Medizin und Wissenschaft |
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| Malaria Zunehmender
Reiseverkehr und ständig wachsende internationale Verflechtungen auf den verschiedensten
Gebieten haben die Gefahr einer Einschleppung von Infektionskrankheiten nach Deutschland
deutlich ansteigen lassen. So haben importierte Infektionskrankheiten heute sowohl
quantitativ als auch qualitativ eine besondere Bedeutung erlangt. Die Mehrzahl dieser
Importe ereignet sich im Zusammenhang mit Auslandsreisen oder der Einreise infizierter
Ausländer, daneben kann der Import kontaminierter Lebensmittel oder infizierter Nutztiere
eine Rolle spielen. Eine Reihe von Krankheiten, die ehemals in Deutschland in großer
Fallzahl auftraten (wie beispielsweise Typhus, Parathyphus oder die Shigellose), sind
heute überwiegend Importe.
Wie schon in den Vorjahren, waren auch 1999
vorwiegend junge Erwachsene von Malaria-Erkrankungen betroffen: 25- bis 44-Jährige hatten
einen Anteil von 58 %, 25- bis 34-Jährige von 30 %, 35- bis 44-Jährige waren in 28 % der
Fälle betroffen. Unter den Erkrankten befanden sich auch 1999 einige Kleinkinder (2,2 %)
sowie Personen im fortgeschrittenen Alter (1 Person > 75 Jahre). Damit ergab sich im
Wesentlichen eine Altersverteilung, wie sie auch in den Vorjahren beobachtet wurde (1998:
25 bis 44 Jahre 55 %). Ebenso ergaben sich in der Verteilung nach dem Geschlecht der
Erkrankten keine Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahren. Es dominieren weiterhin
Erkrankungen bei Männern (1999: 69 %, 1998: 68 %). Auf der Basis der langjährigen
Datenanalyse lässt sich schlussfolgern, dass die Alters- und Geschlechtsverteilung der
Erkrankungsfälle an Malaria überwiegend die entsprechende Struktur der Population der
Reisenden und Immigranten widerspiegelt.
Auch 1999 wurde der weitaus größte Teil der
Malaria-Erkrankungen in Afrika erworben (80 %), gefolgt von Asien (8,5 %), Amerika (5,2 %)
und Ozeanien (1,5 %); bei 4,8 % fehlen die Angaben. An der Spitze der Länder, in denen
die Infektionen erfolgten, lagen Kenia (122 Fälle), Ghana (117 Fälle) und Gambia (66
Fälle) vor Nigeria (58 Fälle) und Kamerun (37 Fälle). Besondere Aufmerksamkeit erregten
1999 und in den ersten Wochen des Jahres 2000 Malaria-Erkrankungen, deren Ursprung in der
Dominikanischen Republik lag. Wurden 1997 2 Fälle und 1998 8 Erkrankungen nach Rückkehr
aus der Dominikanischen Republik registriert, waren es 1999 insgesamt 21 Erkrankungen,
davon eine mit einem tödlichen Verlauf. (Bei der Erfassung dieser Fälle bewährte sich
neben dem Meldesys-tem auch das Surveillance-System TropNetEurop.) Das vermehrte Auftreten
von Malaria-Fällen nach Reisen in dieses Land - nicht nur in Deutschland, sondern auch in
anderen europäischen und amerikanischen Staaten - kennzeichnet die Sensibilität einer
Region, in der die Malaria ursprünglich endemisch war, dann ausgerottet werden konnte und
jetzt durch eine Bevölkerungsfluktuation mit hoher Parasitenprävalenz wieder endemisch
zu werden drohte. Durch die eingeleiteten Gegenmaßnahmen hat sich die für Touristen
zeitweilig aufgetretene Infektionsgefahr wieder reduziert (s. a. Epid. Bull. 19/2000:
155).
Ein großer Teil der an Malaria Erkrankten
verbrachte nur eine relativ kurze Zeit im Endemiegebiet. 69 % der Patienten hielten sich 1
bis 4 Wochen dort auf (1998: 64 %). Wie in allen Vorjahren auch, stellten Urlauber den
größten Teil der Erkrankten. 72 % der Deutschen waren auf Urlaubs- bzw. Studienreisen
(1998: 80 %, 1997: 75 %). 17 % erkrankten im Rahmen beruflicher Tätigkeit im Ausland an
Malaria (1998: 16 %, 1997: 18 %). Seeleute bzw. Angehörige des Flugpersonals erkrankten
1999 häufiger als in früheren Jahren (11 Fälle; 1998: 3, 1997: 2 Fälle). Auch bei
Pilgern traten 1999 Fälle an Malaria auf: Betroffen waren 2 Deutsche nach Aufenthalten in
Indien bzw. Simbabwe und ein Bürger Sudans nach einer Pilgerreise in den Sudan.
Die Malaria-Prophylaxe beruht auf zwei Prinzipien,
dem Schutz vor Stichen der Überträgermücken (Expositionsprophylaxe) und der Einnahme
von Medikamenten, die gegen die aufgenommenen Plasmodien wirksam sind (Chemoprophylaxe).
Für das Jahr 1999 liegen erstmals Ergebnisse zur Expositionsprophylaxe
vor, da der Erhebungsbogen um diese Rubrik erweitert worden war. Die Auswertung ergab,
dass nur 7 % aller Erkrankten die Nutzung eines Moskitonetzes angaben, 5 % allein
Repellents; weitere 6 % benutzten sowohl Moskitonetze als auch Repellents. Angaben zur
Chemoprophylaxe: Auch im Jahre 1999 sind wieder viele Urlauber in Malaria-Endemiegebiete
gefahren, ohne irgendeine Chemoprophylaxe vorgenommen zu haben:
Von den 20 Personen, die nach der Sondererhebung des RKI im Jahr 1999 an einer Malaria gestorben sind, waren 15 männlichen und 5 weiblichen Geschlechts, unter ihnen befand sich auch ein Kind im Alter von 8 Jahren. 7 der an Malaria Gestorbenen waren 25 bis 44 Jahre alt, 10 waren 45 bis 64 Jahre alt, 2 älter als 65 Jahre (70 bzw. 76 Jahre). Betroffen waren fast ausschließlich Bürger deutscher Nationalität (19 Deutsche, 1 Polin). Alle Sterbefälle wurden durch Pl. falciparum verursacht. Infektionsgebiet war in 19 Fällen Afrika (darunter 11-mal Kenia), in einem Falle die Dominikanische Republik oder Haiti (s. Epid. Bull. 31/99: 231). Damit kam es bei den Sterbefällen an Malaria im Vergleich zum Vorjahr zu keiner Änderung der immer noch unbefriedigenden Situation. Auch 1999 ergibt sich - anhand der im RKI vorliegenden Melde- und Einzelfallerhebungsdaten - für die Malaria eine Letalität, die um 2 % liegt (bezogen auf eine geschätzte tatsächliche Morbidität um 1 %). Bezüglich der Prophylaxe liegen Angaben für 18 der 20 Fälle vor: 13 der später Verstorbenen hatten keinerlei Chemoprophylaxe durchgeführt, nur 5 hatten entsprechende Medikamente eingenommen (3-mal Chloroquin, 2-mal Mefloquin). Zum Einnahmeverhalten sind nur wenig Angaben verfügbar. Von einem Patienten ist bekannt, dass er das Mefloquin unregelmäßig einnahm; für vier Patienten liegen keine Angaben vor. Malaria-Erkrankungen mit tödlichem Ausgang wurden 1999 aus insgesamt 9 Bundesländern gemeldet.
Insgesamt zeigt die Analyse der Daten für 1999, dass sich die unbefriedigende Situation bei der Malaria gegenüber den Vorjahren nicht verändert hat. Das betrifft die Zahl der Erkrankten, die Zahl der Sterbefälle, aber auch das Beachten der vorliegenden differenzierten Empfehlungen zur Chemoprophylaxe. Immer noch fahren viele Reisende ohne entsprechende Medikation in Regionen, für die eine bestimmte Chemoprophylaxe als unverzichtbar angesehen wird. Dies ist umso kritischer zu bewerten, als die gefährliche Malaria tropica 1999 einen besonders hohen Anteil an den Erkrankungsfällen in Deutschland hatte. Schlussfolgerungen ergeben sich für alle an der Beratung und medizinischen Betreuung Beteiligten, aber auch für das individuelle Verhalten der Reisenden selbst. In schwierigen Beratungssituationen, vor allem aber in der Diagnostik und Therapie, sollten spezialisierte Ärzte bzw. Institutionen genutzt oder zumindest konsultiert werden. (Epidemiologisches Bulletin 29/2000) |
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 02/2001 S. 27 - 30 |
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