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Medizin und Wissenschaft

Am Rande
Der Vertrieb von Medikamenten über das Internet ist am 09.11.2000 vom Landgericht Frankfurt/Main verboten wor- den. Das Gericht erließ auf Antrag des Deutschen Apothekerverbandes und eines deutschen Pharmaunternehmens eine einstweilige Verfügung gegen eine Apotheke in den Niederlanden. Diese nahm über das Internet Bestellungen an und belieferte deutsche Verbraucher vergleichsweise billig. Das Gericht betrachtete den Internet-Vertrieb als Verstoß gegen das deutsche Heilmittelgesetz sowie gegen das Heilmittel-Werbegesetz. (hps/dpa)
Welche Ängste und Sehnsüchte verbinden die Deutschen mit den wachsenden wissenschaftlichen und medizinischen Zugriffsmöglichkeiten auf den menschlichen Körper? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Umfrage, die der Deutsche Studienpreis der Körber-Stiftung durch das Institut für Demoskopie Allensbach durchführen ließ. Die Studie förderte Erstaunliches zu Tage. Zwar kritisierte eine Mehrheit der Deutschen, dass sich der Mensch zum Herrn über sich selber machen will, bestätigt aber gleichzeitig das Vorhandensein eines Körperkults. So befürwortete jeder fünfte die Implantation eines Chips, wenn sich dadurch die Gehirnleistung bessern ließe. Jeder Zehnte begrüßte die mögliche Verpflanzung von Gehirnen. Allerdings würde nur jeder Fünfundzwanzigste seinen Schädel auf einen anderen Körper setzen lassen.
Für ein längeres oder gesünderes Leben sind 58 % der Deutschen bereit, mit einem menschlichen Spenderorgan zu leben. Ein tierisches Organ oder ein Organ aus Embryozellen würden bisher nur 10 % akzeptieren.
Simon Golin, Geschäftsführer des Studienkreises: Vieles spräche dafür „dass unser Körperverständnis vor einem fundamentalen Wandel steht“. (hps/Bergedorfer Zeitung)
Bereits vor 20 Jahren forderte die Ärztekammer Schleswig-Holstein einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin. Doch erst jetzt gelang es dem „Förderverein zur Einrichtung eines Lehrstuhls“, dass mit Prof. Dr. Ferdinand Gerlach ein Allgemeinmediziner „hauptamtlich“ an eine Hochschulklinik im Lande berufen wurde. Am 1. Januar trat der 39-Jährige seinen Dienst am Kieler Klinikum an. Dr. Karl Bernhard Schröder, der Vorsitzende des Fördervereins und der Geschäftsführer Dr. Klaus-Peter Stritzel erklärten, die vielen Jahre habe man gebraucht, um Bedenken innerhalb des Klinikums, das Fach sei zu unwissenschaftlich, auszuräumen. Die Ärztekammer, die AOK, die Kassenärztliche Vereinigung, die Pharmaunternehmen GlaxoWellcome und AstraZeneca haben 2,5 Millionen DM gesammelt, um eine 5-jährige Anschubfinanzierung für die Stiftungsprofessur zu gewährleisten. (hps/Kieler Nachrichten)
Der Storting, das norwegische Parlament, stellte jetzt eine Milliarde Kronen (rund 240 Millionen DM) für Operationen in ausländischen Krankenhäusern bereit. Hintergrund ist das Dilemma des norwegischen Systems, das einfach zu wenig Operationskapazitäten bereit hält. In Oslo hat Ministerpräsidentin Heide Simonis dem norwegischen Ministerpräsidenten angeboten, bei den langen Wartezeiten Abhilfe zu schaffen. Letztlich sei dies auch, so die Ministerpräsidentin, „eine Gelegenheit, einen neuen Markt zu erschließen.“ (hps/Kieler Nachrichten)
Das Bundesgesundheitsministerium hat am 8. Januar klargestellt, dass auch künftig die logopädische Versorgung in Deutschland gesichert ist. Kinderärzte und HNO-Ärzte, die allein 65 % der sprachgestörten Menschen an Logopäden überweisen, können dies auch weiterhin tun. Die Logopäden hatten befürchtet, dass aufgrund der ab 1. April gültigen neuen Heilmittelrichtlinien nur die bundesweit rund 160 Phoniater an die rund 4 000 tätigen Logopäden überweisen dürften. (hps/Hamburger Abendblatt)

SH Ärzteblatt 02/2001

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 02/2001

S. 37 / 38

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