| Auch für
Psychiatrie Budgets Regionale Budgets sollen im kommenden Jahr in
verschiedenen Landkreisen Schleswig-Holsteins in der psychiatrischen Versorgung erprobt
werden. Ausgenommen bleibt vorerst das Honorar der niedergelassenen Psychotherapeuten.
Pinneberg, Dithmarschen, Nordfriesland und das Herzogtum Lauenburg werden als erste
Kandidaten für die regionalen Budgets gehandelt.
Tageskliniken, Institutsambulanzen und vollstationäre Einrichtungen erhalten dann ein
trägerübergreifendes Budget, das für mehrere Jahre festgeschrieben wird. Ziel ist es,
die verschiedenen Anbieter zu einer besseren Kooperation anzuhalten und die Patienten in
die für sie jeweils sinnvollste Einrichtung zu bringen. Die Krankenkassen hoffen damit
auf eine bessere Patientensteuerung, bei der die einweisenden Ärzte unbelastet von
Budgetfragen entscheiden können.
Das ist zurzeit nach Beobachtung der Kassen nicht immer der Fall. Jede Einrichtung
versuche derzeit, seine eigenen Kapazitäten möglichst gut auszulasten. Den Kassen sind
die stark steigenden Kosten in der psychiatrischen Versorgung schon seit längerem ein
Dorn im Auge. Sobald eine neue Abteilung eröffnet hatte, war sie auch schon
ausgelastet, berichtete VdAK-Krankenhausreferent Ludger Buitmann - ohne den Bedarf
zu leugnen. Kostentreibend habe sich neben dem Streben nach optimaler Auslas-tung auch die
in Schleswig-Holstein vorangetriebene Dezentralisierung der Psychiatrie ausgewirkt. Von
1991 stiegen die Ausgaben der schleswig-holsteinischen Krankenkassen in diesem Bereich von
145 Millionen DM auf fast 380 Millionen DM in 2000. Mit Einführung der regionalen Budgets
soll Schluss sein mit der Kostenexplosion. Jede Region erhielte einen ausgehandelten
Betrag für die Versorgung. Bei Überschreitungen müssten die Kassen nicht zahlen. Um mit
dem Geld auszukommen, so die Kalkulation der Kassen, werden die Einrichtungen also
versuchen, die Patienten medizinisch und wirtschaftlich optimal zu betreuen. Zu schnelle
Entlassungen und damit eine schlechtere Versorgung ihrer Versicherten befürchten die
Kassen nicht. Die Wieder-Einweisung wäre teurer. Die Einrichtungen würden sich ins
eigene Fleisch schneiden. Verschiebungen zwischen den einzelnen Kreisen sollen durch
eine detaillierte Dokumentation und Kontrolle verfolgt werden und sich auf das Budget
auswirken. Gefallen findet an dem Modell auch das Sozialministerium. Wir begleiten
das mit Wohlwollen, erklärte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde. Auch Günter
Jansen von der Kieler Gesellschaft für Systemberatung im Gesundheitswesen (GSbG) hält
die regionalen Budgets für ein wirksames Steuerungsinstrument. Er rät zunächst aber zu
einem vorsichtigen Start. Um Auseinandersetzungen zu vermeiden, sollte das Modell in
Regionen erprobt werden, in denen sich die Einrichtungen überwiegend in einer Hand
befinden. (di) |

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 03/2001
S. 26 / 27 |