Aus Schleswig-Holstein |
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| Tagung des
Kieler Instituts für Sozialrecht und der LVA Schleswig-Holstein Medizinische Rehabilitation mit Handlungsbedarf Horst Kreussler An die 200 Rechts-, Sozial- und Gesundheitsexperten aus
dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus diskutierten Ende November in Lübeck das
Thema Die Verantwortung des sozialen Rechtsstaats für Personen mit Behinderung und
für die Rehabilitation. Auch wenn Fragen des Behindertenrechts im Mittelpunkt
standen, konnten die anwesenden Ärzte darüber hinaus Neues hören aus dem Bereich der
allgemeinen medizinischen Rehabilitation: eine durchaus kritische Bestandsaufnahme mit
einigen Lichtblicken.
Eine kritische Bestandsaufnahme der medizinischen
Rehabilitation lieferte Prof. Dr. Dr. phil. Hans-Heinrich Raspe aus der Sicht der
Sozialmedizin. Er wies auf die zahlenmäßig dominierende Rolle der Rentenversicherung
(RV) hin, die fast die Hälfte der Rehaleistungen erbringt (1999 8 Mrd. DM für 671 000
Leistungen), jedoch mit rückläufigem Anteil. Pro Jahr kämen 2 - 3 % der RV-Versicherten
in den Genuss einer Reha-Maßnahme. Nach vorläufigen Daten einer eigenen Studie hätten
aber mehr als doppelt so viele einen objektivierbaren Bedarf. Aus persönlichen Gründen
stellten sie jedoch häufig keinen Antrag. Diese Unterversorgung sei gröber als gewisse
Rationalisierungsreserven. Von daher werde sich der Druck auf die Budgets der RV-Träger
erhöhen: Schon heute ist abzusehen, dass es zu einer Priorisierung rehabilitativer
Indikationen und Leistungen kommen muss. Dies werde die RV in den nächsten Jahren
beschäftigen und exemplarische Bedeutung auch für andere Versorgungsbereiche haben.
Prof. Badura unterstrich diesen Mängelkatalog und forderte vor allem eine bessere Zusammenarbeit aller Beteiligten in der Rehabilitation und im Gesundheitsbereich allgemein: Auch in der Wirtschaft gibt es neben Wettbewerb immer mehr Formen der Kooperation bis hin zur Fusion. Wir brauchen auch im Gesundheitswesen eine Kultur der Zusammenarbeit!
In der Diskussion sorgte das Trio auf dem Podium (Igl, Raspe, Badura) für eine vorwärts orientierte Richtung. Stichworte: Wir haben noch erheblichen Spielraum zur Rationalisierung im Vorfeld einer Rationierung. Es gibt positive Signale: erstmals Gesundheitsziele des Bundesgesundheitsministeriums, der Bundesausschuss wird transparenter, eine Enquetekommission zur Diskussion von Priorisierung ist angedacht. Und in der Praxis der Rehabilitation sind wir in Schleswig-Holstein schon weiter als andere, so LVA-Geschäftsführer Hans-Egon Raetzell, etwa bei der Heranziehung ausländi-scher Patienten und bei neuen kooperativen Formen. Dr. jur. Horst Kreussler, An der Karlshöhe 1, 21465 Wentorf |
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 02/2001 S. 16 / 17 |
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