Aus Schleswig-Holstein |
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Interview mit UKL-Chef Prof. Kömpf In der Februar-Ausgabe (S. 16) hatte das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt bereits auf den überraschenden Vorstoß der Landesregierung zur Zusammenführung der beiden Uni-Klinika und auf den Lübecker Protest hingewiesen. Inzwischen hat eine Phase der Information und Beratung begonnen. Für das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt hat Dr. jur. Horst Kreussler den Ärztlichen Direktor und Vorstandsvorsitzenden des Universitätsklinikums Lübeck (UKL), Prof. Dr. Detlef Kömpf (Direktor der Klinik für Neurologie), um Erläuterungen gebeten.
Prof. Kömpf, in Ihrer ersten öffentlichen Reaktion vom 12. Januar beklagen Sie die Überrumpelung und sagen, Sie hätten Vorgespräche für sinnvoll gehalten. Wären denn echte Vorgespräche - über ein bloßes Nein hinaus - von Ihrer Seite möglich gewesen?
Ja, durchaus. Wir hätten zu einem derart sen-siblen Thema intensive Gespräche begrüßt, wie sie in anderen Bundesländern, etwa in Nordrhein-Westfalen, derzeit im Rahmen einer Strukturkommission geführt werden. Das wäre nur guter Stil. Eine Blockadehaltung von uns ist nicht zu befürchten, im Gegenteil, wir können uns immer eine konstruktive Zusammenarbeit vorstellen, in der man sich auf ein gemeinsames Ziel einigt.
Könnte es sein, dass aus Sicht der Landesregierung eine Überraschungsaktion insofern nicht vorlag, als bereits die rechtliche Verselbstständigung der Kliniken als vorbereitender Schritt in die jetzige Richtung gesehen wird?
Das kann ich nicht sagen, ich glaube eher, dass die Anerkennung unserer Leistung seit eineinhalb Jahren - Verselbstständigung des Klinikums mit dem Ziel besserer Wettbewerbsfähigkeit - durch Staatssekretär Dr. jur. Stegner im Dezember ernst gemeint war. Ich war einer der Befürworter dieses Weges. Die Landesregierung scheint jedoch zu meinen, unsere bisherigen Kraftanstrengungen reichten nicht aus, um in den kommenden Jahren den (bereits seit 1996 um 15 Millionen DM reduzierten) Landeszuschuss weiter rasch und kräftig absenken zu können.
Sie haben ein überzeugendes Konzept gefordert - wie könnte Ihr Beitrag dazu aussehen?
Wir arbeiten an einem Eckwertepapier, das zeigt, dass eine Fusion wahrscheinlich nicht der richtige Weg ist, um das notwendige Ziel zu erreichen. Wir halten es für sinnvoller, ein lebensfähiges, eigenständiges und weitgehend vollständiges Uni-Klinikum zu bleiben. Dazu gehört auch ein Konzept für die gesamte Region, man könnte es Med-Regio Schleswig-Holstein-Süd-Konzept nennen.
An welche Partner denken Sie dabei?
Dazu gehören Kliniken wie das Lübecker Krankenhaus Süd, das Priwall-Krankenhaus, die Curschmann-Klinik oder das Krankenhaus in Bad Oldesloe.
Sehen Sie noch eine andere Kompromissmöglichkeit, vielleicht einen Vorstand mit (gleichberechtigtem) Doppelsitz in beiden Klinika oder sogar mit dem Hauptsitz in Lübeck?
Nein, wir möchten uns auf die Idee von nur einem
Vorstand, der auch für das andere, 85 km entfernte Klinikum zuständig ist, am Besten gar
nicht einlassen. Eine Fusion so weit auseinander liegender Klinika wäre - ganz anders als
in Berlin oder München - einmalig in Deutschland: zwei Universitäten, zwei Fakultäten,
ein Klinikum.
Wie können Sie in einer solchen Grundsatzdiskussion darlegen, dass eine Fusion zu Qualitätsverlusten in Forschung, Lehre und Krankenversorgung führen würde?
Über kurz oder lang würden einige Fächer auf das Versorgungsniveau eines guten kommunalen Krankenhauses abgesenkt werden müssen. Damit würde die Krankenversorgung wohl am wenigsten leiden, denn für viele Patienten ist dieser Standard ausreichend. Der universitäre Überbau Forschung und Lehre würde jedoch sicher mehr und mehr beschnitten, denn vermutlich müsste an beiden Standorten jeder frei- werdende Lehrstuhl zur Disposition gestellt werden. Reales Beispiel ist ja die Rechtsmedizin mit nur noch einem Lehrstuhl in Kiel.
Ein Beispiel für drohende Qualitätsminderung in der Forschung?
Ich frage mich, was wird sein, wenn ältere Lehrstuhlinhaber emeritiert werden. Ich sehe dann die Gefahr, dass Lübeck oder Kiel solche Fächer nach und nach verliert. Wir hätten dann zwar noch eine Fakultät und Kliniken, aber eben mit erheblichen quantitativen und qualitativen Lücken.
Gilt das auch für die Lehre?
Ja, zwar soll Lehre sicherlich weiterhin an beiden Standorten stattfinden, aber eben z. B. nicht mehr mit der Möglichkeit einer Promotion vor Ort. Die Attraktivität jedes Standorts würde für Dozenten wie Studenten eindeutig sinken.
Was will das UKL in dieser Situation und zu diesem Zeitpunkt tun?
Die Information steht im Vordergrund: Wir müssen einfach mehr erfahren, als das, was in der Zeitung steht. Einen Gesprächstermin bei der Ministerpräsidentin haben wir noch nicht. Ein wichtiger Termin wird die nächste (außerordentliche) Aufsichtsratssitzung Mitte März sein. Viel Zeit bleibt nicht, denn wenn schon 2003 eine Neuorganisation greifen soll, müssten die Grundentscheidungen wegen des langen parlamentarischen Vorlaufs noch bis zu diesem Herbst fallen.
Wie schätzen Sie die Lübecker Erfolgsaussichten ein? Können Sie auf Bundesgenossen zählen?
Das ist schwer abzuschätzen, aber wir sind
selbstbewusst, mit gutem Grund. Bundesgenossen, die die Bedeutung eines
Universitätsklinikums in der Region erkannt haben, haben wir in der Wirtschaft
(Medizin-Technik!), in der Region und besonders bei der Stadt.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Prof. Kömpf. Dr. jur. Horst Kreussler, An der Karlshöhe 1, 21465 Wentorf |
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 03/2001 S. 15 - 17 |
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