| Abschiedssymposium
für Prof. Dr. Wawersik am 25.11.2000 Am 31. Juli 2000 ist Prof. Dr.
Jürgen Wawersik als emeritierter Direktor der Klinik für Anästhesiologie und operative
Intensivmedizin der Universität zu Kiel nach einer Amtszeit von 29 Jahren in den
Ruhestand getreten.
1933 im oberschlesischen Bauthen geboren, studierte er in Göttingen, Tübingen,
Heidelberg und zuletzt in Hamburg, legte dort 1958 das Staatsexamen ab und promovierte im
folgenden Jahr. Nach einem chirurgischen Jahr in Berlin begann er 1961 seine
anästhesiologische Ausbildung bei Prof. Dr. O. H. Just zunächst in Berlin, anschließend
1962 - 1971 in Heidelberg. 1965 erhielt er die Facharztanerkennung für Anästhesie.
Es folgten klinisch und wissenschaftlich äußerst produktive Jahre. Besondere
wissenschaftliche Schwerpunkte waren die Narkosetechnik im Kindesalter und hier
insbesondere die physiologischen Aspekte.
Mit seiner Habilitationsschrift von 1967 über Ventilation und Atemmechanik bei
Säuglingen erschloss er seinerzeit auch von Physiologen uneingeschränkt anerkannt
Neuland. Zu diesem frühen Zeitpunkt - also lange vor der allgemeinen Verbreitung der EDV
- beschäftigte er sich mit den Einsatzmöglichkeiten der Datenverarbeitung für
medizinische Statistik und für deren spezielle diagnostische Anwendung. Die hierbei
gewonnenen Erfahrungen dienten ihm später dazu, den notwendigen sachlichen und
personellen Ausbau seiner Klinik zu begründen.
Schließlich darf aus der wissenschaftlichen Arbeit jener Jahre auch nicht seine
Beschäftigung mit medizinisch-ethischen Fragen unerwähnt bleiben. Als Mitglied einer
Kommission der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie war er einer der Verfasser der ersten
deutschsprachigen Empfehlung zur Festlegung des zeitlichen Todeseintritts.
Seine Berufung 1971 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Anästhesie der Universität
Kiel markiert jenen Wandel im Verständnis des damals noch jungen Faches, in dem es den
Makel einer unselbstständigen klinischen Disziplin abstreifen konnte. Es zeichnet Prof.
Wawersik als einen der Pioniere unseres Faches aus, zur wissenschaftlichen wie klinischen
Emanzipation der Anästhesiologie beigetragen zu haben.
Als er sein Amt in Kiel antrat, fand er außer dem Lehrstuhl selbst kaum etwas vor. Weder
gab es die notwendige personelle und fachliche Infrastruktur für die neu konzipierte
Abteilung für Anästhesie, noch einen entsprechenden akademischen Unterbau für das
expandierende Fach. Es galt also aus dem Nichts zunächst einmal eine ausreichende Anzahl
von Stellen zu schaffen, eine dem erweiterten Aufgabenspektrum und der vertieften
Professionalität des Faches entsprechende Ausbildung zu organisieren und nicht zuletzt
auch die Voraussetzungen für den universitären Vorlesungs- und Ausbildungsbetrieb zu
schaffen. Wenn dies Prof. Wawersik in vergleichsweise kurzer Zeit und mit nachhaltigem
Erfolg gelang, so war dies neben seiner fachlichen Virtuosität vor allem seiner Präsenz
im Operationssaal zu verdanken. Er lebte vor, welche Rolle der Anästhesist im modernen
Klinikalltag wahrzunehmen habe. So zeigte er sich nicht nur als kompetenter Fachmann für
Narkosen, Notfall-, Intensiv- und Schmerztherapie, sondern auch als Moderator und
Koordinator in der Zusammenar- beit mit den operativen Fachdisziplinen.
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Feierlich
verabschiedet: Prof. Dr. Jürgen Wawersik
(Foto: Prof. Dr. Scholz) |
Zum Schluss dieser sicher unvollständigen Skizze
sei auch noch erwähnt, dass Prof. Wawersik 1983 - 1992 für neun lange Jahre das Amt des
ärztlichen Direktors des Kieler Universitätsklinikums ausübte. Mit seiner Fähigkeit,
fachübergreifend zu moderieren, gemeinsame Interessen zu bündeln und wirkungsvoll nach
außen zu vertreten, hat er sich einen hervorragenden Ruf und große Verdienste innerhalb
und außerhalb der Universität und seines Faches erworben.
Für alle, die das Glück hatten von Prof. Wawersik wissenschaftlich fundiert und immer
praxisnah ausgebildet worden zu sein, repräsentiert er unvergesslich das Ideal eines
praktischen akademischen Humanismus. Am 01.08.2000 übergab Prof. Wawersik sein Amt als
Direktor der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin an Prof. Dr. J.
Scholz. Ihm ist es als Nachfolger von Prof. Wawersik eine große Ehre und Verpflichtung,
die Klinik in seinem Sinne weiterzuführen und zu entwickeln.
Politik, Fakultät, ehemalige Schüler und Mitarbeiter haben sich am 25.11.2000
anlässlich einer feierlichen und festlichen akademischen Verabschiedung zusammengefunden.
Wir alle wünschen ihm und seiner Familie für die Zukunft alles Gute und dem
Motorradfahrer allzeit eine gute Fahrt. (Dr. H. Gagelmann und Prof. Dr. J. Scholz) |

Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 1/2001
S. 75 |