Aus Schleswig-Holstein |
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Pflege nur mit zusätzlichen Mitteln Unter den Beteiligten herrschte Konsens: Die Pflegequalität in den schleswig-holsteinischen Heimen muss erhöht, Defizite müssen abgebaut werden. Über den Weg zum Ziel aber gab es auf der Fachtagung der Ersatzkassenverbände am 23. Januar in Kiel unterschiedliche Auffassungen. Hauptstreitpunkt: Wer stellt die notwendigen Mittel zur Verfügung?
Wie aktuell das in Kiel vor 350 Teilnehmern
diskutierte Thema war, zeigte wenige Tage später der Fall eines Pflegeheimes in
Harrislee. Dort hatte der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) nach einer
Stichprobenprüfung eine Reihe von Pflegemängeln aufgedeckt. Das Heim darf vorerst nur
unter strengen Auflagen weiterarbeiten. Über den künftigen Betrieb soll im April
entschieden werden. Schönreden wollte auch in Kiel niemand das Problem. Auch AWO
(Arbeiterwohlfahrt)- Landesgeschäftsführer Volker Andresen, dessen Organisation
landesweit sechs der 583 Heime betreibt, sah Bedarf für Kontrollen. Klar ist, dass
im Interesse der Pflegebedürftigen wirksame Prüfungen stattfinden müssen.
Deutlich wurde allerdings auch, dass ohne
zusätzliche Mittel Verbesserungsvorschläge kaum zu realisieren sind. Zum Beispiel in der
Ausbildung. Rund 20 000 Beschäftigte sind in der Pflege in Schleswig-Holstein tätig,
über eine entsprechende Ausbildung verfügt nicht einmal jeder zweite von ihnen. Zurzeit
gibt es rund 2 000 Auszubildende in diesem Bereich, obwohl Fachkräfte händeringend
gesucht werden. Weil in der Vergangenheit die Ausbildung nicht vergütet wurde,
entscheiden sich aber immer weniger junge Leute für den Pflegeberuf. Erst gemeinsame
Anstrengungen von Land und Kassen zur Förderung der Ausbildung konnten Abhilfe schaffen.
Heberleins Fazit: Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem. Er forderte, Prüfungen auch unangemeldet durchführen zu können und die Aus- und Fortbildung zu fördern. Und für ihn steht fest: Eine bessere Pflege ist nicht zum Nulltarif zu haben. Es gibt aber noch weitere Defizite, die nicht allein mit Geld zu beheben sind.
VdAK-Pflegeexperte Paul-Jürgen Schiffer bemängelte etwa fehlende Standards für
Pflegequalität oder unzureichende Daten über den tatsächlichen Pflegebedarf.
Andere Länder sind da deutlich weiter, kritisierte Schiffer. Auch Ärzte
könnten dazu beitragen, Missstände in den Heimen zu beheben. Ploß forderte die
Mediziner auf, Defizite häufiger den Pflegekassen zu melden. Nach wie vor werden
die Pflegekassen nicht von Ärzten informiert, wenn sie bei Pflegebedürftigen
Pflegeschäden und -mängel feststellen. |
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 03/2001 S. 14 / 15 |
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