| Liebe
Leserin, lieber Leser, Was macht den Arzt war das Thema der
diesjährigen Eröffnungsveranstaltung der Akademie am 3. Februar.
Referenten verschiedenster Bereiche, unter anderem Professoren von der Privatuniversität
Witten-Herdecke und der Universität Hamburg, ein Philosoph, ein Journalist und ein
Politiker haben sich dem Thema aus ihrer jeweiligen Sicht angenommen. Wir berichten in
diesem Heft auf Seite 7 über die Veranstaltung.
Aus unserer Sicht waren die Teilnehmer dieser Veranstaltung, die unsere Akademie zusammen
mit der Evangelischen Akademie Bad Segeberg durchgeführt hatte, zufrieden.
Dabei war nicht zu übersehen, dass die in der Veranstaltung gefundenen Antworten
leider nur teilweise Lösungen für den berufspolitischen Alltag bieten konnten.
Nach wie vor ist nicht deutlich, wie die Ärzteschaft selbst die künftige Rolle ihres
Berufes sieht. Ärztinnen und Ärzte haben - wie viele Umfragen immer wieder bestätigen -
bei den Patienten hohes Ansehen. Die Patienten haben mit ihren Ärztinnen und Ärzten oft
gute Erfahrungen gemacht und fühlen sich mit ihren Anliegen bei ihnen gut aufgehoben.
Für den ärztlichen Beruf insgesamt kann man dies so vorbehaltlos nicht sagen. Er wird
von der Bevölkerung und auch der Politik leider häufig nicht so günstig bewertet. Bei
der Suche nach den Ursachen würden wir es uns zu einfach machen, die Schuld dafür nur
bei den Medien anzusiedeln. Auch wir haben Anteil an dieser Einschätzung unseres Berufes.
Dabei ist es bestimmt nicht das hier und da publizierte Fehlverhalten einzelner Ärztinnen
und Ärzte, das zu der spürbar ambivalenten Einschätzung der Ärzteschaft führt. Es
scheint uns genau das zu sein, was unser Akademievorstand mit dem Thema seiner
Eröffnungsveranstaltung deutlich machen wollte. Es besteht offensichtlich innerhalb
der Ärzteschaft kein Konsens mehr darüber, wie sich die Ärztinnen und Ärzte
insgesamt in unsere Gesellschaft einordnen. Hierbei gibt es zwei Extrem-Positionen: Sollen
sie sich nahtlos und unauffällig ohne besondere Pflichten und Rechte integrieren (wie es
zum Beispiel im Ostblock der Fall gewesen ist) oder gibt es auch in Zukunft (von Seiten
der Gesellschaft) besondere Anforderungen an den ärztlichen Beruf. Dann denken wir,
müsste man darüber diskutieren, ob nicht auch die Gesellschaft mit diesem Berufsstand
etwas rücksichtsvoller umgehen müsste als es derzeit erkennbar ist. Auf der anderen
Seite bedingen besondere Rechte auch besondere Pflichten, auch hierüber müsste
innerärztlicher Konsens bestehen.
Ihre Meinung zu diesem Thema würde uns sehr interessieren. Wir würden
gern im Rahmen unseres Ärzteblattes hierzu ein Diskussionsforum eröffnen, in dem Ihre
Auffassungen dargestellt werden.
Bitte schreiben Sie uns!
Mit freundlich-kollegialen Grüßen
Ihre
Dr. med. Eckhard
Weisner
[Präsident] |
Dr. med.
Karl-Werner Ratschko
[Hauptgeschäftsführer] |
|

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 03/2001
S. 3 |