Lehrstuhl
für Allgemeinmedizin in Kiel errichtet
Klaus Peter StritzelAls der Förderverein zur Errichtung
eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin in Schleswig-Holstein am 14. Februar 1996 in
Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Schleswig-Holstein in Bad Segeberg ein Symposium
Lehrstuhl für Allgemeinmedizin in Schleswig-Holstein veranstaltete, schrieb
die Ärztekammer in ihrem Grußwort für das Begleitheft unter anderem:
Wir möchten an dieser Stelle etwas zum Schmunzeln einflechten. Wir
fanden es bei Cohen/Stewart, Chaos - Antichaos. Ein Ausblick auf die Wissenschaft des 21.
Jahrhunderts, Berlin 1994, S. 79:
Auf einer Abendgesellschaft stellt die Frau des Hauses ihren Gästen den berühmten Mann
vor: »Dies ist Professor M. Er ist eine Autorität auf dem Gebiet der Krokodile.«
»Gnädige Frau«, sagt der Professor mit einem Lächeln der Bescheidenheit, »Sie tun mir
zu viel Ehre an. Es sind die Augenlider des Krokodils, bei denen ich mich auskenne«.
Die Pointe liegt für uns nicht darin, dass Prof. M. sich als Organ-Spezialist zu
erkennen gibt, sondern dass er sich geschmeichelt fühlt oder zumindest nicht darüber
erschrocken ist, dass die Gastgeberin ihn für einen Generalisten gehalten hat. Dies ist
nach unserer Einschätzung ein liebenswerter Zug an ihm. Wir hoffen, dass genügend seiner
Kollegen, auch an den deutschen medizinischen Fakultäten, ebenfalls den Generalisten
gegenüber hinreichend aufgeschlossen sind, um der Allgemeinmedizin den ihr gebührenden
Platz in Forschung und Lehre einzuräumen.
Diese Hoffnung hat sich schließlich in Kiel erfüllt: Mit Wirkung vom 1. Januar
2001 hat Prof. Dr. Ferdinand M. Gerlach, MPH (Master of Public Health), seinen Dienst als
C 4-Professor und Direktor eines Instituts für Allgemeinmedizin im Klinikum der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angetreten.
Auf dieses Ergebnis hinzuarbeiten, erforderte bei allen Freunden und Förderern der
Institutionalisierung der Allgemeinmedizin an einer schleswig-holsteinischen Universität
einen langen Atem, großen Optimismus, viel Geduld und mitunter eine hohe
Frustationstoleranz.
Sachlage
Mehr als die Hälfte aller niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist
hausärztlich tätig. Schätzungsweise 75 % aller ärztlichen Verordnungen werden von
hausärztlich tätigen Ärztinnen und Ärzten ausgestellt.
Trotzdem ist das Mutterfach der hausärztlichen Versorgung, die Allgemeinmedizin, bisher
an den Universitäten in Schleswig-Holstein unterrepräsentiert gewesen: Von den mehr als
150 Professuren an den Medizinischen Fakultäten in Kiel und Lübeck war keine der
Allgemeinmedizin zugeordnet. Der Unterricht wurde vielmehr - für ein so wichtiges
Prüfungsfach nur schwer verständlich! - durch nebenberufliche Lehrbeauftragte erteilt.
Das bedeutete trotz hohem Engagement der Lehrbeauftragten
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unzureichende
Unterrichtsmöglichkeiten, |
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mangelhafte
Einwirkungsmöglichkeiten auf die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Allgemeinmedizin
und nicht zuletzt |
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fehlende
Forschungsmöglichkeiten |
in einem Fache, das ja keineswegs - wie man
mitunter offenbar meint - ein bloßes Querschnittsfach
(- etwa bestehend lediglich aus Basisinhalten der Inneren Medizin, der Chirurgie
und anderer medizinischer Spezialgebiete -) ist, sondern sich eigenständig nicht nur
einer organorientierten Krankheit, sondern dem ganzen Menschen - in seinem Umfeld und in
allen Lebensaltern - in somatischer, psychischer und sozialer Hinsicht zuwendet.
Auch im übrigen Deutschland ist der Grad der Institutionalisierung der Allgemeinmedizin
an den Medizinischen Fakultäten überwiegend nicht zufriedenstellend. Es gibt ganz
unterschiedliche Konstruktionen zwischen einer vol-len Etablierung als Abteilung oder
Institut mit einer Professorin oder einem Professor nach C 4 (Düsseldorf, Frankfurt,
Göttingen, Hannover) über halbe Stellen und Werkverträge bis hin zu nebenberuflichen
Lehraufträgen (wie bisher in Schleswig-Holstein).
Ganz anders ist die Situation in anderen Staaten mit vergleichbarem Gesundheitssystem. An
jeder niederländischen, britischen, schwedischen, norwegischen, finnischen, israelischen
oder amerikanischen Hochschule gibt es selbstverständlich einen allgemeinmedizinischen
Lehrstuhl.
An Bestrebungen zur Verbesserung der Lage der Allgemeinmedizin in Deutschland hat es seit
längerem nicht gefehlt. So hat die Konferenz der Gesundheitsminister und -senatoren des
Bundes und der Länder (GMK) am 24.05.1995 ausdrücklich Lehrstühle für Allgemeinmedizin
an allen medizinischen Fakultäten gefordert. Auch der Deutsche Ärztetag hat seit 1995
regelmäßig immer wieder die gleiche Forderung erhoben. Schließlich hat auch der
Wissenschaftsrat in seiner Stellungnahme zu den Perspektiven des Faches
Allgemeinmedizin an den Hochschulen vom 22. Januar 1999, die er auf Wunsch der
Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland
(KMK) gefertigt hat, die Errichtung eines allgemeinmedizinischen Lehrbereichs an jeder
Medizinischen Fakultät oder Hochschule (mit Hospitationsmöglichkeiten in Lehrpraxen
vergleichbar den Lehrkrankenhäusern) und darüber hinaus die Etablierung
allgemeinmedizinischer Forschungszentren vorgeschlagen.
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| Symposium
Lehrstuhl für Allgemeinmedizin in Schleswig-Holstein am 14.02.1996 in der
Fortbildungswerkstatt der Ärztekammer: Ganz oben v. l. n. r.: Vorsitzender des
Fördervereins Dr. Karl Bernhard Schröder, Dekan der Kieler Universität Prof. Miklós
Mályusz, Präsident der Ärztekammer PD Dr. Dietrich Weisner. Foto oben: Karlheinz
Schulte, Geschäftsführer i. R. der AOK Schleswig Holstein und Peter Buschmann als neuer
Vorstandsvorsitzender. Foto rechts: Prof. Dr. Klaus Jork, Hochschullehrer für
Allgemeinmedizin in Frankfurt (Fotos: rat) |
Bestrebungen in Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein haben sich seit langem vor allem die Ärztekammer, die
Kassenärztliche Vereinigung und der Hausärzteverband Schleswig-Holstein im BDA
(Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands - Hausärzteverband - e. V.) für eine
Verbesserung der Situation eingesetzt. Schon 1981 haben Prof. Dr. Egon Grabener als
Präsident der Ärztekammer und Dr. Kunigunde Bachl als Mitglied der Kammerversammlung auf
einer Pressekonferenz in Kiel einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin gefordert.
Hervorzuheben ist aus den seitherigen, wiederholten Bemühungen vor allem die Gründung
einer Arbeitsgruppe der Ärztekammer zusammen mit dem Sozialministerium zur Verbesserung
der hausärztlichen Versorgung im Herbst 1987. Hervorzuheben ist ferner, dass die
Ärztekammer eine Planungsgruppe eingesetzt hatte, die im Jahre 1991 inhaltliche
Vorschläge zur Errichtung eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin in Schleswig-Holstein
erarbeitete.
Da jedoch alle Bemühungen bei der Landesregierung und den beiden Universitäten im Lande
nicht zum gewünschten Erfolg führten, entstand der Gedanke, einen Förderverein
zur Errichtung eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin in Schleswig-Holstein zu
gründen. Nach den erforderlichen Vorarbeiten fand die Gründungsversammlung am 14.
Dezember 1994 in der Fortbildungswerkstatt der Ärztekammer in Bad Segeberg statt.
Gründungsmitglieder waren u. a. die Ärztekammer Schleswig-Holstein, die Kassenärztliche
Vereinigung Schleswig-Holstein und der Hausärzteverband Schleswig-Holstein im BDA e. V.
Als Hauptzweck des Vereins wurde festgelegt, die Einrichtung eines Lehrstuhls für
Allgemeinmedizin an einer schleswig-holsteinischen Hochschule bis zur Übernahme durch das
Land Schleswig-Holstein zu fördern.
Die Aktivitäten des Fördervereins richteten sich zunächst einmal auf das beständige,
meinungs- und akzeptanzbildende Einwirken auf die Entscheidungsträger im Lande. So wurde
- außer z. B. einer Vortragsreihe in der Kieler Universität - das schon eingangs
erwähnte Symposium am 14.02.1996 in Bad Segeberg unter großer Beteiligung und mit
mehreren positiven Rückmeldungen durchgeführt.
Bankverbindung
des Fördervereins:
Deutsche Apotheker- und Ärztebank,
Filiale Lübeck,
Konto-Nr. 000 401 9962, BLZ 230 926 20 |
Daneben bemühte sich der Förderverein vor allem
um die Anwerbung von Mitgliedern und Spendern, um die erforderlichen Geldmittel für
Verhandlungen mit dem Land und den Universitäten über die Errichtung eines Lehrstuhls in
die Hand zu bekommen. Insbesondere die Einwerbung größerer Spenden erwies sich - in
Zeiten überall knapperer Mittel - als sehr mühsam. Die Zahl der brieflichen und
mündlichen Kontakte mit möglichen Spendern ist Legion.
Es war ein Durchbruch, als im November 1996 das Pharma-Unternehmen GlaxoWellcome (jetzt
GlaxoSmithKline) einen namhaften Betrag stiftete. Auf dieser Basis schlossen sich dann
alsbald die Ärztekammer, die Kassenärztliche Vereinigung und die AOK Schleswig-Holstein
an. Im Juni 1997 kam noch das Pharma-Unternehmen Astra (jetzt AstraZeneca) hinzu. Damit
konnte der Förderverein dem Land und den Universitäten sowohl in Kiel als auch in
Lübeck 1,75 Mio. DM als Anschubfinanzierung für einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin
anbieten.
Abschluss eines Stiftungsvertrages
Die Verhandlungen mit dem Land Schleswig-Holstein und den beiden Universitäten
im Lande über die Errichtung des Stiftungslehrstuhls gestalteten sich schwierig. Sie
wurden nicht zuletzt dadurch erschwert, dass an den Universitäten hier und dort
Vorbehalte gegen die von Förderverein gewünschte Form der Institutionalisierung der
Allgemeinmedizin spürbar wurden. Diese gingen z. T. so weit, dass mitunter sogar die
Eigenschaft der Allgemeinmedizin als eigenes Fach und auch ihre Wissenschaftlichkeit
angezweifelt wurden.
Diese Einstellung ist nicht ohne Vorbilder. In der Münchener Medizinischen Wochenschrift
1981 S. 1594 berichten B. Opitz und Mitarbeiter u. a.:
In der Etatdebatte des preußischen Landtages am 01.02.1883 hatte der
Vorsitzende des Deutschen Ärztevereins, Dr. Graf, den Antrag für die Errichtung von
Hygiene-Lehrstühlen an den Universitäten Preußens gestellt. Seitdem die
Reichsregierung das Examen in Hygiene für obligatorisch erklärt hat, tritt an alle
Universitäten die Verpflichtung heran, auch den Studenten Gelegenheit zu geben, sich in
diesem Fach genügend auszubilden ..., sagte Dr. Graf zur Begründung seines
Antrags. Rudolf Virchow war von 1872 bis 1902 Vorsitzender der Rechnungskommission des
Preußischen Landtages und somit entsprechend der parlamentarischen Geschäftsverteilung
für diesen Antrag zuständig. Virchow hielt es nicht für angebracht, dass Hygiene (und
Gerichtsmedizin) in den Fakultäten mit Lehrstühlen vertreten sein sollten. Meine
Herren, wir in den Fakultäten denken ein klein wenig anders als die Herren draußen. Nach
unserer Meinung sind sowohl die Hygiene als die gerichtliche Medizin angewandte
Wissenschaften, welche weder selbstständige Methoden noch selbstständige Objekte in der
Untersuchung haben, führte er aus. In den Fakultäten sollten nur die
wirklich wissenschaftlichen Disziplinen vertreten sein, in deren Vorlesungen sich
dann der Student die verschiedenen Dinge, die in der Hygiene notwendig sind,
aneignen könne. Je mehr die Institutionen gefördert würden, die wirklich
wissenschaftlichen Disziplinen dienen, umso mehr könne man feststellen, dass
das Bedürfnis für hygienische Institute ein sehr mäßiges sei.
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| Engagierte
Podiumsdiskussion am 14.02.1996: v. l. n. r.: Dr. Karl Bernhard Schröder,
Ministerialdirigent Uwe Lützen, Ministerin Heide Moser, Prof. Dr. Klaus Jork, Prof. Dr.
Peter Dominiak und Prof. Dr. Miklós Mályusz |
Um diesen Widerstand zu umgehen und Robert Koch zu
einem Hygiene-Lehrstuhl zu verhelfen, musste der preußische Kultusminister den Umweg
über ein Hygiene-Museum mit angegliedertem Hygiene-Laboratorium gehen. Obwohl die
Berliner Fakultät dazu eine recht zurückhaltende Stellungnahme abgab und dabei u. a.
ausführte,
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Gesundheitslehre
sei ständig die Gesamtaufgabe aller medizinischen Disziplinen, |
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die Proklamierung
einer exakten hygienischen Wissenschaft würde an den definitiven Aufgaben scheitern ...,
die eine Wissenschaft charakterisieren und |
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Hygiene könne
nur dann den Anspruch erheben, exakte Wissenschaft zu sein, wenn sie bestimmte
eigene Forschungsmethoden und feste Grenzen ihres Umfanges besitze, |
konnte schließlich im Frühjahr 1885 ein
Hygiene-Lehrstuhl nebst Institut an der Berliner Universität errichtet und Robert Koch
als ordentlicher Professor berufen werden.
Im Übrigen wurde auch z. B. die Kinderheilkunde zunächst als die Wissenschaft von
den gelben und grünen Windeln verspottet, bevor in Berlin - gegen den Widerstand
der Fakultät - der erste Ordentliche Professor der Kinderheilkunde ernannt wurde.
Der Förderverein zur Errichtung eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin meinte, eine
gewisse grundlegende Parallelität der Situationen zu erkennen. Er verhandelte deshalb
geduldig und unverdrossen weiter und bemühte sich, Überzeugungsarbeit zu leisten. Dabei
fand er auch in den Universitäten immer wieder Zustimmung und Unterstützung seines
Zieles.
Auch bei der Landesregierung fand der Förderverein auf allen Ebenen immer wieder
Verständnis und nachhaltige Unterstützung.
Bei den Verhandlungen mit den beiden Universitäten sah es zunächst so aus, als ob es
gelingen könnte, zu einer Einigung mit der Medizinischen Universität zu Lübeck zu
gelangen. Später jedoch wurden konkretere Ergebnisse in den Gesprächen mit der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel erzielt. Schließlich konnte unter Beteiligung
des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes
Schleswig-Holstein ein auf Kiel bezogener Stiftungsvertrag ausgehandelt werden.
Der am 26.08.1998 zwischen dem Land Schleswig-Holstein, der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, dem Klinikum der
Christian-Al-brechts-Universität zu Kiel und dem Förderverein geschlossene
Stiftungsvertrag sieht die Errichtung einer - in das Klinikum zu integrierenden -
Abteilung Allgemeinmedizin in der Medizinischen Fakultät der Kieler Universität mit
einer C 4-Professur und weiterem Personal vor. Der Förderverein stellt für die ersten
fünf Jahre einen Finanzierungsbeitrag von 1,75 Mio. DM zur Verfügung. Die Finanzierung
im Übrigen, nämlich hinsichtlich der nicht vom Förderverein getragenen Kosten für die
ersten fünf Jahre und hinsichtlich der Gesamtkosten für weitere fünf Jahre, liegt im
Einvernehmen mit dem Land in der Verantwortung der Universität. Der Stiftungsvertrag
lässt aus der Sicht des Fördervereins noch Wünsche offen, sichert aber immerhin den
Bestand und die Finanzierung dieses Lehrstuhls für die nächsten zehn Jahre.
Berufungsverfahren
Auf der Grundlage des Stiftungsvertrages leitete die Medizinische Fakultät der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel das Berufungsverfahren am 21.09.1998 mit der
Ausschreibung im Deutschen Ärzteblatt ein.
Das Berufungsverfahren zog sich relativ lange hin. In der Berufungskommission ergab sich
grundsätzlicher Erörterungsbedarf. Mehrere Kommissionsmitglieder, darunter Prof. Dr.
Gisela Fischer, Leiterin der Abteilung Allgemeinmedizin an der Medizinischen Hochschule
Hannover, die der Berufungskommission auf Vorschlag des Fördervereins angehörte, trugen
dazu Stellungnahmen bei. Auch die Landesregierung und der Förderverein leisteten
Gesprächsbeiträge.
Schließlich konnte sich die Berufungskommission am 20.01.2000 auf eine Vorschlagsliste
einigen. Nachdem der Konvent (Gesamtfakultät) sich angeschlossen und der Senat der
Universität positiv Stellung genommen hatte, konnte das Ministerium für Bildung,
Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein am 04.07.2000 PD Dr.
Ferdinand M.Gerlach auf die Professur für Allgemeinmedizin an der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel berufen.
Der angehende Professor hat seine Berufungsverhandlungen zügig, kompetent und gestützt
auf klare, in mehreren Ausarbeitungen niedergelegte Vorstellungen aufgenommen. Dabei hat
er von vornherein gute, sachorientierte Kontakte zum Förderverein und zu den an der
Fakultät seit längerem tätigen Lehrbeauftragten gehalten.
In den Verhandlungen mit dem Ministerium sowie mit Klinikum und Fakultät traf PD
Dr.Gerlach auf Verständnis und Aufgeschlossenheit. Bei der personellen, sachlichen und
finanziellen Ausstattung des Lehrstuhls zeigte das Klinikum trotz angespannter
Haushaltslage sehr konstruktives Entgegenkommen. Damit waren die Voraussetzungen für die
Annahme des Rufes erfüllt.
Arbeitsbeginn
Seit Jahresbeginn 2001 ist nun Ferdinand M. Gerlach als Professor für
Allgemeinmedizin und Direktor eines Instituts für Allgemeinmedizin tätig. Am 3. Januar
hat ihm Staatssekretär Dr. jur. Stegner in seinem Dienstzimmer im Kieler
Wissenschaftsministerium mit einer kleinen Ansprache seine Einstellungsunterlagen
überreicht. Stegner übermittelte die Grüße und Glückwünsche seiner Ministerin, hob
die von der Kieler Universität durch die Errichtung des Instituts für Allgemeinmedizin
bewiesene Innovationskraft hervor und äußerte seine Überzeugung, dass der neue
Lehrstuhl zur Verbesserung der medizinischen Versorgung der Bevölkerung beitragen wird.
Bei dieser Zeremonie war der Förderverein durch seinen Vorsitzenden, Dr. Karl Bernhard
Schröder, Achterwehr, und durch den Autor dieses Artikels vertreten. Dr. Schröder
übermittelte Prof. Gerlach zu seinem Dienstantritt im Namen des Fördervereins herzliche
Glückwünsche. Er äußerte seine Freude, dass es mit Hilfe des Fördervereins und seiner
Geldgeber nach langen Bemühungen gelungen ist, gemeinsam mit dem Land, der Universität
und dem Klinikum als Partner des Stiftungsvertrages die Allgemeinmedizin an der
Christian-Albrechts-Universität zu etablieren und damit einen spürbaren Kompetenzgewinn
zum Vorteil der Hausärzte und ihrer Patienten zu erzielen.
Prof. Gerlach wird sein Institut in völlig renovierten, neu ausgestatteten Räumen im
Kieler Klinikum (Erdgeschoss eines Schwesternwohnheimes in der Arnold-Heller-Straße 8)
einrichten. Seine Mitarbeiter werden teils zurzeit durch Ausschreibung ermittelt, teils
werden sie ihm aus Hannover folgen, wo er an der Abteilung Allgemeinmedizin der
Medizinischen Hochschule Hannover den Arbeitsbereich Qualitätsförderung leitete.
Die Qualitätsförderung wird denn auch unter seinen Forschungsvorhaben eine besondere
Rolle spielen. Für das Lehrangebot plant er eine grundlegende Erweiterung: die
Einführung eines einwöchigen Blockpraktikums in allgemeinmedizinischen Lehrpraxen für
alle etwa 250 Studierenden eines Jahrganges (entsprechend der Empfehlung des
Wissenschaftsrates).
Ein weiterer Ausbau seiner Lehr- und Forschungsmöglichkeiten würde sich ergeben, wenn es
gelänge, ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschriebenes Programm
zur Förderung der Forschung in der Allgemeinmedizin zu nutzen, das für das
Kieler Institut für Allgemeinmedizin ein Fördervolumen von mehreren Millionen DM
ausmachen könnte. Die Fakultät und Prof. Gerlach haben bereits Kontakt zum
Projektträger des Förderprogramms aufgenommen. Es besteht der Eindruck, dass Kiel gute
Chancen hätte, berücksichtigt zu werden. Leider haben solche Förderungen die
prinzipielle Problematik, dass sie nur etwas anstoßen sollen, d. h. degressiv
angelegt sind, sodass die mit den Fördermitteln geschaffenen Stellen gleitend auf den
Haushalt des Klinikums bzw. der Fakultät übernommen werden müssten. Das ist in den
heutigen Zeiten knapper werdender öffentlicher Haushalte eine ganz schwierige Hürde. Dem
Klinikum, der Fakultät und dem Direktor des neuen Instituts für Allgemeinmedizin ist
viel Findigkeit zu wünschen, um diese Hürde zu bewältigen!
Man sieht also, es gibt für den Förderverein nicht nur ideell-organisatorisch, sondern
auch finanziell noch ein reiches Betätigungsfeld zur Unterstützung des neuen Lehrstuhls,
vor allem wenn es dem Verein gelingt, weitere Fördermittel zu sammeln. Und es gibt für
alle, die diesen Artikel lesen, genug Anlass, weiterhin kleinere oder größere Spenden an
den Förderverein zu leisten. Wir bitten herzlich darum.
Alle, die geholfen haben, hier aufzuzählen und ihre Beiträge zu würdigen oder gar zu
gewichten, ist aus mehreren Gründen, zu denen einmal die Anzahl, aber auch Takt und
Diskretion gehören, nicht möglich. Aber ein herzliches, wenigstens globales Dankeschön
ist auch an dieser Stelle angebracht.
Dr. Klaus Peter Stritzel, Geschäftsführer des Fördervereins
zur Errichtung eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin in Schleswig-Holstein e. V.,
Steffensbrook 29, 24226 Heikendorf |

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 03/2001
S. 20 - 25 |