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Aus Bad Segeberg

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Interdisziplinärer Fortbildungszyklus Frühförderung
Frühkindlicher Autismus - Ätiologie, frühe Diagnostik und Förderung

Edda Oppermann

Der Erfolg setzt sich fort: Auch die zweite Veranstaltung aus dem interdisziplinären Fortbildungszyklus der Arbeitsgruppe Frühförderung bei der Ärztekammer Schleswig-Holstein war mit ca. 220 Teilnehmerinnen/Teilnehmern hervorragend besucht.
Langjährige Erfahrung in der schwierigen Diagnostik des frühkindlichen Autismus und der Abgrenzung gegen andere Krankheitsbilder zeigte sich im Vortrag von Dr. Göran Carlson, Abteilung Psychologie der Universitäts-Kinderklinik Kiel. Er zeigte auf, dass es sich beim frühkindlichen Autismus um eine tief greifende, wahrscheinlich genetisch bedingte Entwicklungsstörung handelt, die deutliche Anzeichen schon vor dem vollendeten dritten Lebensjahr hat und die während der gesamten Lebenszeit anhält. Als Leitsymptome sind Störungen auf drei Ebenen zu beobachten: In der sozialen Interaktion z. B. im nicht-verbalen Verhalten oder auch in der Beziehung zu Gleichaltrigen, im Bereich der Kommunikation und Sprache wird etwa keine oder eine unverständliche Sprachentwicklung beobachtet und es gibt stereotype Verhaltensmuster, die ungewöhnlich, wiederholt motorisch oder anders auffällig sind. Mittlerweile kann man in der Diagnostik der störungsspezifischen Symptomatik des frühkindlichen Autismus auf eine breite Palette von Instrumenten zugreifen (z. B. Autismus-Diagnostisches Interview, ADI-R oder die Childhood Autism Rating Scale, CARS).

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Dr. Göran Carlson beschrieb das klinische Bild und die diagnostischen Verfahren beim frühkindlichen Autismus

Dr. Helmut Hartmann, Kinder- und Jugendpsychiater an der Landesklinik Brandenburg berichtete über seine Erfahrungen im therapeutischen Umgang mit Kindern mit frühkindlichem Autismus. So schilderte er die Aufmerksamkeits-Interaktionstherapie (AIT) als eine psychotherapeutische Methode, die durch die Veränderung und Variation grundlegender Dimensionen von Interaktion die therapeutische Kommunikation mit psychisch gestörten Kindern (aber auch Jugendlichen oder Erwachsenen) ermöglicht. Dabei werden „andere Sprachen“ wie z. B. die Körpersprache oder auch die Reaktion auf Verhalten des Therapeuten genutzt. Ziele sind die gemeinsame Sprache auch ohne Worte, das Finden eines gemeinsamen Themas sowie die Veränderung dieses Themas auf ein Ziel hin.
Über die Bindungsaspekte in der Eltern-Kind-Beziehung beim frühkindlichen Autismus sowie über die Interventionsmöglichkeiten im Rahmen stationärer Behandlung informierte schließlich Dieter Held, Kinderzentrum Pelzerhaken. Seiner Einschätzung nach sind auch bei Kindern mit frühkindlichem Autismus der Aufbau und der Erhalt der so genannten dualen Einheit grundsätzlich möglich und entwickeln sich oft ungestört. Schwierig wird es, wenn es in der Phase der Auflösung der dualen Einheit eigentlich zu einer Erweiterung der Wahrnehmung der Umwelt für das Kind und gleichzeitig zu einer Modifikation im Fürsorgeverhalten der Eltern kommen sollte. Hier ist das autistische Kind bei der Integration neuer Eindrücke überfordert und beginnt um die Aufrechterhaltung der dualen Einheit zu kämpfen oder konstruiert sich eine eigene Wirklichkeit (Stereotypien, wirklichkeitsfremde Verknüpfungen).

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Fachliche Leitung und engagierte Moderation: Marijke Kaffka-Backmann und Dr. Udo Kalbe, Mitglieder des Arbeitskreises Frühförderung (Fotos: rat)

Reagieren die Eltern dann mit der Rückkehr zur symbiotischen Fürsorge oder aber versuchen sie, ihre „Erziehungsversuche“ zu intensivieren, geraten sie in die Gefahr, zunehmend zu resignieren, da die angestrebten Ziele beim Kind nicht erreichbar sind. Hier, so Held, kann die videogestützte Interaktionsbehandlung z. B. im Rahmen einer stationären Behandlung beiden Seiten hilfreich sein: Eltern können ihr Verständnis für das Verhalten und Erleben des Kindes, gerade auch in schwierigen Situationen, vertiefen, auch einmal die eigene Befindlichkeit in der Interaktion reflektieren, mehr Sicherheit im Umgang mit dem Kind erwerben, v. a. im Hinblick auf eine ausgewogene Balance von Gewähren und Konfrontieren. Das Kind selbst kann in der Behandlung spüren, dass eigene Vorlieben gewährende Resonanz finden und dass diese auch in kritischen Situationen eingesetzt werden dürfen, es kann Veränderungen bewusst erfahren, als aushaltbar/angenehm entdecken und darüber hinaus das eigene Handlungsrepertoire erweitern. Als Fernziel könnte die Eigenstrukturierung im Umgang mit Irritation formuliert werden.
Nach den fachlich sehr informativen Vorträgen der Referenten entwickelte sich - unter der Leitung von Marijke Kaffka-Backmann und Dr. Udo Kalbe - eine engagierte Diskussion.

Dr. Edda Oppermann, Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bismarckallee 8 - 12, 23795 Bad Segeberg

SH Ärzteblatt 03/2001

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 03/2001

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