Zum Tode von Arnold Bernsmeier,
eines der Pioniere der modernen Diagnostik
und Therapie kardiovaskulärer Krankheitsbilder
Prof. Arnold Bernsmeier, ehemaliger Direktor der I. Medizinischen
Universitätsklinik Kiel, verstarb am 13.11.2000 im Alter von 83 Jahren. Damit haben wir
einen herausragenden Kliniker und Wissenschaftler verloren, der lange Jahre die
Entwicklung des Gebietes der Inneren Medizin, speziell der Diagnostik und Therapie
kardiovaskulärer Erkrankungen und vor allem zerebrovaskulärer Erkrankungen entscheidend
geprägt und gefördert hat.
Arnold Bernsmeier wurde am 01.03.1917 als Sohn eines Fabrikanten in Mennighüffen in
Westfalen geboren und wuchs dort auf. Nach dem Besuch der Evangelischen Volksschule in
Ostscheidt von 1923 bis 1928 wechselte er auf das Friedrichs-Gymnasium im nahen Herford
und erwarb dort die Hochschulreife. Vor Aufnahme des Medizinstudiums im Sommersemester
1939 in Münster absolvierte Bernsmeier den damals obligaten Arbeitsdienst und genügte
seiner Wehrpflicht. Die akademische Ausbildung führte Bernsmeier nach Berlin und
schließlich an die Medizinische Akademie in Düsseldorf, an der er im Wintersemester
1943/44 das medizinische Staatsexamen ablegte und am 18.02.1944 mit einer Dissertation
Über Härte und Enthärtung des Wassers promoviert wurde.
Unmittelbar danach erfolgte am 01.03.1944 der Einzug zum Kriegsdienst, der Bernsmeier ab
Juni d. J. als Truppenarzt in den Russlandfeldzug führte. Im Juli 1944 geriet Bernsmeier
in russische Gefangenschaft und wurde in verschiedenen Lazaretten, die für
Kriegsgefangene eingerichtet worden waren, eingesetzt. Nach seiner Entlassung aus der
Gefangenschaft konnte er am 01.10.1946 eine Stelle als wissenschaftlicher Assistent an der
II. Medizinischen Klinik der Medizinischen Akademie in Düsseldorf antreten, deren
Direktor, Gustav Bodechtel, Bernsmeiers klinischer und akademischer Lehrer wurde.
Forschungen über das vegetative Nervensystem bei Hans Schäfer am Kerckhoff-Institut für
Herz- und Kreislaufforschung in Bad Nauheim stellten die wesentliche Grundlage der
Habilitationsschrift Bernsmeiers dar: Die chemische Blockierung des adrenergischen
Systems am Menschen (angenommen 1953 in Düsseldorf, als Monografie im
Springer-Verlag 1954 erschienen).
In den folgenden Jahren widmete sich Bernsmeier der Erforschung der Hirndurchblutung. In
Fortführung einer von Kety und Schmidt beschriebenen Stickoxydulmethode konnte Bernsmeier
dann ein Verfahren entwickeln, das die Zuverlässigkeit der Messergebnisse wesentlich
erhöhte und zur Grundlage späterer Forschungen auch der Mitarbeiter Bernsmeiers (vor
allem von U. Gottstein und K. Held) wurde. Grundlegende physiologische Erkenntnisse über
den Hirnkreislauf konnten gewonnen werden und damit die Basis zum besseren Verständnis
zerebraler Ischämien erarbeitet werden. In der Folge schlossen sich Analysen Bernsmeiers
zur Durchblutungsmessung an den Koronararterien an, um den Stoffwechsel des Herzens und
insbesondere den myokardialen Sauerstoffverbrauch zu erfassen. Insofern hat Bernsmeier
wesentlich zur Entwicklung der modernen Diagnostik und Therapie zerebraler und
myokardialer Ischämien beigetragen.
Nachdem Bernsmeier 1959 bereits zum außerplanmäßigen Professor an der Universität
München ernannt worden war, erfolgte am 01.11.1962 seine Berufung zum ordentlichen
Professor für Innere Medizin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. In dieser
Stellung, die mit der Direktion der Kieler I. Medizinischen Universitätsklinik Kiel
verbunden war, trat er die Nachfolge von Helmut Reinwein an. Als Allround-Internist
der alten Schule sah Bernsmeier aber unabhängig von diesen wissenschaftlichen
Aktivitäten seine Aufgabenstellung in der Pflichterfüllung am Krankenbett, wo er
unermüdlich den Dienst an den ihm anvertrauten Patienten wahrnahm. Seine klinischen
Forschungen erwuchsen aus klinischen Beobachtungen. Dabei vertrat er das Gebiet der
Inneren Medizin in seiner gesamten Breite, wobei er jedoch immer selbstkritisch zwischen
wissenschaftlichen Schwerpunkten einerseits und allgemeinklinischer Aufgabenstellung
andererseits zu differenzieren wusste. Zahlreiche Schüler setzten die Anregungen
Bernsmeiers wissenschaftlich fort. Jedoch bildete Bernsmeier vor allem
Kliniker aus, die ihre Aufgabe im Auftrag der Krankenversorgung sahen und die
ihrem klinischen Lehrer darin folgten, dass das Primat der ärztlichen Arbeit am
Krankenbett erfüllt wurde.
Trotz seiner zahlreichen beruflichen Erfolge und Ehrungen (einschließlich der
Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin) war Arnold Bernsmeier
ein zurückhaltender Mann geblieben, der Ehrungen kritisch sah, der sich in der wenigen
verbliebenen freien Zeit in seinen Garten zurückzog und vor allem seiner Familie widmete.
Wir wollen jedoch nicht vergessen, dass Bernsmeier gleichzeitig auch ein Mann von
besonderer humanistischer Prägung und menschlicher Ausstrahlung war, um den wir
ehemaligen Schüler und Mitarbeiter, aber auch Nachfolger im Amt, zusammen mit den
Hinterbliebenen, seiner Ehefrau und seinen beiden Söhnen, trauern. (Prof. Dr. H. D.
Bruhn, Prof. Dr. U. R. Fölsch)