Tagung
in Hamburg
Qualität im GesundheitswesenKommen
Ärzte vor lauter Dokumentieren nicht mehr zum Behandeln?
Wer glaubte, Qualität im Gesundheitswesen sei kein zentrales Thema in der
aktuellen Situation, musste sich beim gleichnamigen 2. Hamburger Forum vom 14. - 16.
Februar eines Besseren belehren lassen. Wenn Qualität mit Geld (Ausgaben oder Einnahmen)
gekoppelt ist, kann sie von großer Bedeutung für einzelne Krankenhäuser und andere
Anbieter werden. Entsprechend vielfältig waren die Aktivitäten und Projekte, die von
über 300 Referenten und Teilnehmern (auch aus Schleswig-Holstein) vorgestellt wurden. Die
Themenbreite erklärte sich schon durch die relativ große Zahl von nunmehr acht
Veranstaltern: GQMG (Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung),
Hamburgische Krankenhausgesellschaft, Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung
Hamburg, Uni-Klinik Eppendorf, Gesundheitsbehörde (BAGS), Fachhochschule Hamburg,
Hamburgische Pflegegesellschaft und Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe.
Bei aller Zurschaustellung der eigenen Kompetenz kam die Kritik nicht zu kurz,
entsprechend dem Tagungsmotto Alle in einem Boot, aber jeder in seinem
eigenen?!
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Dr. Frank Ulrich
Montgomery
(Foto: Ärztekammer Hamburg) |
Aus der Sicht der Ärzteschaft und der
Krankenhäuser kritisierten Dr. Frank Ulrich Montgomery (Hamburger Kammerpräsident und
mb-Vorsitzender) und Manfred Gotthard (Vizepräsident des Verbandes der
Krankenhausdirektoren VKD, Münster) die Rolle des Staates in den letzten Jahren:
Die Geschichte der politischen Regelung der Qualitätssicherung(QS) in Deutschland
ist ein Trauerspiel! (Montgomery) Krankenhäuser seien nicht nur doppelt zur QS
verpflichtet (in- und extern), sondern auch noch durch Vergütungsabschläge bedroht (§§
135 ff. SGB V, insbesondere § 137 Abs. 1 Nr. 4). Hinzu kämen unzureichende Finanzmittel,
eine überhastete DRG-Einführung mit zunehmenden Dokumentationslasten: Müssen
Ärzte wirklich dokumentieren, dass sie vor lauter Dokumentieren kaum mehr zum Therapieren
kommen? (Gotthard)
Qualitätssicherung sei in Deutschland eine zentrale Aufgabe der Ärzteschaft, aber nicht
nur der Ärzte, sondern interdisziplinär auch von anderen Heilberufen, von
Sozialversicherungsträgern oder anderen. Die Ärzteschaft, so Montgomery, habe allerdings
lange Erfahrungen auf diesem Gebiet. Sie sichere die Prozessqualität schon seit den 20er
Jahren durch die Berufsordnung, die Strukturqualität durch Aus- und Weiterbildung und die
Ergebnisqualität durch wissenschaftliche Studien. Auch die nicht einfachen Hindernisse
auf dem Weg zu noch mehr Qualität wie die Abflachung der Hierarchie im Krankenhaus
könnten die Beteiligten gemeinsam lösen: Der Staat soll nur ein (anständiges)
Boot zur Verfügung stellen, rudern können wir schon selber! (hk) |

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 03/2001
S. 41 |