativ. Die
vernachlässigte, geschwächte Muskulatur kann ihre Aufgaben nicht mehr voll erfüllen.
Rückenbeschwerden und Haltungsprobleme, Osteoporose, erhöhte Sturz- und
Verletzungsgefahr aufgrund fehlender Muskelkraft zur Durchführung von Abfang- und
Ausgleichsbewegungen, Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei
Alltagsarbeiten und Verlust der Selbstständigkeit, wenn alltägliche Dinge wie
Treppensteigen und das Tragen von Lasten Mühe bereitet, sind nur einige der Probleme, die
im Zusammenhang mit der reduzierten muskulären Leistungsfähigkeit auftreten.
Hintergründe
Die sportliche Leistung eines Menschen hängt von vielen Faktoren ab. Die Basis
ist eine gute Entwicklung der grundmotorischen Fähigkeiten, die der Mensch bereits von
Geburt an besitzt. Deren Entwicklung zu sportlichen Fertigkeiten kann nur über
sportliches Training erreicht werden.
Sportliche Leistungen sind vor allem Bewegungsleistungen, wobei die Bewegung auf der
beschleunigten Wirkung von Kräften beruht. Diese Zusammenhänge verweisen zunächst auf
die fundamentale Bedeutung der Muskelkraft bei sportlichen Leistungen. Nun ist es relativ
einfach, die Wirkung der Muskelkraft auf der Grundlage mechanischer Gesetze zu
beschreiben, wenngleich damit auch die Zusammenhänge des Kraftverhaltens im Rahmen
sportlicher Bewegungen nicht hinreichend zu erklären sind, da koordinative Aspekte
weitgehend unberücksichtigt bleiben müssen.
Die Bildung von Kraft ist eines der wesentlichen Leistungsmerkmale der Muskulatur, wobei
vor allem der Skelettmuskel aufgrund seiner Mikrostruktur zu hohen Leistungen befähigt
ist. Für jede Bewegung braucht der Mensch Kraft, ob die Bewegungen lang oder kurz sind,
ob sie gegen große oder geringe Widerstände laufen oder ob sie mit hohem Tempo oder
langsam durchgeführt werden. Die Kraftfähigkeit bildet somit neben Parametern wie
Ausdauer und Schnelligkeit den entscheidenden muskulären Antrieb für das Erlernen und
Ausführen sportlicher Bewegungen. Jede sportliche Leistung ist vom Niveau dieser
Fähigkeiten abhängig. Die Betrachtung der einzelnen Fähigkeiten zeigt die Notwendigkeit
ihrer Abgrenzung zueinander. Sie zeigt aber auch, dass Ausdauer, Schnelligkeit und Kraft
nicht völlig voneinander trennbar sind, sondern sich in bestimmten Bereichen
überschneiden bzw. bedingen.
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| Wärmen Sie sich vor jedem
Training gut auf. Beginnen Sie mit leichten Übungen, die zunächst nur den Kreislauf in
Schwung bringen sollen. |
Da nun alle Bewegungen und Haltungen durch Kräfte
realisiert werden, müssten konsequenterweise auch der Dauerlauf oder der Sprint als
Dimension des Kraftverhaltens bezeichnet werden, d. h. auch die Durchführung eines aus
internistischer Sicht wünschenswerten Ausdauertrainings zur Prävention degenerativer
Herz-Kreislauferkrankungen ist ohne ein Mindestmaß an Kraft nicht möglich.
Kraft wird in fast allen Sportarten in unterschiedlicher Ausprägung benötigt. So ist die
Kraft in Sportarten wie Gewichtheben und einigen Disziplinen der Leichtathletik ein
leistungsbestimmender Faktor, in anderen Sportarten muss die Kraft neben der Technik und
Taktik lediglich optimal, nicht maximal geprägt sein.
In der Literatur wird häufig das allgemeine und das spezielle Krafttraining
unterschieden. Unter einem allgemeinen Krafttraining versteht man eine den ganzen Körper
umfassende Kräftigung der Muskulatur, unabhängig von der bevorzugt betriebenen Sportart,
der Bewegungsstruktur oder dem muskulären Anforderungsprofil. In der Sportpraxis gibt es
nicht die Muskelkraft schlechthin. Sie verhält sich entsprechend den sportart- bzw.
anwendungstypisch motorischen Anforderungen und Einsatzbereichen unterschiedlich, so dass
zwischen drei Kraftfähigkeiten differenziert werden kann: Maximalkraft, Kraftausdauer,
Schnellkraft (Güllich/Schmidtbleicher 1999).
Um diese Kraftfähigkeiten von anderen konditionellen Fähigkeiten, wie der Schnelligkeit
oder der Ausdauer, die natürlich auch durch Kräfte verursacht werden, abzugrenzen,
spricht man nur dann von Kraftfähigkeiten, wenn Krafteinsätze vorliegen, die mindestens
30 % des individuellen, maximalen Kraftvermögens (Maximalkraft) entsprechen.
Ab
dem 30. Lebensjahr nimmt die Muskelkraft deutlich ab. |
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Für
jede Bewegung braucht
der Mensch Kraft. |
Anwendungen
Anwendung findet das Krafttraining u. a. in der Prävention, im Freizeit-,
Fitness- und Rehabilitationsbereich sowie im Jugend- und Schulsport, in dem eine
allgemeine Kräftigung der Muskulatur im Vordergrund stehen sollte. Durch ein gezieltes
und dosiertes Krafttraining verbessern sich vor allem leistungsschwache Kinder schnell.
Dabei kommt es nicht nur zu einem Abbau des Kraftdefizites, sondern es wird auch
beobachtet, dass gemäß der Steigerung des Kraftniveaus in allen Sportarten ein
plötzlicher Anstieg auch im Bewegungsverhalten zu verzeichnen ist. Der Kraftgewinn führt
zu Bewegungen, die dynamischer, fließender und präziser sind.
Wenn bereits Körperschwächen vorliegen, kann ein gezieltes Krafttraining als
therapeutische Maßnahme eingesetzt werden. Individuelle Entwicklungsraten und
Belastungsgrenzen sind ohne einen grundlegenden und ständig flankierenden Einsatz
allgemeiner Krafttrainingsformen sehr schnell ausgereizt. Ein regelmäßig durchgeführtes
Krafttraining verhindert Kraftverluste bis ins hohe Alter und auch nach jahrelanger
körperlicher Inaktivität, z. B. bei sitzender Tätigkeit ohne sportlichen Ausgleich,
können durch ein gezieltes Krafttraining noch erhebliche Kraftzuwächse erreicht werden
(Rice et al. 1993 u. a.). Die Kraft ist in allen Altersstufen trainierbar, und ein
Einstieg mit einem individuell angepassten Programm ist jederzeit möglich.
Aber auch im Alltag kommt der Kraft Bedeutung zu. Sei es, um die Einkäufe zu bewältigen
oder einfach nur eine korrekt physiologische Haltung beim Stehen oder Sitzen einzunehmen.
Des Weiteren wird das allgemeine Krafttraining auch im Leistungssport eingesetzt, um
verletzungsbedingte Trainingsrückstände aufzuarbeiten und ein höheres Kraftniveau bei
Leistungssportlern zu erreichen, die bisher kein oder nur wenig Krafttraining
durchgeführt haben, wie z. B. in den Ballspielsportarten. Hier verhindert eine
Kräftigung des Stütz- und Halteapparates Über- und Fehlbelastungen der beteiligten
Strukturen sowie muskuläre Dysbalancen, und stellt häufig die nötige Kraftgrundlage
für ein aufbauendes Training bereit.
Das differenzierte oder spezielle Krafttraining ist ein auf die spezifischen
konditionellen Anforderungen bei Wettkampfdisziplinen ausgerichtete Trainingsform, bei der
primär die an der Zielsportart beteiligten Muskelgruppen trainiert werden. Aus dieser
Spezialisierung ergeben sich mehrere Vorteile: zum einen können Teilbereiche der
Muskulatur effektiver trainiert werden als die Gesamtmuskulatur, zum anderen wird der
Organismus im Wettkampf nicht mit Muskelmasse belastet, die für die Bewegung nicht
notwendig ist, aber trotzdem energetisch versorgt werden muss.
Neben der Leistungssteigerung liegt die Hauptbeanspruchung des gesundheitsorientierten
Krafttrainings bei Sportlern, mit ihrem häufig nur auf die Sportart ausgerichteten
einseitigen Training, vor allem im kompensatorischen Bereich. Ein sinnvoll durchgeführtes
Krafttraining dient hierbei dem Ausgleich muskulärer Dysbalancen, dem Schutz und der
Stabilisierung der im Leistungssport häufig hochbelasteten Strukturen des
Bewegungsapparates.
Im Falle einer Verletzung kommt dem aufbauenden Krafttraining nach der akuten Versorgung
mit zunächst meist isometrischen Methoden eine wichtige Funktion zu. Nur so finden
Sportler schnell wieder in das allgemeine Training zurück und haben die Möglichkeit,
Trainingsrückstände aufzuholen.
Zu den vielen gesundheitlichen Aspekten (z. B. Osteoporoseprophylaxe, Haltungstraining
etc.) kommt zudem noch die Möglichkeit, sein Aussehen zu verbessern und einen
Kraftzuwachs mit vergrößerter Leistungsfähigkeit zu erreichen. Auch die Möglichkeit
der Körperformung durch einen gezielten Muskelaufbau an den gewünschten Körperstellen,
die Gewebestraffung und die Fettreduktion sind weitere Aspekte.
Um diese positiven Effekte nutzen zu können, muss das Training sorgfältig geplant sein.
Nicht alle Methoden und auch Zielsetzungen des Krafttrainings sind für alle anwendbar.
Trainer und Sportler suchen häufig nach den besten Übungen, der besten Methode oder den
besten Trainingsprogrammen zur Kraftentwicklung.
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So gibt es z. B. viele Hinweise zur Intensität,
Wiederho- lungszahl und Trainingshäufigkeit, aber weniger Angaben zur Bewegungsamplitude
oder Regenerationszeiten.
Die Sportlandschaft in der Bundesrepublik Deutschland hat sich in den letzten 20 Jahren
stark verändert. Neben den traditionellen Sportvereinen prägen sie immer mehr
kommerzielle Anbieter. Dies sieht man vor allem bei Fitnessanlagen, in der der
Krafttrainingsbereich eine große Bedeutung hat und sich einer immer größeren
Beliebtheit erfreut. Dabei geht es vielen Aktiven nicht darum, große Muskelberge
aufzubauen, sondern oftmals besteht nur der Wunsch, ihre körperliche Leistungsfähigkeit
zu verbessern.
Gerade das Krafttraining ist in den letzten Jahren auch zum Trendsport geworden, da es
einerseits unserer individualisierten Lebensform der freien Zeitgestaltung sehr entgegen
kommt und andererseits die Möglichkeit bietet, sehr gezielt den Körper bzw. bestimmte
Körperpartien zu kräftigen und zu formen. Um die körperliche Unterforderung
auszugleichen, aber auch um das hohe Ziel, einem Schönheitsideal zu entsprechen,
anzustreben, betätigen sich immer mehr Menschen in ihrer Freizeit sportlich. Gleichzeitig
halten die Medien und bestimmte Industriebranchen unserer Gesellschaft ein
Schönheitsideal vor, das den perfekten und damit erstrebenswerten Körper als groß,
schlank, wohlproportioniert und durchtrainiert darstellt.
Neben den meist sichtbaren körperlichen Erfolgen ist es insbesondere auch die Psyche, die
von einem regelmäßig durchgeführten Krafttraining profitieren kann.
Zusammenfassung
Die Bedeutung des Muskelkrafttrainings ist abhängig von der Zielgruppe und der
Zielsetzung, den Methoden und Trainingsmitteln, aber auch von der Motivation, die den
Menschen zum Krafttraining führt (Auswahl):
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Prävention
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Verringerung des
Verletzungs- u. Verschleißrisikos |
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Stabilisierung des
Stütz- und Halteapparates |
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Kompensation der
altersinduzierten Kraftabnahme |
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Rehabilitation
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Beschleunigung der
Rehabilitation |
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Verringerung und
Vermeidung von Beschwerden |
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Wiederaufbau der
Leistungsfähigkeit |
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Leistungssteigerung
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Kraftzuwachs |
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Vermeidung einseitiger
Belastungen |
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Verbesserung der
neuromuskulären Koordination |
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Körperformung
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Aufbau und Profilierung
von Muskelmasse |
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Verringerung des
Körperfettanteils |
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Gewichtssteigerung oder
-reduktion |
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Psychische
Effekte
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Steigerung des
Selbstwertgefühls |
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Entwicklung von
Körperbewusstsein |
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Verbesserung der
Körperwahrnehmung
(modifiziert n. Boeckh-Behrens/Buskies 1995) |
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Ausblick
Welche Bedeutung wird das Muskelkrafttraining in der Zukunft haben?
80 Jahre alt und trotzdem noch fit und sportlich wie ein 30-Jähriger unter Anabolika? Das
könnte einmal Realität werden.
Normalerweise regenerieren sich beschädigte und geschwächte Muskeln von alleine. Im
Laufe der Jahre aber verliert das zuständige Wachstumsgen namens IGF-I (insulin growth
factor I) an Kraft, so dass der natürliche Muskelaufbau gestört wird.
Amerikanischen Forschern (Barton-Davis et al. 1998) gelang es erstmals im Tierversuch, das
Wachstumsgen IGF-I über einen harmlosen Virus in altersschwache Muskelzellen zu
implantieren. Daraufhin wurde der natürliche Reparaturprozess wieder in Gang gesetzt und
ein Anstieg in der Leistungsstärke der Muskeln von 27 % erreicht. Damit waren die
älteren Mäuse muskulär wieder genauso stark wie in ihren jungen Tagen.
Muskelkrafttraining und/oder Genmanipulation, eine Wahl, die die Freude und den Spaß an
der Bewegung hoffentlich nie in Frage stellen wird.
Literatur beim Verfasser.
Dr. Michael Siewers, Institut für Sport und Sportwissenschaften der
Christian-Albrechts-Universität Kiel, Olshausenstr. 40, 24098 Kiel |

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 03/2001
S. 51 - 55 |