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BSE:
Keine absolute Sicherheit für den Verbraucher
Wer kein
Restrisiko eingehen will, muss in der heutigen Situation Fleisch meiden
Angesichts der
Diagnose von BSE bei einem Rind in Schleswig-Holstein und des Krankheitsverdachts
bei einem aus Deutschland stammenden Rind in Portugal nimmt der Verbraucher
in Deutschland bei dem Verzehr von Rindfleisch ein Restrisiko in Kauf.
Wer dieses Risiko nicht eingehen will, dem rät das Bundesinstitut
für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, BgVV,
in Berlin, auf den Verzehr von Rindfleisch und rindfleischhaltiger
Wurst zu verzichten, bis offene Fragen hinsichtlich der Infektionswege
beantwortet sind.
Der erste BSE-Fall bei einem deutschen Rind war nach Anwendung eines
BSE-Schnelltests in Schleswig-Holstein entdeckt worden. Die Ergebnisse
von mehr als 10 000 Tests, die in der Vergangenheit bereits u. a.
an kranken und älteren Tieren durchgeführt wurden, waren negativ.
Mit weiteren BSE-Fällen muss aber gerechnet werden, wenn die Tests
großflächig eingesetzt werden. Das schleswig-holsteinische BSE-Rind
wurde nach Inkrafttreten des Tiermehl-
verfütterungs-Verbotes an Rinder geboren. Als erste Reaktion wird
in Deutschland ein umfassendes Tiermehlverfütterungs-Verbot an alle
Nutztiere in Kraft treten.
Vor dem Hintergrund der Ereignisse ist eine Neubewertung des Risikos
für den Verbraucher nötig. Die Situation stellt sich nach heutigem
wissenschaftlichen Kenntnisstand folgendermaßen dar:
- Auch deutsche
Rinder können mit BSE infiziert sein.
- Mit den derzeit
eingesetzten Testverfahren lässt sich die Infektion sicher nur bei
Tieren nachweisen, die mindestens 30 Monate alt sind und bei denen
die Erkrankung bereits deutlich fortgeschritten ist.
- Negative Testergebnisse
bei jüngeren Tieren sind nicht aussagekräftig.
- Der Verbraucher
sollte Risikomaterialien (Gehirn, Rückenmark) grundsätzlich meiden.
Sie müssen bei Schafen, Rindern und Ziegen seit dem 1. Oktober 2000
bei der Schlachtung entfernt und beseitigt werden.
- Im Experiment
konnte mit Muskelfleisch erkrankter Tiere keine Infektion erzeugt
werden.
- Milch und Milchprodukte
gelten wissenschaftlich nach wie vor als unbedenklich. Infektionsversuche
waren negativ.
- Für Arzneimittel
und kosmetische Produkte ist der Einsatz von Risikomaterial seit
1998 verboten. Weitere Sicherheitsmaßnahmen sind bei der Herstellung
zu beachten.
- Gelatine wird
nach Aussagen der Hersteller in Deutschland zu über 90 % aus Schweineschwarte
hergestellt. Die Gelatineherstellungsverfahren sind aggressiv und
reichen nach wissenschaftlicher Ansicht aus, um die Sicherheit auch
von Rindergelatine zu gewährleisten. Die Ausgangsmaterialien dürfen
nur von genusstauglichen Tieren stammen.
- Für die Herstellung
von Babynahrung wurden nach Angaben der Hersteller in Deutschland
auch in der Vergangenheit keine Risikomaterialien verwendet. Fleisch
soll von besonders ausgewählten Tieren mit bekannter Herkunft stammen.
- Das Fleisch
von Schwein, Geflügel und Fischen ist nach heutigem Wissen in Bezug
auf das BSE-Risiko als sicher anzusehen.
- Schafe können
an der BSE-ähnlichen Seuche Scrapie erkranken. Scrapie ist überall
dort bekannt, wo Schafe gehalten werden. In England treten die Fälle
allerdings häufiger auf. Solange wissenschaftliche Fragestellungen
hinsichtlich möglicher Zusammenhänge zwischen Scrapie und BSE unbeantwortet
sind, besteht bei dem Verzehr von Schaffleisch ein Restrisiko, das
wissenschaftlich nicht abgeschätzt werden kann.
- Unbeantwortet
ist die Frage, ob die Verfütterung von Tiermehl die Ursache für
das Auftreten von BSE in deutschen Rinderbeständen ist.
- Nach wie vor
wird das deutsche Herstellungsverfahren wissenschaftlich als sicher
angesehen. Das aktuelle Verfütterungsverbot wurde aus Gründen des
vorsorgenden Verbraucherschutzes erlassen.
- Das BgVV geht
davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen BSE und der neuen Variante
der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit besteht. Der endgültige wis- senschaftliche
Beweis dafür steht allerdings aus. In Deutschland wurde diese Variante
bislang nicht diagnostiziert. Die amtlichen Fallzahlen der klassischen
Variante von Creutzfeldt-Jacob sind in den letzten Jahren stabil.
Die
Alarmglocken schrillen
Die Seuche BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie = Rinderwahnsinn)
hat Europa in eine tiefe Krise gestürzt. Seit Ausbruch der Seuche
wurden in Großbritannien über 180 000 und im restlichen Europa
knapp 1 600 BSE-Fälle bei Rindern bestätigt. Die Politiker bemühen
sich durch Forderung eines EU-weiten Verbotes von Tiermehlfutter
und die Einführung von BSE-Schnelltests um Schadensbegrenzung,
während bei den Verbrauchern die Angst vor der tödlichen Krankheit
grassiert. Denn nun gilt es als fast gesichert, dass der BSE-Erreger
auch Menschen infizieren kann. Die Betroffenen erkranken nach
einer längeren Inkubationszeit an der so genannten neuen Variante
der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD). Bisher starben europaweit
insgesamt 89 Menschen an dieser neuen Form einer schwammartigen
Gehirnerkrankung. Die Gefahr, mit einem BSE-infizierten Rind in
Kontakt zu kommen, ist allerdings nicht überall in Europa gleich.
Über einen komplizierten Schlüssel hat der wissenschaftliche Lenkungsausschuss
(SSC) der EU-Kommission die Wahrscheinlichkeit berechnet, in einem
Land auf BSE-Erreger zu treffen. Großbritannien landet damit in
der höchsten BSE-Risikoklasse IV, allerdings nimmt die BSE-Gefahr
durch zahlreich getroffene Maßnahmen seitens der Regierung eher
ab. Dagegen schrillen für Deutschland alle Alarmglocken. Denn
nach Meinung des SSC zeigt das BSE-Risiko hier steigende Tendenz,
noch gilt aber die Risikoklasse III. |
Bundesinstitut
für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin,
Thielallee 88 - 92, 14195 Berlin
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
1/2001
S.
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