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Aus Schleswig-Holstein

Jetzt hört Gorm Grimm endgültig auf
Drogenarzt gibt seine Zulassung zurück
Tim Holborn

Der Kieler Arzt Dr. Gorm Grimm hat seine Praxis geschlossen. Der Mediziner, der mit der umstrittenen Behandlung drogenabhängiger Patienten immer wieder für Schlagzeilen sorgte, kündigte gestern an, seine vertragsärztliche Zulassung zurückzugeben. Die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen hätten ihn derart zermürbt, dass er nun Rente beantragt habe.
Eine acht Zeilen lange Erklärung an den Zulassungsausschuss für Ärzte in Schleswig-Holstein zieht jetzt wohl endgültig einen Schlussstrich unter eine der schillerndsten Ärztekarrieren der Bundesrepublik Deutschland. Im Rechtsstreit mit der Bundesopiumstelle um den Erhalt von Betäubungsmittelrezepten hatte Grimm im Oktober 1999 die vielleicht vorentscheidende Niederlage vor dem Oberverwaltungsgericht in Berlin erlitten. Und ohne diese Rezepte konnte der als Drogenarzt bekannt gewordene Mediziner seine Behandlung mit dem codeinhaltigen Hustenmittel „Remedacen“ und Methadon nicht fortsetzen.
Grimm selbst sah zuletzt keine Chance mehr, den formell noch nicht abgeschlossenen Rechtsstreit gegen die Bundesopiumstelle zu gewinnen. „Da passiert überhaupt nichts“, klagte er gestern. Noch nicht einmal ein Termin sei für das Hauptverfahren anberaumt worden. Im letzten halben Jahr habe er allein in seiner Praxis im Sophienblatt 50 gearbeitet. Hauptsächlich Alkoholkranke, Schmerzpatienten und an Morbus Crohn Erkrankte habe er behandelt. Den Schmerzpatienten empfiehlt er eine Behandlung in der Schmerz-Ambulanz im Schwanenweg 21 (Tel. 0431/597-2982) und den an Morbus Crohn Erkrankten bei Prof. Stefan Schreiber (Tel. 0431/597-1279) in der Uni-Klinik für Allgemeine Innere Medizin.
In der etwa 25 Jahre währenden Zeit als Arzt hat Gorm Grimm eine riesige Zahl kleiner und großer Rechtsstreitigkeiten überstanden. Berufsverbote hat der Mediziner ebenso abgewehrt wie den Vorwurf der fahrlässigen Tötung. Immer wieder gelang es Grimm im Laufe der Jahre, seine Patienten zu mobilisieren. Mit Briefaktionen und sogar Demonstrationen traten sie für „ihren“ Arzt ein, der unbestritten zu den Pionieren der Substitutionsbehandlung gehört. In Spitzenzeiten hatte er bis zu 800 Patienten aus fast ganz Deutschland in seiner Kartei. Kritiker, darunter das OVG Berlin, warfen ihm daraufhin immer wieder vor, Rezepte ohne ausreichende Untersuchung und psychosoziale Begleitung auszustellen. Außerdem tauchten auch immer wieder vor allem codeinhaltige Präparate auf dem „schwarzen Markt“ auf.

Dr. Gorm Grimm
(Foto: Volker Rebehn)

Die Folge: Das Sozialministerium und die Kassenärztliche Vereinigung, die Grimm jahrelang unterstützt oder seinem Tun zumindest schweigend zugesehen hatten, entzogen ihm vor etwa zwei Jahren offen ihre Gunst. Grimm sieht heute eine konzertierte Aktion, um ihn scheitern zu lassen. „Ich habe auch einfach keine Lust mehr“, begründet der 59-Jährige seinen Rückzug aus der Praxis, die komplett geschlossen werden soll. Die jahrelangen Kämpfe hätten auch seine Gesundheit stark angegriffen. Was aus seinen Patienten geworden ist, die er vor Tod und Verelendung bewahrt habe, interessiere niemanden, klagt Grimm. Nach seinen Informationen sei die Hälfte der etwa 800 Patienten wieder im Untergrund gelandet. Die andere Hälfte ist möglicherweise in anderen Substitutionsbehandlungen untergekommen. Ob der Arzt einen unbeschwerten Lebensabend genießen kann, hält er für fraglich. Noch ein gutes Dutzend Verfahren sei offen. Da drohten ihm neben dem Entzug der Approbation auch Schadensersatzforderungen der Krankenkassen in Höhe von etwa 50 Millionen Mark.

Tim Holborn, Kieler Nachrichten vom 26.01.2001, mit freundlicher Nachdruckgenehmigung

SH Ärzteblatt 03/2001

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 03/2001

S. 31 / 32

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